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Energie & Licht

Wenn der Strom zurückkommt: die ersten Stunden danach

Das Licht geht wieder an – und jetzt? Was du vor und nach der Rückkehr des Stroms tust, damit Geräte, Heizung und Wasser sicher wieder anlaufen.

7 Min. LesezeitEinstiegStand: 25. September 2026
Ein geöffneter Sicherungskasten mit mehreren Leitungsschutzschaltern befindet sich in einem Wohnhaus.
Nach einem Stromausfall lohnt ein kontrollierter Blick auf Sicherungen und Geräte – nicht alles sollte gleichzeitig wieder zugeschaltet werden.Foto: Famartin · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Über die Stunden ohne Strom wird viel geschrieben, über den Moment danach kaum. Dabei entscheidet sich gerade dann, ob ein Herd unbeaufsichtigt anspringt, ob die Heizung wieder läuft und ob das Wasser aus der Leitung gleich getrunken werden sollte. Dieser Artikel geht die ersten Stunden nach der Rückkehr des Stroms der Reihe nach durch – vom Ausschalten vorher bis zu den Lehren, die du danach notierst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Herd, Bügeleisen, Heizlüfter und andere Wärmegeräte beim Ausfall ausschalten – sonst laufen sie unbeaufsichtigt an.
  • Empfindliche Elektronik vom Netz nehmen und nach der Rückkehr nicht alles gleichzeitig einschalten.
  • Direkt nach der Wiederzuschaltung keine starken Verbraucher wie Waschmaschine oder Wasserkocher starten.
  • Heizung zuerst, dann der Rest: Öl- und Gasheizungen laufen meist selbst an, Zeiten müssen oft neu eingestellt werden.
  • Wasser, das lange in der Leitung stand, erst ablaufen lassen und auf Hinweise des Wasserversorgers achten.

Warum der Strom nicht auf einen Schlag zurückkommt

Nach einem größeren Ausfall kann es sein, dass der Netzbetreiber die Versorgung nicht überall gleichzeitig wieder zuschaltet, sondern Schritt für Schritt. Beim Stromausfall im Südwesten Berlins im Januar 2026 sprach die Senatsverwaltung ausdrücklich von einer schrittweisen Wiederzuschaltung, die „sicher und stabil“ erfolgen solle – und bat die Bevölkerung dafür um Mithilfe.

Zu dieser Mithilfe gehörte, Elektrogeräte vorher vom Netz zu trennen und unmittelbar nach der Wiederzuschaltung keine starken Stromverbraucher zu benutzen. Genannt wurden Waschmaschinen, Wäschetrockner, Wasserkocher, Heizlüfter und Ladestationen für E-Autos. Die Senatsverwaltung wies außerdem darauf hin, dass es während der Wiederanschaltung zu kurzen Unterbrechungen kommen kann.

Für dich heißt das: Das erste Aufleuchten der Lampe ist noch nicht das Ende. Rechne damit, dass der Strom noch einmal kurz weg ist, und lass dir mit dem Einschalten Zeit.

Vorher ausschalten: Wärmegeräte und empfindliche Elektronik

Das Wichtigste passiert schon während des Ausfalls. Das BBK rät, sofort nach Eintritt des Stromausfalls alle elektrischen Wärmegeräte auszuschalten – Herd, Ofen, Bügeleisen, Kaffeemaschine, Wasserkocher, Heizdecken und Heizlüfter. So verhinderst du, dass diese Geräte unkontrolliert weiterlaufen, wenn der Strom zurückkommt, womöglich während du schläfst oder nicht zu Hause bist.

Empfindliche Geräte wie Computer oder Fernseher solltest du nach Empfehlung der Verbraucherzentrale ebenfalls ausschalten. Sie begründet das mit möglichen Schäden durch Spannungsschwankungen beim Wiedereinschalten. Am sichersten ist es, den Stecker zu ziehen oder die schaltbare Steckerleiste auszuschalten.

Lass eine einzelne Lampe eingeschaltet. Sie zeigt dir, wann der Strom zurück ist, ohne dass ein großes Gerät mit anläuft.

  • Herd, Backofen, Bügeleisen, Wasserkocher, Kaffeemaschine ausschalten.
  • Heizlüfter und Heizdecken ausschalten.
  • Computer, Fernseher und andere empfindliche Elektronik ausschalten oder ausstecken.
  • Eine Lampe als Anzeige eingeschaltet lassen.

Nach der Rückkehr: Schritt für Schritt einschalten

Ist der Strom stabil zurück, schaltest du deine Geräte nach und nach wieder ein, nicht alle auf einmal. Die Innung Sanitär, Heizung, Klima Berlin empfahl nach dem Berliner Ausfall, dabei nach Prioritäten vorzugehen: zuerst die Wärmeversorgung, dann schrittweise alle anderen Geräte.

Die Verbraucherzentrale nennt für die Zeit danach drei Aufgaben: elektrische Geräte auf Funktion und mögliche Schäden prüfen, Uhren, Heizungen und andere Geräte neu einstellen und Schäden dokumentieren. Letzteres lohnt sich, auch wenn nicht jeder Schaden ersetzt wird. Bei rein technischen Defekten durch Überspannung oder Spannungsschwankungen zahlen Hausratversicherungen nach ihrer Einschätzung in der Regel nicht – ob deine Police greift, klärst du im Einzelfall.

Hast du während des Ausfalls ein Notstromaggregat betrieben, muss es vor der Rückschaltung ab- und von den Geräten getrennt sein. Die Berliner Senatsverwaltung warnte, dass sonst Schäden an den eigenen Geräten drohen. Wie du ein Aggregat überhaupt sicher betreibst, steht im Artikel „Notstrom sicher betreiben“.

Ablauf in vier Schritten: 1 Lampe zeigt, dass Strom da ist. 2 Heizung zuerst. 3 Geräte nach und nach. 4 Prüfen, Uhren stellen. Darunter der Hinweis: Starke Verbraucher nicht sofort.
Erst die Wärmeversorgung, dann schrittweise alles andere – und starke Verbraucher nicht gleich nach der Wiederzuschaltung.Skizze: WildWeasel

Achtung Arbeiten an der Hausinstallation dürfen nach Hinweis des BBK nur Elektrofachbetriebe ausführen. Bleibt nur bei dir alles dunkel, obwohl die Nachbarn wieder Strom haben, oder löst nach der Rückkehr immer wieder eine Sicherung aus, ist das ein Fall für die Elektrofachkraft – nicht für Ausprobieren am Zählerschrank. Standen Steckdosen, Verteilungen oder Geräte unter Wasser, fasse sie nicht an und betritt die überfluteten Räume nicht: Das BBK warnt vor Lebensgefahr.

Kühlschrank, Gefriertruhe und Vorräte

Sobald der Strom zurück ist, kühlen Kühlschrank und Gefriertruhe wieder – aber was in der Zwischenzeit warm geworden ist, wird dadurch nicht wieder sicher. Die Verbraucherzentrale rät, Lebensmittel zu entsorgen, die verdorben sein könnten.

Welche Lebensmittel wie lange durchhalten, was wieder eingefroren werden darf und was weg muss, erklärt der Artikel „Kühlschrank und Gefriertruhe bei Stromausfall“ ausführlich. Im Zweifel gilt: lieber wegwerfen als riskieren.

Heizung, Warmwasser und Wärmepumpe

Öl- und Gasheizungen sollten nach Einschätzung der Innung SHK Berlin in der Regel selbst wieder hochfahren. Tun sie das nicht, kann der Entstörknopf am Brenner oder Regler helfen; Zeitprogramme müssen oft von Hand neu eingestellt werden. Nach dem Berliner Ausfall wies die Innung zudem darauf hin, dass Wärmepumpen und Monoblock-Systeme nicht eigenständig wieder in Betrieb gingen und der Fachbetrieb begleiten sollte. Was für deine Anlage gilt, steht in der Bedienungsanleitung des Herstellers.

Stell die Heizung nach einem langen, kalten Ausfall nicht sofort auf die höchste Stufe. Die Innung empfiehlt, die Temperatur stufenweise zu erhöhen, damit Rohre, Wände und Böden langsam warm werden, und regelmäßig stoßzulüften, weil sich sonst Schimmel bilden kann.

War es während des Ausfalls frostig, können Wasserleitungen eingefroren sein. Die Verbraucherzentrale rät, Leitungen und Heizungsanlage nach dem Wiederanlaufen im Blick zu behalten und auf Undichtigkeiten oder ungewöhnliche Geräusche zu achten, denn Schäden zeigen sich oft erst mit Verzögerung. Mehr zur Heizung im Stromausfall findest du im Artikel zur Heizung bei Stromausfall.

Trinkwasser: erst ablaufen lassen, dann Hinweise beachten

Wasser, das lange in der Leitung steht, kann Stoffe aus den Rohren aufnehmen. Das Umweltbundesamt rät allgemein, Trinkwasser, das vier Stunden oder länger in der Leitung gestanden hat, kurz ablaufen zu lassen, bis es etwas kühler über die Finger läuft. Das abgelaufene Wasser kannst du zum Blumengießen verwenden. Zum Kochen nimmst du besser Wasser aus der Kaltwasserleitung.

Nach einem mehrtägigen Ausfall empfahl die Innung SHK Berlin, das Wasser länger ablaufen zu lassen – so, wie man es auch nach einem Urlaub tut. Fällt dir danach auf, dass das Wasser anders aussieht oder riecht, wende dich an den Gebäudeeigentümer; wird der Mangel nicht behoben, ist nach Hinweis des Umweltbundesamts das Gesundheitsamt zuständig.

Konnte der Wasserversorger während des Ausfalls die Versorgung nicht überall halten, gibt er danach oft eigene Hinweise heraus. Die haben Vorrang vor jeder allgemeinen Regel. Gilt ein Abkochgebot, lies nach, was das im Alltag bedeutet, im Artikel „Abkochgebot: was bei verunreinigtem Leitungswasser gilt“.

Tore, Rollläden, Aufzüge, Router und Alarmanlage

Wer während des Ausfalls ein Garagentor oder einen Rollladen über die Notentriegelung geöffnet hat, muss den Antrieb danach meist wieder einkuppeln, bevor er elektrisch funktioniert. Wie das geht, steht in der Anleitung des Herstellers – schau nach, bevor du auf den Taster drückst.

Ein Aufzug, der nach dem Ausfall gesperrt ist oder sich ungewöhnlich verhält, bleibt tabu, bis der Betreiber ihn freigegeben hat. Sag der Hausverwaltung Bescheid, statt es selbst zu probieren.

Router, Telefonanlage und Alarmanlage hängen ebenfalls am Netz. Prüfe nach der Rückkehr, ob Internet und Telefon wieder gehen, ob die Alarmanlage scharf geschaltet ist und ob Uhren an Herd, Heizung und Zeitschaltuhren die richtige Zeit zeigen. Die Verbraucherzentrale nennt das Neueinstellen von Uhren und Geräten ausdrücklich als Aufgabe nach dem Ausfall.

Vorräte auffüllen und Lehren notieren

Die Tage nach einem Ausfall sind der beste Zeitpunkt, die eigene Vorsorge zu verbessern. Du weißt jetzt genau, was gefehlt hat: Waren es Batterien, Wasser, etwas zum Essen ohne Kochen oder einfach eine Taschenlampe am richtigen Ort?

Fülle auf, was du verbraucht hast, und schreib die Lehren sofort auf, solange sie frisch sind. Ein guter Ort dafür ist dein Familien-Notfallplan. Wie du ihn anlegst, erklärt der Artikel „Familien-Notfallplan: in einer Stunde erstellt“.

  • Verbrauchte Batterien, Kerzen, Wasser und Vorräte ersetzen.
  • Powerbanks und Akkus wieder aufladen.
  • Notieren, was gefehlt hat und was gut funktioniert hat.
  • Schäden an Geräten und verdorbene Lebensmittel dokumentieren.

Häufige Fragen

Warum soll ich den Herd ausschalten, wenn er ohnehin keinen Strom hat?

Weil er wieder anspringt, sobald der Strom zurückkommt – womöglich nachts oder wenn du nicht zu Hause bist. Das BBK rät deshalb, Wärmegeräte sofort beim Ausfall auszuschalten.

Darf ich direkt nach der Rückkehr die Waschmaschine anstellen?

Besser nicht. Bei der Wiederzuschaltung in Berlin baten die Behörden ausdrücklich darum, unmittelbar danach keine starken Verbraucher wie Waschmaschine, Trockner oder Wasserkocher zu benutzen.

Kann ich das Leitungswasser sofort wieder trinken?

Lass es zuerst ablaufen, bis es kühler aus dem Hahn kommt. Hat der Wasserversorger eigene Hinweise oder ein Abkochgebot herausgegeben, gelten diese.

Die Heizung springt nicht wieder an. Was nun?

Bei Öl- und Gasheizungen kann der Entstörknopf am Brenner oder Regler helfen. Läuft die Anlage danach nicht oder handelt es sich um eine Wärmepumpe, ist der Fachbetrieb zuständig.

Quellen

  1. Stromausfall – Vorsorge und Selbsthilfe (Bürgerinformation, Stand Januar 2019)Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Wärmegeräte beim Ausfall ausschalten, Arbeiten an der Hausinstallation nur durch Elektrofachbetriebe, Lebensgefahr bei überfluteten Anlagen
  2. Was tun bei Stromausfall? Gut vorbereitet und richtig handelnVerbraucherzentrale · Empfindliche Geräte ausschalten, Aufgaben nach dem Ausfall, Hausratversicherung, Leitungen nach Frost beobachten
  3. Wichtige Hinweise zur schrittweisen Wiederzuschaltung der regulären StromversorgungSenatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege Berlin · Schrittweise Wiederzuschaltung, Geräte und Aggregate vorher trennen, keine starken Verbraucher direkt danach, kurze Unterbrechungen möglich
  4. Hinweise bei der Wiederinbetriebnahme (7. Januar 2026)Innung Sanitär, Heizung, Klima Berlin (Handwerksinnung) · Wiederanlauf von Öl- und Gasheizungen und Wärmepumpen, Temperatur stufenweise erhöhen, Wasser ablaufen lassen, Reihenfolge beim Einschalten
  5. Trinkwasser-Installation: Auf die letzten Meter kommt es anUmweltbundesamt · Stagnationswasser nach vier Stunden oder länger ablaufen lassen, Zuständigkeit bei Mängeln