Töpfe, Krüge und Vorratsgefäße aus Ton gehören zu den ältesten Werkzeugen des Haushalts. In Europa beginnt die Töpferei mit der Jungsteinzeit, und die Grundschritte sind bis heute dieselben: Ton aufbereiten, formen, trocknen, brennen. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ erklärt jeden Schritt so, dass du ein einfaches Gefäß ohne Werkstatt herstellen kannst. Er sagt auch, wo die Grenzen liegen: bei Bleiglasur, Quarzstaub und offenem Feuer.
Das Wichtigste in Kürze
- Fetter Ton schwindet stark und reißt. Sand, Stroh oder zermahlene Scherben als Magerung verhindern das.
- Gefäße trocknen langsam und gleichmäßig, das letzte Wasser entweicht erst im Feuer.
- Ab etwa 600 °C wird aus Ton ein fester Scherben. Ein Feldbrand in der Mulde schafft das mit Holz.
- Bleiglasur gibt Blei an Speisen ab, vor allem an saure. Für Lebensmittel scheidet sie aus.
- Trockener Tonstaub enthält Quarz. Wer ihn jahrelang einatmet, riskiert eine Silikose.
Ton finden und prüfen
Der Werkstoff des Töpfers war Ton oder Lehm. Nach der Ausstellungsdokumentation „Tonspuren“ des Verbunds Oberösterreichischer Museen, eines Vereins, wurde er meist in einfachen Gruben abgebaut, tiefer liegende Schichten auch in Schächten. Die Archäologen des Kuratoriums Pfahlbauten, ebenfalls ein Verein, beschreiben Ton als Erdablagerung, die in der Natur häufig an Flüssen und Seeufern vorkommt. Wie Lehm zum Bauen taugt, steht im Artikel „Bauen mit dem, was da ist: Lehm, Stroh, Holz“.
Die wichtigste Eigenschaft ist die Plastizität. Ein stark bildsamer Ton heißt nach „Tonspuren“ fett oder lang: Er fühlt sich glatt an und ist geschmeidig. Magerer, kurzer Ton enthält grobe Beimengungen, ist weniger plastisch und reißt schon beim Formen leicht. Dafür schwindet er weniger und reißt seltener im Brand.
Für die Probe genügt eine Handvoll feuchter Erde: Lässt sie sich zu einer glatten Rolle formen und biegen, ohne zu zerfallen, lohnt sich ein Versuch. Brich die Rolle auf und sieh nach Steinchen und Wurzeln – sie müssen vor dem Formen heraus.
Aufbereiten und magern
Rohton ist selten gleich gut gebrauchsfertig. Die Hafner setzten ihn nach „Tonspuren“ unter reichlich Wasser lange der Witterung aus, das sogenannte Wittern oder Wintern, bis er aufgeschlossen war und grobe Beimengungen ausgeschieden waren. Danach wurde er immer wieder getreten und geknetet, bis eine gleichmäßige, bildsame Masse entstand, und ruhte dann eine Weile. Dieses Lagern heißt Mauken.
Kleine Mengen lassen sich auch schlämmen: den Ton in reichlich Wasser zu einem dünnen Brei rühren, kurz stehen lassen, bis Sand und Steine abgesunken sind, das trübe Wasser mit dem feinen Ton in ein zweites Gefäß gießen und dort absetzen lassen. Das klare Wasser oben schöpfst du ab, den Bodensatz lässt du ansteifen, bis er sich kneten lässt.
Je fetter ein Ton ist, desto stärker schwindet er beim Trocknen, und dabei entstehen Spannungen und Risse. Dagegen hilft die Magerung. „Tonspuren“ nennt Sand, Quarz, Glimmer, Kalk, Stroh und Häcksel sowie zermahlene Scherben, meist von Fehlbränden, als Scherbenmehl. Die Pfahlbau-Archäologen erwähnen außerdem Tierdung. Knete die Magerung gründlich ein, damit sie gleichmäßig verteilt ist.
Von Hand aufbauen: Daumenschale, Wulst, Platte
Formgebung umfasst nach „Tonspuren“ Drehen, Aufbauen und Gießen. Ohne Scheibe bleibt das Aufbauen, und damit wurden Gefäße über Jahrtausende hergestellt. Drei Techniken reichen für fast alles:

- Daumenschale: eine faustgroße Kugel formen, mit dem Daumen in der Mitte ein Loch drücken und die Wand rundum zwischen Daumen und Fingern gleichmäßig dünn drücken, während du die Kugel in der Hand drehst.
- Wulsttechnik: einen flachen Boden ausdrücken, dann Tonrollen von Fingerdicke rollen und ringförmig aufsetzen. Jede Lage innen und außen mit dem Finger in die darunterliegende streichen, bis keine Fuge mehr zu sehen ist.
- Plattentechnik: Ton zu gleich dicken Platten ausrollen, zuschneiden und zusammensetzen. So entstehen nach „Tonspuren“ eckige Gefäße.
- Verbinden: Anschlussflächen mit einem Messer aufrauen und mit Schlicker bestreichen, dem schlüpfrigen Brei aus Ton und Wasser. Ihn nutzten die Hafner laut „Tonspuren“ als Bindemittel für Henkel und andere Teile.
- Glätten: die Oberfläche mit feuchten Fingern, einem Holzspan oder einem Stück Leder verstreichen. Leder und Filz gehörten nach „Tonspuren“ zum Werkzeug des Hafners.
Tipp Halte die Wand überall gleich dick. Dicke und dünne Stellen trocknen und schwinden unterschiedlich schnell – dort reißt das Gefäß zuerst.
Langsam trocknen
Wie lange ein Gefäß trocknen muss, hängt nach „Tonspuren“ von der Feuchte des Tons, der Wandstärke, der Luftfeuchte, der Raumtemperatur und der Lüftung ab. Die Hafner trockneten vom Frühjahr bis zum Herbst möglichst im Freien, sonst in der Werkstatt oder in einer Kammer über dem Brennofen.
Nach etwa einem Drittel der Trocknungszeit ist der lederharte Zustand erreicht. Das Gefäß lässt sich dann noch bearbeiten, ohne sich zu verformen – jetzt wurden Henkel und Ausgüsse angesetzt. Lufttrocken ist das Äußerste, was an der Luft zu erreichen ist. Knochentrocken wird der Ton laut „Tonspuren“ erst im Brand, bei etwa 120 °C.
Schütze frische Stücke vor praller Sonne, Zugluft und Frost, damit die Oberfläche nicht schneller trocknet als der Kern. Ein locker aufgelegtes Tuch bremst die ersten Tage.
Brennen: Feldbrand in der Mulde
Die ältesten Formen des Brennens sind nach „Tonspuren“ der Feld-, der Gruben- und der Meilerbrand: Das Brenngut liegt im Freien zusammen mit dem Brennmaterial. Die Pfahlbau-Archäologen nennen für diese frühen Brände 450 bis 1.000 °C. Erst ab 600 °C gelingt die vollständige Umwandlung von Ton in einen Scherben; vorher weicht er im Wasser wieder auf.
Für einen Feldbrand beschreibt das Kuratorium Pfahlbauten folgendes Vorgehen. Du brauchst luftgetrocknete Stücke, Hartholz und trockene Äste für 5 bis 6 Stunden Feuer, Heu oder Stroh zum Anzünden, flache Steine, Spaten, Arbeitshandschuhe und einen freien Platz, an dem in der Umgebung nichts leicht Feuer fängt.
- Eine Mulde von etwa 10 bis 15 cm Tiefe und 80 cm Durchmesser ausheben, den Aushub als Ring rundum aufschütten.
- Flache Steine in die Mitte legen und darauf ein Feuer entfachen.
- Die Stücke rund ums Feuer stellen und immer wieder drehen, damit sie von allen Seiten vorgewärmt werden. Nach etwa einer Stunde das Feuer herunterbrennen lassen.
- Mit Handschuhen die heißen Stücke auf die Glut stellen, Holz um und über sie schichten und neu entfachen. Das Feuer etwa 5 bis 6 Stunden gut in Gang halten.
- Die Stücke bis zum nächsten Tag in der Glut auskühlen lassen und Erde darüber schaufeln, damit über Nacht kein Feuer ausbricht.
Tipp Rechne mit Bruch. Ein gewisser Ausschuss ist beim Feldbrand laut Kuratorium Pfahlbauten normal. Kleine, kompakte Stücke überstehen ihn besser als große Gefäße. Zerbrochenes wird zermahlen zur Magerung für den nächsten Ton.
Ofen und Töpferscheibe
Im offenen Feuer lässt sich die Brennatmosphäre kaum steuern. Brennöfen trennen deshalb nach „Tonspuren“ den Feuerraum vom Brennraum. Beim stehenden Ofen liegen beide übereinander, getrennt durch eine gelochte Zwischendecke. Beim liegenden Ofen zieht die Flamme waagrecht durch den Brennraum, was bis zu 30 Prozent Brennstoff sparen kann. Geheizt wurde mit Holz, bevorzugt Buche.
Im Ofen läuft der Brand in Stufen. Zuerst entweicht in der Vorwärm- oder Schmauchzeit langsam das Wasser. Bis etwa 950 °C verbrennen alle organischen Reste, und der Scherben entsteht; endet der Brand bei 900 bis 950 °C, heißt er Schrühbrand. Darüber beginnt die Sinterung, bei der der Scherben dichter wird. Am Ende kühlt der Ofen langsam ab. Einfache Irdenware bleibt porös, erst Steinzeug und Porzellan werden bei hohen Temperaturen wasserundurchlässig.
Die fußbetriebene Töpferscheibe ist jünger, als man oft denkt. Im Früh- und Hochmittelalter wurden Gefäße nach „Tonspuren“ zunächst von Hand aufgebaut und auf einer handgedrehten, langsam rotierenden Unterlage nur nachgedreht. Erst im 13. Jahrhundert setzte sich die fußbetriebene Scheibe durch. Im 18. Jahrhundert kam die Spindelscheibe mit so viel Schwung hinzu, dass der Töpfer beide Füße absetzen konnte. Beim Drehen wird der Ton zuerst zentriert, dann aufgebrochen, die Bodenstärke festgelegt, die Wand hochgezogen und das fertige Gefäß mit einem Draht abgeschnitten.
Wofür Keramik taugt
Keramik diente in Küche und Vorratshaltung. „Tonspuren“ beschreibt, wie Zuschläge sie für bestimmte Zwecke verbesserten: Graphit werden Dichtheit, Temperaturwechselbeständigkeit und gute Wärmeleitung zugeschrieben, Glimmer verbessert ebenfalls die Temperaturwechselbeständigkeit und damit die Eignung zum Kochen. Ein Kochtopf braucht also eine andere Masse als ein Vorratskrug.
Dass unglasierte Irdenware Wasser durchlässt, ist nicht nur ein Nachteil. Genau darauf beruht der Tonkrugkühler, bei dem Wasser durch die Wand wandert und außen verdunstet. Wie du ihn baust, steht im Artikel „Kühlen ohne Strom: Eiskeller, Verdunstung, Erdkühlung“. Holzkohle für einen heißeren Brand beschreibt der Artikel „Holzkohle: der Meiler“.
Glasur, Blei und Staub
Glasur macht Gefäße dicht, doch die alte Hafnerglasur war giftig. Nach „Tonspuren“ vermahlten die Hafner Blei und Quarzsand zu einem Glasurbrei. Die Glasur gab immer geringe Mengen Blei an die Speisen ab, besonders an saure; auch Auskochen nach Rezepten des 19. Jahrhunderts änderte daran nichts. Die Hafner selbst litten so häufig an Bleivergiftung, dass sie „Hafnerkrankheit“ hieß.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt: Farbige Glasuren können Blei und Cadmium enthalten, und wie viel davon in Lebensmittel übergeht, hängt vor allem von der Brenntemperatur, der Art des Lebensmittels und der Dauer des Kontakts ab. Bleivergiftungen durch Fruchtsäfte aus bleilässigen Keramikkrügen kommen nach dem BfR noch heute vor. Kinder sind besonders gefährdet. Die ungiftige Salzglasur erfordert dagegen laut „Tonspuren“ Steinzeug und über 1.200 °C – außerhalb dessen, was ein Feldbrand erreicht.
Eine zweite Gefahr ist unsichtbar. Staub mit kristallinem Quarz nennt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) silikogen: Wird er über Jahre eingeatmet, kann eine chronische, nicht heilbare Lungenerkrankung entstehen, die Silikose. Besonders gefährdet sind unter anderem Beschäftigte der keramischen Industrie. Die Krankheit kann auch nach Ende der Arbeit fortschreiten.
Achtung Rechtslage heute: Wie viel Blei und Cadmium Keramik an Lebensmittel abgeben darf, regelt eine europäische Richtlinie; das BfR hat empfohlen, diese Werte zu senken, und rät, Lebensmittel nicht lange in Keramik aufzubewahren. Ob du im Garten ein offenes Feuer für einen Feldbrand machen darfst, regeln Land und Gemeinde. Gefahr: Bleiglasur vergiftet schleichend, vor allem mit sauren Speisen und bei Kindern. Trockenes Schleifen und Kehren von Tonresten setzt Quarzstaub frei – arbeite feucht und wisch nass. Ein Feldbrand kann auf Gras, Hecken und Holzstapel übergreifen und glüht über Nacht nach. Zuständig: Frag vor dem ersten Feldbrand bei der Gemeinde nach. Glasiertes Geschirr unbekannter Herkunft kann die Lebensmittelüberwachung beurteilen. Bei Brand oder Vergiftung: 112.
Häufige Fragen
Kann ich Ton aus dem Garten verwenden?
Oft ja, wenn er sich zu einer glatten Rolle formen lässt, ohne zu zerfallen. Entferne Steine und Wurzeln, und gib bei sehr fettem Ton Sand oder zermahlene Scherben als Magerung zu.
Warum ist mein Gefäß beim Brennen zersprungen?
Meist war es noch feucht, zu schnell erhitzt oder ungleich dick. Deshalb werden die Stücke beim Feldbrand erst rund ums Feuer vorgewärmt. Etwas Ausschuss ist laut Kuratorium Pfahlbauten normal.
Ist feldgebrannte Keramik wasserdicht?
Nein. Einfache Irdenware bleibt porös, erst Steinzeug und Porzellan werden bei hohen Temperaturen wasserundurchlässig. Für einen Tonkrugkühler ist genau diese Porosität erwünscht.
Darf ich alte glasierte Töpfe für Essen nutzen?
Bei unbekannter Herkunft ist Vorsicht angebracht. Das BfR warnt vor Blei aus Glasuren, besonders bei sauren Speisen und langer Lagerung. Bewahre Saft oder Eingelegtes nicht darin auf.
Quellen
- Tonspuren: Die Hafnerarbeit (Ton und Tonabbau, Aufbereitung)Verbund Oberösterreichischer Museen (Verein), Ausstellungsdokumentation Stadtmuseum Wels, Autorin Alice Kaltenberger · Tonabbau, fetter und magerer Ton, Schwindung und Risse, Magerungsmittel, Wittern, Kneten, Mauken, Graphit und Glimmer für Kochgeschirr
- Tonspuren: Entstehungsprozess der KeramikVerbund Oberösterreichischer Museen (Verein), Ausstellungsdokumentation Stadtmuseum Wels, Autorin Alice Kaltenberger · Formgebung, Drehvorgang, Plattentechnik, Trocknung und lederharter Zustand, Bleiglasur und Hafnerkrankheit, Salzglasur, Feld- und Grubenbrand, Brennöfen, Brandverlauf und Temperaturen
- Tonspuren: Die HafnerwerkzeugeVerbund Oberösterreichischer Museen (Verein), Ausstellungsdokumentation Stadtmuseum Wels, Autorin Alice Kaltenberger · Handtöpferscheibe, Übergang zur Fußscheibe im 13. Jahrhundert, Spindelscheibe, Schlicker als Bindemittel, Leder und Filz zum Glätten
- Urgeschichte für Kinder – Wir brennen KeramikKuratorium Pfahlbauten (Verein), UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen · Beginn der Töpferei in Europa, Brenntemperaturen im Feldbrand, Scherbenbildung ab 600 °C, Anleitung Feldbrand in der Mulde, Ausschuss
- Schwermetalle aus Keramikglasuren können die Gesundheit gefährden (Presseinformation 08/2005)Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) · Blei und Cadmium in Glasuren, Einflussfaktoren, Vergiftungen durch Säfte aus bleilässigen Krügen, Kinder, europäische Richtlinie, Rat zur kurzen Aufbewahrung
- Stauberkrankungen: SilikoseDeutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Sachgebiet Glas und Keramik · Silikogener Quarzstaub, chronische irreversible Lungenerkrankung, keramische Industrie als Risikobereich, Fortschreiten nach Expositionsende
