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Haushalt & Familie

Bauen mit dem, was da ist: Lehm, Stroh, Holz

Lehm prüfen, Lehmsteine formen, Gefache füllen, Rundholz verbinden: wie aus Erde, Stroh und Holz ein Haus wird – und was es vor Nässe schützt.

9 Min. LesezeitFür FortgeschritteneStand: 26. September 2026
Ein traditionelles Haus mit massiven Adobe-Lehmwänden steht in trockener Landschaft.
Lehm ist seit Jahrhunderten ein Baustoff für massive Wände – entscheidend sind Feuchteschutz, geeignete Mischung und konstruktiver Aufbau.Foto: AndrewEick / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Zement, Stahl und Dämmplatten kommen aus Fabriken. Lehm, Stroh und Holz liegen dagegen oft direkt vor der Tür – und Menschen haben jahrhundertelang damit gebaut. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ erklärt, wie du Lehm prüfst, Lehmsteine formst, Wände stampfst oder ausfachst, Lehmputz aufträgst und Holz ohne Metall verbindest. Er ersetzt keine Statik und keine Baugenehmigung; was heute gilt, steht im Warnkasten am Ende.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lehm ist ein Gemisch aus Kies, Sand, Schluff und Ton; der Ton hält alles zusammen.
  • Vor dem Bauen prüfen: Fühlprobe, Schüttelglas und Schwindkasten zeigen, ob der Lehm taugt.
  • Lehmsteine brauchen mindestens einen Monat, um langsam zu trocknen.
  • Lehm verträgt kein Wasser: Sockel aus Stein, Sperre gegen aufsteigende Nässe, weiter Dachüberstand.
  • Tragende Wände erst belasten, wenn sie ganz trocken sind – und heute die Bauordnung beachten.

Was Lehm ist und was er kann

Lehm ist laut Dachverband Lehm e.V., dem Bundesverband der Lehmbauer, ein Verwitterungsprodukt fester Gesteine und ein Gemisch aus Kies, Sand, Schluff und Ton. Die winzigen Tonminerale sind das Bindemittel zwischen den groben Körnern. Lehm wird an der Luft fest und mit Wasser wieder formbar – beliebig oft.

Die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, nennt als Stärken: Erde ist feuerbeständig, speichert viel Wärme, dämpft Schall und lässt sich mit einfachem Werkzeug verarbeiten. Die Schwächen: Wasser lässt sie zerfallen, sie schwindet und quillt stark und reißt, und sie ist wenig abriebfest.

Nach Angaben des Dachverbands gibt es in Deutschland ungefähr 2 Millionen Gebäude mit Lehm. Seit August 2013 gelten für im Werk hergestellte Lehmbaustoffe drei Normen: DIN 18945 „Lehmsteine“, DIN 18946 „Lehmmauermörtel“ und DIN 18947 „Lehmputzmörtel“. Lehm aus der eigenen Grube musst du selbst prüfen.

Lehm prüfen, bevor du baust

Die FAO empfiehlt, Proben genau dort zu nehmen, wo du später graben willst, und zwar an mehreren Stellen. Zuerst kommt der dunkle, durchwurzelte Oberboden weg, meist weniger als 60 cm. Dann gräbst du eine Grube bis 1,5 m Tiefe und entnimmst Material aus 0,8 bis 1,5 m. Für einfache Feldproben reicht etwa ein Eimer voll.

Mit den Fingern unterscheidest du die Bestandteile: Sand ist mit bloßem Auge sichtbar und knirscht. Schluff ist nicht zu sehen, fühlt sich leicht rau an und lässt sich feucht formen, aber nicht zu Fäden rollen. Ton ist glatt und fettig, klebt feucht und hält trocken zusammen. Riecht die Probe nach nassem, modrigem Holz, steckt organisches Material darin – das gehört nicht in eine Wand.

Für die Schüttelprobe füllst du ein großes, klares Glas mit flachem Boden zu einem Drittel mit Erde und bis zu zwei Dritteln mit Wasser. Zwei Teelöffel Salz lösen den Boden schneller. Kräftig schütteln, eine Stunde stehen lassen, noch einmal schütteln und mindestens 8 Stunden ruhen lassen. Über der sichtbaren Linie der Körner liegen Schluff und Ton; ihre Schichtdicke im Verhältnis zur ganzen Probe ergibt ihren Anteil. Die FAO warnt: Der Wert fällt eher zu niedrig aus, und Schluff und Ton lassen sich so nicht trennen.

Die Schwindprobe ergänzt das. Ein oben offener Kasten, 30 bis 40 mm im Quadrat und 500 bis 600 mm lang, wird eingefettet und mit sehr weichem Lehm gefüllt – richtig ist er, wenn sich eine V-Kerbe nach etwa 5 Schlägen gegen den Kasten schließt. Sieben Tage im Schatten trocknen lassen. Hat der Stab mehr als drei große Risse, ist der Lehm ungeeignet. Schiebe ihn an ein Ende und miss die Lücke: Mehr als 10 Prozent der Kastenlänge, also 60 mm bei 600 mm, bedeuten sehr starkes Schwinden.

Skizze: Ein Glas nach der Schüttelprobe. Unten sichtbare Körner, darüber eine Schicht aus Schluff und Ton, oben Wasser; darüber der Hinweis, mindestens 8 Stunden ruhen zu lassen.
Nach mindestens 8 Stunden Ruhe liegen Schluff und Ton über der sichtbaren Linie der Körner.Skizze: WildWeasel
Günstige Kornanteile in Prozent nach FAO
BauweiseTonSchluffTon und SchluffSand
Stampflehm5–2010–3015–3535–80
Lehmsteine (Adobe)10–3010–4020–5050–80
Ideale Allzweckmischung15203560

Tipp Zu fett oder zu mager? Laut FAO schwinden und reißen Böden mit mehr als 30 Prozent Ton stark. Zu tonigem Lehm mischst du Sand bei, zu sandigem Lehm Ton – den Ton vorher zerkleinern.

Lehmsteine formen: Schritt für Schritt

Ob ein Lehm für luftgetrocknete Steine taugt, zeigt nach FAO eine einfache Probe: Forme ihn feucht zu einer eigroßen Kugel und lass sie in der Sonne trocknen. Sie soll hart werden, sich kaum verformen und höchstens feine Risse zeigen. Breite Risse bedeuten zu wenig Schluff oder Sand – dann Sand zumischen.

Die Steine schwinden und werden kleiner als die Form. Bei sorgfältiger Arbeit geht laut FAO höchstens einer von zehn verloren. Vermauert werden sie laut Dachverband wie gebrannte Ziegel: im Verband, mit vollen Fugen, mit Lehmmörtel aus Baulehm und Sand, möglichst nicht mit Zementmörtel. Lehmsteine sind laut Verband feuchte- und frostempfindlich.

  • Oberboden abtragen, den Boden 15 cm tief lockern.
  • Wasser und bei Bedarf Sand zugeben, barfuß durchtreten und mit dem Spaten wenden, bis keine Klumpen mehr da sind und die Masse gleichmäßig formbar ist.
  • Eine Holzform mit ein bis drei Fächern vor dem ersten Gebrauch gründlich in Öl tränken, vor jedem Füllen in Wasser tauchen.
  • Form auf ebenen Boden stellen, Lehm hineindrücken, bis alle Ecken voll sind, oben abstreichen, Form abheben.
  • Nach drei bis vier Tagen die Steine hochkant stellen, nach weiteren zehn Tagen locker stapeln.
  • So langsam wie möglich trocknen lassen, insgesamt mindestens einen Monat.

Stampflehm, Wellerlehm und Lehmflechtwerk

Beim Stampflehm wird erdfeuchter Lehm lagenweise in eine Schalung gefüllt und verdichtet; laut Dachverband ist er danach sofort formstabil. Die FAO beschreibt das Verfahren genauer: Die Mischung ist richtig, wenn sie sich in der Hand zu einem festen Klumpen drücken lässt und die Oberfläche gerade glänzt. Gestampft wird in Lagen von etwa 10 cm mit einem Stampfer von 8 bis 10 kg. Tritt beim Stampfen Wasser aus, ist die Mischung zu nass. Steine im Lehm dürfen höchstens ein Viertel so dick sein wie die Wand.

Wellerlehm enthält mehr Stroh und kaum Steine. Er kommt nicht in eine Schalung, sondern wird schichtweise aufgesetzt und an den Seiten glatt abgestochen.

Im Fachwerk trägt das Holz, der Lehm füllt nur. Das Freilichtmuseum Hessenpark beschreibt das Lehmflechtwerk so: Staken, schmale mit dem Beil zugerichtete Hölzer, werden in Nuten oder Kerben des Gefachs gesetzt, mit dünnen Hölzern umflochten und mit Lehm verputzt. Der Dachverband nennt Weidengeflecht und einen beidseitigen Bewurf aus Strohlehm und ergänzt: Beim Trocknen schwindet die Füllung, Lücken werden mit demselben Material nachgestopft, und am Ende darf nichts im Gefach wackeln.

Innenansicht einer Fachwerkwand: Zwischen den Holzbalken stecken senkrechte Staken, umflochten mit dünnen Hölzern und mit Lehm gefüllt.
Im Fachwerk trägt das Holz, der Lehm füllt nur: Ausfachung mit Staken und Lehm im Freilichtmuseum Kommern.Foto: Steffen Heinz (Caronna) · CC BY 3.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Lehmputz auftragen

Lehmputz lässt sich laut Dachverband aus örtlichem Grubenlehm herstellen und auf fast jedem Untergrund verwenden – innen und an Außenwänden, die vor Schlagregen geschützt sind. Gearbeitet wird am besten in zwei Lagen: erst ein grober Putz, dann ein feiner.

Weil jede Grube anders ist, empfiehlt der Verband Putzmuster am Objekt: erst eine kleine Probefläche, dann die Wand.

  • Untergrund vorbereiten: trocken, fest, staubfrei, ohne aufsteigende Feuchte und Salze, glatte Flächen aufrauen.
  • Übergänge zwischen verschiedenen Materialien mit einem Putzträger überspannen, etwa Schilfrohrgewebe oder Jute.
  • Grobputz aus Lehm, grobem Zuschlag und Fasern 0,5 bis höchstens 4 cm dick auftragen.
  • Feinputz aus Lehm und feinen Zuschlägen 2 bis 5 mm dick darüberziehen.
  • Für die feuchteausgleichende Wirkung sollte der Putz insgesamt mindestens 1,5 cm stark sein.
  • Schnell trocknen lassen, damit sich kein Schimmel bildet – also lüften.

Stroh: im Lehm und als Ballen

Stroh macht Lehm zäher. Die FAO beschreibt, dass gehacktes Gras oder Stroh zugesetzt wird, um Risse zu verringern; im groben Lehmputz sorgen Fasern laut Dachverband für ein stabiles, abriebfestes Gefüge. Die FAO nennt für Naturfasern ein Mischungsverhältnis von etwa 4 Prozent und warnt zugleich: Solche Steine werden trocken weniger fest und nehmen mehr Wasser auf.

Der Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V. (FASBA), ein Verein, unterscheidet zwei Bauweisen: Beim nicht lasttragenden Strohballenbau stehen die Ballen zwischen oder vor einem Holzständerwerk und dämmen nur. Beim lasttragenden tragen die Strohwände Dach und Decke. In Deutschland ist laut FASBA nur die nicht lasttragende Bauweise mit Kleinballen bauaufsichtlich zugelassen; innen wird meist mit Lehm, außen mit Kalk verputzt.

Holz: Rundholz und Verbindungen ohne Metall

Laut FAO gilt Rundholz als fester als Schnittholz mit gleicher Querschnittsfläche, weil die Fasern nicht durchtrennt sind. Weil der Stamm sich verjüngt, zählt für die Tragfähigkeit das dünne Ende. Auch krumme Stangen lassen sich verbauen, wenn du sie so drehst, dass die Biegung nicht stört. Unbearbeitete Stangen lassen sich nageln oder mit Schnur oder Draht zusammenbinden.

Trockenes Holz trägt mehr und hält länger. Die FAO empfiehlt, es vor Regen und Bodenkontakt geschützt und luftig zu stapeln; dünnes Nadelholz ist unter guten Bedingungen in Wochen trocken, manches Hartholz braucht ein Jahr oder mehr. Bleibt die Holzfeuchte in einem richtig gebauten Haus unter 20 Prozent, ist Holzschutz gegen Pilze in der Regel nicht nötig.

Fachwerk kommt ohne Nägel aus. Das Glossar des Freilichtmuseums Hessenpark erklärt die Verzapfung: Ein Holz steckt mit einem Zapfen im Zapfenloch des anderen und wird in der Regel mit mindestens einem Holznagel gesichert – einem gespaltenen, kegelförmigen Pflock, der in ein vorgebohrtes Loch geschlagen wird. Historisch bestand er oft aus elastischem Bergahorn oder Salweide oder aus harter Eiche. Bei der Verblattung liegen zwei Hölzer bündig ineinander, ebenfalls mit Holznagel fixiert.

Unten trocken, oben trocken: Sockel und Dach

Der Dachverband rät davon ab, Fundamente aus Lehm zu bauen; in alten Gebäuden bestehen sie meist aus Naturstein. Außenwände aus Lehm brauchen einen Sockel aus wasserunempfindlichem Material, mindestens 50 cm über dem Gelände, als Schutz vor Spritzwasser, dazu eine waagerechte Sperre gegen aufsteigende Feuchte. Während der Bauzeit werden die Wände abgedeckt.

Auch das Holz braucht Abstand zum Boden. Laut Hessenpark ruht die Schwelle eines Fachwerkhauses auf einem Sockel aus Naturstein oder Ziegel, geschützt vor Feuchtigkeit; Pfosten, die direkt in der Erde standen, gehören laut Glossar zu vor- und frühgeschichtlichen Wänden und sind archäologisch bis zum 12. Jahrhundert nachgewiesen. Oben schützt das Dach: Nach FAO helfen weite Dachüberstände und Veranden erheblich.

Skizze im Querschnitt: Eine Lehmwand steht auf einem Sockel aus Stein, der mindestens 50 cm über das Gelände reicht; dazwischen eine waagerechte Sperre. Oben ragt das Dach weit über die Wand hinaus.
Sockel aus Stein mindestens 50 cm über dem Gelände, Sperre gegen aufsteigende Feuchte, weiter Dachüberstand.Skizze: WildWeasel

Achtung Rechtslage heute, am Beispiel Bayern: Art. 55 Abs. 1 der Bayerischen Bauordnung lautet: „Die Errichtung, Änderung und Nutzungsänderung von Anlagen bedürfen der Baugenehmigung, soweit in Art. 56 bis 58, 72 und 73 nichts anderes bestimmt ist.“ Verfahrensfrei sind nach Art. 57 unter anderem „Gebäude mit einem Brutto-Rauminhalt bis zu 75 m³, außer im Außenbereich“. Auch dann gilt Art. 10: „Jede bauliche Anlage muss im Ganzen, in ihren einzelnen Teilen und für sich allein standsicher sein.“ Andere Länder regeln das in eigenen Bauordnungen. Gefahr: Eine Lehmwand, die nass wird oder zu früh belastet wird, kann einstürzen – der Dachverband rät, Lasten erst auf vollständig ausgetrocknete Stampflehmwände zu bringen, und verlangt für schwere Lehmbaustoffe in Decken einen statischen Nachweis. Zuständig: die untere Bauaufsichtsbehörde, in Bayern die Kreisverwaltungsbehörde; die Standsicherheit belegen bautechnische Nachweise nach Art. 62, die Fachleute wie Architekten oder Bauingenieure erstellen.

Häufige Fragen

Kann ich jede Erde aus dem Garten zum Bauen nehmen?

Nein. Den durchwurzelten Oberboden trägst du laut FAO vorher ab. Den Unterboden prüfst du mit Fühlprobe, Schüttelglas und Schwindkasten und passt ihn mit Sand oder Ton an.

Darf ich Lehm im Bad verwenden?

Nur mit Vorsicht. Laut Dachverband darf kein stehendes oder fließendes Wasser an Lehm kommen; stark spritzwassergefährdete Stellen an Dusche, Waschbecken und Wanne werden mit wasserfestem Material wie Fliesen bekleidet.

Kann ich ein Haus aus Strohballen tragen lassen?

Technisch ist das möglich, rechtlich in Deutschland laut FASBA nur über eine Zustimmung im Einzelfall. Zugelassen ist die nicht lasttragende Bauweise, bei der ein Holzständerwerk trägt.

Quellen

  1. lehmbau·info – Verbraucherinformation (PDF, 2. Fassung 2014)Dachverband Lehm e.V. (Bundesverband, Verein) · Zusammensetzung, Eigenschaften, DIN 18945–18947, Gebäudezahl, Stampf- und Wellerlehm, Lehmsteine, Ausfachung, Lehmputz, Sockel und Sperre, keine Lehmfundamente
  2. Farm structures, Chapter 3: Earth as building materialErnährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) · Stärken und Schwächen, Probennahme, Fühlprobe, Schüttel- und Schwindprobe, Kornanteile, Adobe-Herstellung, Stampflehm, Fasern, Flechtwerk, Dachüberstand
  3. Farm structures, Chapter 3: Poles and timberErnährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) · Rundholz, krumme Stangen, Binden, Lufttrocknung, Holzfeuchte unter 20 Prozent
  4. Glossar FachwerkFreilichtmuseum Hessenpark, Kompetenzzentrum Fachwerk · Staken und Lehmflechtwerk, Verzapfung, Holznagel, Verblattung, Schwelle und Sockel, Pfosten
  5. Die Bauweisen des StrohballenbausFachverband Strohballenbau Deutschland e.V. (FASBA, Verein) · Nicht lasttragende und lasttragende Bauweise, Zulassung, Putze
  6. Bayerische Bauordnung (BayBO), GesamtansichtFreistaat Bayern, BAYERN.RECHT · Art. 10 Standsicherheit, Art. 53 Bauaufsichtsbehörden, Art. 55 Genehmigungspflicht, Art. 57 verfahrensfreie Gebäude