Die Grundregel für jeden Vorrat lautet: kühl, trocken, dunkel. Im Sommer ist „kühl“ der Teil, der am schwersten einzuhalten ist – auf der Fensterbank, im Auto, in der Küche neben dem Herd. Dieser Artikel klärt, was Wärme mit Lebensmitteln, Getränken und Medikamenten macht, welche Plätze du meiden solltest und woran du erkennst, dass etwas nicht mehr taugt. Wie du selbst gut durch heiße Tage kommst, steht im Artikel Hitzewelle überstehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Im Sommer entscheidet der Lagerort: kühl, trocken, dunkel – und weg von Sonne, Auto und Herd.
- Trockenware und Konserven mögen Zimmer- bzw. Kellertemperatur; aufgeblähte Dosen ungeöffnet entsorgen.
- PET-Flaschen nicht in die pralle Sonne oder ins heiße Auto – Wärme kann einen Fehlgeschmack fördern.
- Die meisten Arzneimittel gehören bei 15 bis 25 Grad in die Originalpackung – nicht ins Bad, nicht ins Auto.
- Dosierung bei Hitze nie selbst ändern. Ob ein Medikament noch taugt, beantwortet die Apotheke.
Was Wärme mit dem Vorrat macht
Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) beschreibt die Aufgabe der Lagerung so: Wer Lebensmittel an geeigneten Orten und in passenden Behältern lagert, schützt sie vor Hitze, Luft, Licht und Feuchtigkeit. Dann trocknen sie nicht aus, faulen, gären oder schimmeln nicht. Hitze steht in dieser Aufzählung an erster Stelle.
Wärme wirkt dabei auf zwei Arten. Bei leicht verderblichen Lebensmitteln geht es um Keime: Liegen etwa rohes Fleisch oder Fisch länger in der Wärme, vermehren sich laut BZfE gesundheitsschädliche Keime auf ihrer Oberfläche. Bei lange haltbarer Ware geht es meist um die Qualität – Geschmack, Konsistenz, Aussehen – und um die Verpackung, die ihren Inhalt schützen soll.
Im Winter ist der Gefrierpunkt die kritische Grenze, wie der Artikel Vorräte bei Frost zeigt. Im Sommer gibt es keine solche scharfe Linie. Hier kommt es vor allem darauf an, wo dein Vorrat steht.
Welche Temperaturen die Fachstellen nennen
Für die einzelnen Vorratsgruppen nennen Behörden und Fachstellen konkrete Lagertemperaturen. Sie beschreiben, wo die Ware am besten aufgehoben ist. Eine Temperatur, ab der ein Lebensmittel sofort unbrauchbar wird, nennt keine der Quellen.
Für Arzneimittel ist die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft ausdrücklich: Bei Mitteln, die bei Raumtemperatur gelagert werden, ist eine kurzzeitige, geringfügige Unter- oder Überschreitung des angegebenen Bereichs in der Regel unproblematisch. Eine längere Hitzeperiode ist dagegen etwas anderes – dazu unten mehr.
| Vorrat | Empfehlung | Quelle |
|---|---|---|
| Mehl, Reis, Nudeln, Erbsen, Konserven | Zimmertemperatur, 15 bis 20 Grad | BZfE |
| Konserven, ungeöffnet | Kellertemperatur, unter 19 Grad, trocken | Verbraucherzentrale |
| Schokolade | trocken, 12 bis 18 Grad | LAVES Niedersachsen |
| Kühlschrank, mittleres Fach | etwa 7 Grad | BZfE |
| Die meisten Arzneimittel | Raumtemperatur, 15 bis 25 Grad | AkdÄ |
| Kühl zu lagernde Arzneimittel | Kühlschrank, 2 bis 8 Grad | AkdÄ |
Wo es im Sommer zu warm wird
Der heikelste Ort ist das Auto. Die Apothekerschaft (ABDA) warnt, dass sich der Innenraum bei hohen Außentemperaturen schnell stark aufheizt, und rät, Medikamente keinesfalls dort liegen zu lassen. Die Verbraucherzentrale Bayern sagt dasselbe über Getränke in PET-Flaschen. Der Kasten Wasser im Kofferraum ist im Sommer also keine gute Idee.
Der zweite Feind ist direkte Sonne. Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) rät, Vorratsgläser und selbst Spirituosen nicht direktem Sonnenlicht auszusetzen. Die Fensterbank und das Regal im Lichteinfall scheiden damit aus.
Für Arzneimittel nennt die Arzneimittelkommission noch zwei Räume, an die man selten denkt: Badezimmer und Küche sind wegen der Luftfeuchtigkeit und der häufig erhöhten Temperatur nicht geeignet. Bei einer Hitzewelle gelingt die Lagerung laut ABDA am besten in einem kühlen Raum. Welcher das bei dir ist, findest du am einfachsten selbst heraus.
- Meiden: Auto, Fensterbank, Plätze in der Sonne.
- Für Medikamente meiden: Bad und Küche.
- Besser: der kühlste Raum, den du hast – etwa Keller, Abstellkammer oder ein Schrank ohne Sonne.
Tipp Ein Thermometer mit Minimum-Maximum-Anzeige zeigt dir nach ein paar heißen Tagen, welcher Platz in deiner Wohnung wirklich der kühlste ist – oft ist es nicht der, den du vermutest.
Trockenware, Konserven, Öl, Schokolade und Brot
Mehl, Reis, Nudeln, Erbsen und Konserven lagern laut BZfE bei Zimmertemperatur, ideal in einer trockenen, luftigen Speisekammer. Angebrochene Packungen füllst du am besten um: Das LAVES empfiehlt luftdichte Behälter aus Glas, Keramik oder Metall. Sie halten Lebensmittelmotten fern, und der Inhalt zieht keine Luftfeuchtigkeit, die Zucker oder Mehl verklumpen lässt.
Für ungeöffnete Konserven nennt die Verbraucherzentrale Kellertemperatur unter 19 Grad als Lagerbedingung und betont: unbedingt trocken, damit die Dosen nicht korrodieren. Unbeschädigte Konserven halten oft noch Jahre über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus. Speiseöle wie Oliven-, Sonnenblumen- oder Rapsöl gehören laut LAVES dunkel in einen Schrank; Leinöl nach dem Öffnen zusätzlich in den Kühlschrank.
Schokolade mag es laut LAVES trocken bei 12 bis 18 Grad, der Kühlschrank macht sie bröckelig und glanzlos. Weiße Stellen, die sich besonders bei viel Licht und Luft bilden, sind ausgetretenes Fett und unbedenklich. Brot gehört normalerweise nicht in den Kühlschrank, weil es dort austrocknet. Das BZfE nennt eine Ausnahme: Wenn das Wetter sehr heiß und schwül ist, schimmelt es dort nicht so schnell. Ist Brot schimmlig, muss laut LAVES der ganze Laib weg, weil die Pilzfäden ihn unbemerkt durchziehen können.
Achtung Stark ausgebeulte oder aufgeblähte Konservendosen entsorgst du laut Verbraucherzentrale direkt – darin können sich gesundheitsschädliche Keime vermehrt haben. Nicht öffnen, nicht probieren. Auch Dosen mit starkem Knick oder starken Dellen sollst du nicht mehr essen.
Getränke und Wasservorrat
Wasser in PET-Flaschen ist leicht und bruchsicher, sollte aber nicht heiß werden. Die Verbraucherzentrale Bayern rät, PET-Flaschen nicht in der prallen Sonne oder im heißen Auto liegen zu lassen, weil Wärme die Freisetzung von Acetaldehyd begünstigen kann. Der Stoff schmeckt schon in sehr geringer Konzentration süßlich – deutlich unterhalb der zulässigen Grenzwerte. Schmeckt ein Wasser auffällig, kannst du die Flasche im Handel reklamieren.
Für den Wasservorrat gilt deshalb dieselbe Regel wie für Konserven: kühl, dunkel, trocken, abseits von Sonne und Wärmequellen. Als Menge rechnest du mit 2 Litern pro Person und Tag, davon 0,5 Liter zum Kochen. Welche Gebinde sich eignen und wie du Leitungswasser selbst abfüllst, steht ausführlich im Artikel Wasser richtig lagern.
Einkauf und Kühlschrank im Sommer
Die Kühlkette beginnt im Laden. Das LAVES rät, gekühlte und tiefgefrorene Lebensmittel erst zum Schluss in den Einkaufskorb zu legen und im Sommer eine Kühltasche mitzunehmen. Zu Hause räumst du laut BZfE zuerst die Einkäufe weg, besonders zu kühlende Lebensmittel wie rohes Fleisch oder Fisch.
Im Kühlschrank lohnt ein Blick auf die Zonen. Das BZfE empfiehlt, das mittlere Fach auf etwa 7 Grad einzustellen; die kälteste Stelle liegt dann unten auf der Glasplatte über dem Gemüsefach, der richtige Platz für Fleisch und Fisch. In der Tür ist es am wärmsten. Laut LAVES kann der Unterschied innerhalb eines Kühlschranks sieben bis acht Grad betragen – sortieren lohnt sich also.
Fällt im Sommer zusätzlich der Strom aus, wird die Kühlung zur eigentlichen Frage. Wie lange die Kälte hält, was du zuerst isst und was wegmuss, steht im Artikel Kühlschrank und Gefriertruhe bei Stromausfall.
Medikamente bei Hitze
Unter welchen Bedingungen ein Arzneimittel zu lagern ist, legt der Hersteller fest; es steht auf der Packung und in der Packungsbeilage. Die meisten Arzneimittel sollen laut Arzneimittelkommission und ABDA bei Raumtemperatur lagern, also bei 15 bis 25 Grad. Bewahre sie möglichst in der Originalverpackung auf, die sie vor Licht schützt, und setze sie nie großer Hitze oder direkter Sonne aus.
Manche Darreichungsformen sind bei längeren Hitzeperioden besonders anfällig, auch wenn sie bei Raumtemperatur gelagert werden: Zäpfchen und Cremes können physikalisch instabil werden, bei Dosieraerosolen können Funktion und Dosiergenauigkeit leiden. Der Kühlschrank ist trotzdem keine Lösung für alles. Nicht jedes Mittel verträgt ihn – bei Lösungen oder Gelen kann es dort zu Ausflockungen kommen –, und kühl zu lagernde Mittel dürfen nicht einfrieren. Maßgeblich ist, was in der Packungsbeilage steht.
Unterwegs gehören Medikamente nicht ins Auto. Für den Transport rät die ABDA zu einer Kühlbox, wobei das Medikament die Kühlelemente nicht direkt berühren darf. Manche Mittel, die in der Apotheke gekühlt lagern, etwa Insuline oder Asthmasprays, darfst du nach der Abgabe eine begrenzte Zeit bei Raumtemperatur aufbewahren. Wie lange, steht in der Produktinformation; frag im Zweifel in deiner Apotheke. Mehr zur Vorsorge bei Dauermedikation findest du unter chronisch krank im Ausfall.
Achtung Hitze kann auch die Wirkung mancher Medikamente verändern, etwa bei Blutdrucksenkern, Entwässerungsmitteln oder Schlafmitteln. Die Bundesapothekerkammer rät ausdrücklich: Dosierung nicht selbst ändern, sondern mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen. Bei wirkstoffhaltigen Pflastern berät dich die Apotheke.
Nach der Hitzewelle: durchsehen statt raten
Nach einer langen heißen Phase lohnt ein Durchgang durch den Vorrat. Bei Lebensmitteln sind die Zeichen meist gut zu sehen: aufgeblähte oder stark verbeulte Dosen, Schimmel, ein Geruch oder Geschmack, der deutlich vom Gewohnten abweicht. Die Verbraucherzentrale nennt bei geöffneten Konserven etwa „fischig“, sauer oder ranzig als Warnsignale.
Bei Medikamenten ist es schwieriger. Die Arzneimittelkommission hält fest, dass sich in den meisten Fällen optisch nicht feststellen lässt, ob ein Arzneimittel nach falscher Lagerung noch verwendet werden kann. Einige Anzeichen deuten aber auf eine Veränderung hin. Was in deiner Hausapotheke davon betroffen ist, nimmst du mit in die Apotheke, statt es auf Verdacht einzunehmen oder wegzuwerfen.
- Gele, Cremes, Salben oder Zäpfchen, die sich verflüssigt oder verfärbt haben.
- Tabletten mit Verfärbungen oder Rissen.
- Aufgeblähte Verpackungen oder ein ungewohnter Geruch.
- Flüssigkeiten, die trüb geworden sind oder Flocken zeigen.
Häufige Fragen
Darf ich Konserven im Sommer in der Küche lagern?
Die Verbraucherzentrale empfiehlt für ungeöffnete Konserven Kellertemperatur unter 19 Grad und einen trockenen Platz. Hast du keinen kühleren Raum, wähle wenigstens einen Schrank ohne Sonne und nicht direkt neben Herd oder Backofen.
Mein Wasser aus der PET-Flasche schmeckt süßlich. Ist das gefährlich?
Ein süßlicher Geschmack kann laut Verbraucherzentrale Bayern von Acetaldehyd aus dem Kunststoff kommen, das man schon deutlich unterhalb der zulässigen Grenzwerte schmeckt. Du kannst die Flasche im Handel reklamieren und PET-Flaschen künftig aus Sonne und heißem Auto heraushalten.
Meine Medikamente lagen im heißen Auto. Kann ich sie noch nehmen?
Von außen lässt sich das laut Arzneimittelkommission meist nicht erkennen. Nimm die Packung mit in die Apotheke und frag dort, bevor du das Mittel einnimmst oder wegwirfst.
Gehören Medikamente im Sommer vorsichtshalber in den Kühlschrank?
Nein, nicht pauschal. Nicht jedes Mittel, das bei Raumtemperatur lagern soll, verträgt den Kühlschrank – bei Lösungen oder Gelen kann es zu Ausflockungen kommen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage; bei Unsicherheit hilft die Apotheke.
Meine Schokolade hat weiße Stellen bekommen. Muss sie weg?
Nein. Laut LAVES ist das ausgetretenes Fett, das sich besonders bei viel Licht und Luft zeigt. Der Geschmack kann etwas nachgelassen haben, essen kannst du sie bedenkenlos.
Quellen
- Richtig lagernBundeszentrum für Ernährung (BZfE) der BLE · Schutz vor Hitze, Luft, Licht und Feuchtigkeit; Keime bei Wärme; Zimmertemperatur 15 bis 20 Grad für Trockenware und Konserven; Brot bei heißem, schwülem Wetter; Kühlschrankzonen, mittleres Fach etwa 7 Grad
- Die richtige Lagerung von LebensmittelnNiedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) · Kühltasche im Sommer; Temperaturunterschiede im Kühlschrank; Schokolade 12 bis 18 Grad und weiße Stellen; Öl; luftdichte Behälter; Gläser und Spirituosen nicht in direktes Sonnenlicht; schimmliges Brot
- Konserven: Alles zu Haltbarkeit und LagerungVerbraucherzentrale (Verbraucherschutzverein) · Kellertemperatur unter 19 Grad, trocken lagern; ausgebeulte oder aufgeblähte Dosen entsorgen; Warnsignale beim Öffnen
- Sind PET-Flaschen gesundheitlich unbedenklich?Verbraucherzentrale Bayern (Verbraucherschutzverein) · PET-Flaschen nicht in praller Sonne oder im heißen Auto; Wärme begünstigt Acetaldehyd; süßlicher Geschmack unterhalb der Grenzwerte; Reklamation
- Arzneimittel und Hitze: Temperaturempfindlichkeit und richtige Aufbewahrung von ArzneimittelnArzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Fachausschuss der Bundesärztekammer · Temperaturbereiche 15 bis 25 und 2 bis 8 Grad; kurzzeitige Überschreitung; anfällige Darreichungsformen; nicht in Bad, Küche, Auto; Kühlschrank nicht für alle Mittel; Anzeichen veränderter Arzneimittel
- Hitzeschutz: Anwendung und Lagerung von Medikamenten an hohe Temperaturen anpassenABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Berufsorganisation), Bundesapothekerkammer · Raumtemperatur 15 bis 25 Grad; kühler Raum; nicht im Auto; Kühlbox ohne direkten Kontakt zu Kühlelementen; Wirkung bei Hitze, Dosis nicht selbst ändern; Pflaster
