Immer wieder legen Cyberangriffe Stadtverwaltungen, Kreise oder Stadtwerke lahm. Bei den Stadtwerken Schwerte liefen Strom und Wasser 2025 nach eigener Mitteilung weiter – spürbar wurde der Angriff anders: Das Kundenportal ging nicht, und der Kundenservice war womöglich nur eingeschränkt erreichbar. Im hessischen Rodgau waren 2023 Stadtverwaltung und Stadtwerke nur sehr eingeschränkt zu erreichen, und die Stadt warnte vor gefälschten Nachrichten, die Dritte in ihrem Zusammenhang verschicken könnten. Hier steht, womit du rechnen solltest und was du vorher und währenddessen tun kannst.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei Angriffen auf Verwaltungen fallen vor allem Dienstleistungen aus: Zulassung, Urkunden, Auszahlungen.
- Nach einer Verschlüsselung rechnen BBK und BSI mit mehreren Monaten, bis die IT weitgehend wieder läuft.
- Stadtwerke Schwerte 2025: Versorgung lief weiter, Kundenportal gestört, Kundenservice womöglich eingeschränkt.
- Nach einem Angriff drohen gefälschte E-Mails und Anrufe im Namen der Stelle – Absender selbst prüfen.
- Bescheide auf Papier, notierte Fristen und früh erledigte Behördengänge federn einen langen Ausfall ab.
Was ein Angriff auf die Verwaltung auslöst
Kommunalverwaltungen hängen stark an ihrer IT und sind gegenüber deren Ausfall entsprechend verwundbar. Das schreiben das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in ihrem gemeinsamen Wegweiser „Kommunale IT-Krisen“. Als derzeit größte Cyberbedrohung für Verwaltungen nennen sie Ransomware: Erpressungssoftware, die Dateien und Systeme verschlüsselt, damit das Opfer für die Freigabe Lösegeld zahlt.
Wird ein Angriff erkannt, werden die Systeme laut Wegweiser als Erstmaßnahme meist abgeschaltet oder vom Netz getrennt, damit die Angreifer keinen weiteren Schaden anrichten. Genau dieser richtige Schritt bedeutet für dich den Ausfall: Fachverfahren stehen still, E-Mail-Postfächer funktionieren nicht, Telefone sind teils nur eingeschränkt erreichbar.
Wie sich das anfühlt, spielt der Wegweiser an einer erfundenen Stadt durch: Auszahlungen von Bürgergeld und Kfz-Zulassungen gestalten sich schwierig, Sterbeurkunden können nicht mehr ausgestellt werden – und damit finden keine Bestattungen statt. Das ist ein Szenario. Die Fallstudie zur Südwestfalen-IT zeigt aber, dass ein echter Fall von 2023 ähnlich aussah: Zulassungen und Auszahlungen standen zeitweise still.
Nicht jeder Angriff reicht so tief. Der Wegweiser beschreibt auch Überlastungsangriffe, bei denen Kriminelle gezielt kommunale Webseiten und andere Online-Angebote lahmlegen, um Kommunen politisch unter Druck zu setzen. Dafür muss niemand in die Systeme eindringen; gestört wird nur der Zugriff von außen, etwa durch Bürgerinnen und Bürger.
Wie lange so ein Ausfall dauern kann
Die ehrliche Antwort des Wegweisers lautet: länger, als man denkt. Schon wenn eine Verwaltung ihr internes Netz nur vorsorglich abschaltet, muss nach vergangenen Vorfällen mindestens ein halber Tag für den Wiederanlauf eingerechnet werden. Sind die Systeme vollständig übernommen und verschlüsselt, ist von mehreren Monaten auszugehen, bis der IT-Betrieb zumindest weitgehend wiederhergestellt ist.
Der Grund: Angegriffene Systeme müssen in der Regel komplett neu aufgebaut werden. Fachleute müssen erst das Einfallstor finden und schließen und prüfen, ob die Angreifer eine Hintertür hinterlassen haben. Das gilt laut Wegweiser selbst dann, wenn ein funktionierender Schlüssel zum Entschlüsseln vorhanden wäre.
Deshalb richtet eine Verwaltung zuerst einen Notbetrieb für die wichtigsten Dienstleistungen ein. Welche das sind, legt jede Kommune selbst fest. Nach der Erfahrung aus vergangenen Vorfällen wurden unter anderem diese Verfahren recht hoch priorisiert und schnell wiederhergestellt:
- Meldewesen: Personalausweise, Reisepässe, Ummeldungen
- Standesamt: Beurkundung von Geburten, Todesfällen und Eheschließungen
- Sozialamt, Wohngeld sowie Arbeit, Jugend und Soziales
- Kfz-Zulassung
Tipp Wie lange es in einem echten Fall gedauert hat, zeigt die Fallstudie zum Landkreis Anhalt-Bitterfeld: Dort galt nach einem Cyberangriff 2021 sogar der Katastrophenfall.
Stadtwerke und Versorger: was bisher betroffen war
Bei einem Angriff auf die Stadtwerke denken viele zuerst an Strom und Wasser. Im Fall Schwerte sah es anders aus; aus Rodgau ist nur die eingeschränkte Erreichbarkeit überliefert.
Die Stadtwerke Schwerte meldeten im März 2025 einen Cyberangriff auf ihr internes Netz. Nach eigener Mitteilung wurden alle Kunden weiterhin zuverlässig mit Gas, Wasser, Strom und Glasfaser versorgt. Betroffen waren interne Dienste und das Kundenportal auf der Website, auch die Erreichbarkeit des Kundenservice konnte eingeschränkt sein. Sechs Tage nach der ersten Meldung konnte das Unternehmen noch nicht abschätzen, wie lange der Service eingeschränkt bleibt.
Im hessischen Rodgau traf ein Angriff im Februar 2023 Stadtverwaltung, Stadtwerke und Sozialstation. Am Tag danach teilte die Stadt mit, Verwaltung und Stadtwerke seien nur sehr eingeschränkt zu erreichen, alle Mail-Postfächer funktionierten nicht. Der Wegweiser von BBK und BSI führt diese Mitteilungen als Beispiel für Krisenkommunikation auf, die sich im Einzelfall bewährt hat.
Eine Entwarnung für alle Fälle ist das nicht. Das BBK hält fest, dass die Wahrscheinlichkeit, dass kritische Dienstleistungen wegen Cybergefahren ausfallen, heute so hoch ist, dass sie ständig mitgedacht werden muss. Als Beispiele nennt es ein Krankenhaus, das sich nach einem Ransomware-Angriff von der Notfallversorgung abmelden muss, und Angriffe auf Energieversorger in der Ukraine, die 2015 und 2016 zu den ersten bestätigten Stromausfällen durch Cybersabotage führten.
Für deinen Haushalt heißt das nach unserer Einschätzung: Vorsorge für einen Strom- oder Wasserausfall hängt nicht von der Ursache ab. Wer für einen Stromausfall vorgesorgt hat, samt Wasservorrat, ist auch bei einem Ausfall nach einem Cyberangriff vorbereitet; eine gesonderte Vorsorge dafür ist nicht nötig.
Die zweite Welle: gefälschte Nachrichten und gestohlene Daten
Für dich ist oft wichtiger, was nach dem Ausfall kommt. Laut Wegweiser werden die Daten bei Ransomware-Angriffen regelmäßig nicht nur verschlüsselt, sondern vorher auch gestohlen, um mit ihrer Veröffentlichung zu drohen. Das sei derzeit bei fast jedem solchen Angriff zu beobachten. In der Folge werden häufig gestohlene Dateien veröffentlicht, darunter auch personenbezogene Daten. Manchmal versuchen die Täter sogar, die Kunden des Opfers zu erpressen.
Dazu kommen Betrugsversuche im Namen der betroffenen Stelle. Die Stadt Rodgau bat nach ihrem Angriff ausdrücklich um erhöhte Wachsamkeit: vor gefälschten E-Mails, gefälschten Telefonanrufen und verdächtigen Anhängen mit Schadcode, die Dritte im Zusammenhang mit der Stadt verschicken könnten.
Die wichtigste Regel dagegen steht in der Phishing-Checkliste von BSI und Polizeilicher Kriminalprävention: Banken, Diensteanbieter und Behörden bitten niemals per E-Mail darum, persönliche Daten wie Passwörter über einen Link zu ändern. Hast du Zweifel, lass dir die Nachricht vom Absender telefonisch bestätigen – mit einer Nummer, die du selbst heraussuchst, nicht mit der aus der Nachricht.
Video: Phishing-E-Mails enttarnen! | BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) – Erklärvideo des BSI (gut drei Minuten): woran du gefälschte E-Mails und nachgeahmte Webseiten erkennst.
- Anhänge mit Endungen wie .exe oder .scr nicht öffnen; Vorsicht auch bei Doppelendungen wie „Dokument.pdf.exe“.
- Bei Geldforderungen Unbekannter nichts zahlen, sondern Polizei, Verbraucherzentrale oder einen Rechtsbeistand fragen.
- Auch bei einem vagen Verdacht, dass deine Daten abgeschöpft wurden, Anzeige bei der Polizei erstatten.
Wenn deine Daten betroffen sein könnten
Gegen den Diebstahl ganzer Datenbanken kann sich eine einzelne Privatperson kaum absichern, schreibt das BSI. Du kannst aber dafür sorgen, dass gestohlene Daten möglichst wenig anrichten. Das BSI rät zu starken Passwörtern und zur Zwei-Faktor-Authentisierung, vor allem bei Bank, Online-Shops, sozialen Medien und E-Mail. Die Phishing-Checkliste ergänzt: für jedes Konto ein anderes Passwort.
Ob Daten zu deiner E-Mail-Adresse offengelegt wurden, kannst du mit den Leak-Checkern des Hasso-Plattner-Instituts und der Universität Bonn prüfen, auf die das BSI verweist. Hast du Zugangsdaten preisgegeben, vergib laut Checkliste ein neues Passwort und nimm Kontakt mit dem Anbieter auf. Bei Zahlungsdaten: Konto sperren, Umsätze kontrollieren und mit der Bank sprechen. Betraf es dein E-Mail-Konto, setze auch die Zugänge zurück, mit denen du dich über diese Adresse anmeldest.
Für Rechte und mögliche Ansprüche nach einem Datenleck verweist das BSI auf die Verbraucherzentralen. Allgemeine Fragen zur IT-Sicherheit beantwortet das Service-Center des BSI unter 0800 274 1000. Wie du deine Konten grundsätzlich absicherst, steht im Artikel zur digitalen Vorsorge.
Vorher: was einen langen Ausfall abfedert
Einen Angriff auf ein Rathaus kannst du nicht verhindern. Die folgenden Punkte sind unsere Schlussfolgerungen aus dem Wegweiser und den Fallbeispielen, keine amtlichen Empfehlungen an Privathaushalte. Sie kosten wenig und helfen bei jedem längeren Ausfall einer Behörde.
- Bescheide, Anträge und Schriftwechsel auf Papier oder als eigene Kopie aufbewahren, nicht nur im Online-Postfach des Amts.
- Fristen, Aktenzeichen und zuständige Stellen notieren, dazu wann und wie du etwas eingereicht hast.
- Ausweis, Pass und Fahrzeugzulassung nicht bis kurz vor einer Frist liegen lassen.
- Wer auf regelmäßige Zahlungen vom Amt angewiesen ist, plant einen kleinen Puffer und etwas Bargeld ein, falls sich eine Überweisung verschiebt.
- Telefonnummer und Adresse von Bürgerbüro und Kundenzentrum der Stadtwerke auch auf Papier haben.
Während des Ausfalls: informiert bleiben
Der Wegweiser rät Kommunen, eine Notfall-Webseite bei einem externen Anbieter vorzuhalten, die sich im Ernstfall sofort freischalten lässt. In Rodgau stand schon am Tag nach dem Angriff ein Hinweis mit den eingeschränkt erreichbaren Telefonnummern im Netz, weitere Informationen sollten regelmäßig folgen.
Verlass dich auf die Kanäle, die deine Kommune schon im Alltag nutzt, etwa ihre Webseite und die Lokalpresse. Welche das bei dir sind, findest du am besten vorher heraus; wie, steht im Artikel Was plant deine Kommune?. Gerüchte entstehen laut Wegweiser vor allem dann, wenn Menschen ohne Erklärung vor verschlossenen Türen stehen oder niemanden erreichen.
Hast du ein dringendes Anliegen, frag gezielt nach einer Alternative. Der Wegweiser betont selbst, dass eine Verschiebung auf unbestimmte Zeit für Betroffene existenzgefährdend sein kann, und empfiehlt Kommunen, Alternativen aufzuzeigen.
Häufige Fragen
Fällt bei einem Cyberangriff auf die Stadtwerke der Strom aus?
Nicht zwangsläufig. Bei den Stadtwerken Schwerte lief die Versorgung mit Gas, Wasser, Strom und Glasfaser 2025 nach eigener Mitteilung weiter, gestört waren interne Dienste und das Kundenportal. Ausschließen lässt sich ein Ausfall aber nicht; das BBK nennt Cybersabotage an Energieversorgern in der Ukraine als Beispiel.
Wie lange ist das Rathaus nach einem Angriff eingeschränkt?
Das hängt davon ab, wie tief der Angriff reicht. Laut BBK und BSI ist nach einer vollständigen Übernahme mit Verschlüsselung von mehreren Monaten auszugehen, bis die IT weitgehend wieder läuft; die wichtigsten Dienste kommen vorher in einen Notbetrieb.
Ich bekomme nach dem Angriff eine E-Mail der Stadt mit einem Link. Was tun?
Nicht klicken und keine Daten eingeben. Behörden bitten laut BSI niemals per E-Mail darum, Passwörter über einen Link zu ändern. Ruf im Zweifel unter einer Nummer an, die du selbst herausgesucht hast.
Woher weiß ich, ob meine Daten gestohlen wurden?
Oft erfährst du es von der betroffenen Stelle selbst; Rodgau etwa kündigte an, gesondert zu informieren, falls sich ein Datenabfluss herausstellt. Zusätzlich kannst du mit den Leak-Checkern, auf die das BSI verweist, prüfen, ob Daten zu deiner E-Mail-Adresse offengelegt wurden.
Quellen
- Kommunale IT-Krisen: Handlungsfähigkeit sichern – Ein Wegweiser zur Bewältigung und PräventionBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) · Ransomware als größte Bedrohung, Abschalten der Systeme, Szenario, Überlastungsangriffe, halber Tag bis mehrere Monate, priorisierte Fachverfahren, Datendiebstahl und Erpressung, Beispiel Rodgau, Notfall-Webseite, Krisenkommunikation
- CybergefahrenBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Ausfall kritischer Dienstleistungen ständig mitdenken, Krankenhaus meldet sich von Notfallversorgung ab, Stromausfälle durch Cybersabotage in der Ukraine 2015 und 2016
- Update: Cyberattacke auf internes Netz (Meldungen vom 05.03. und 11.03.2025)Stadtwerke Schwerte GmbH (Unternehmen) · Versorgung mit Gas, Wasser, Strom und Glasfaser weiter gewährleistet; interne Dienste, Kundenportal und Kundenservice betroffen; Dauer nicht absehbar
- Phishing: Checkliste für den ErnstfallBSI und Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) · Behörden fragen nie per E-Mail nach Passwörtern, Rückruf unter selbst gesuchter Nummer, Anhänge, kein Geld an Kriminelle, Anzeige, Vorgehen bei preisgegebenen Daten
- Identitätsdiebstahl durch Datenleaks und DoxingBundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) · Datenbankdiebstahl kaum abzuwehren, starke Passwörter und Zwei-Faktor-Authentisierung, Leak-Checker, Verweis auf Verbraucherzentralen, Service-Center