Holzkohle brennt heißer als Holz, ist leichter zu tragen und raucht kaum. Jahrhundertelang haben Köhler sie im Wald in Meilern gewonnen, heute führen Vereine und Forstämter das Handwerk vor. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ erklärt, was beim Verkohlen passiert, wie ein Erdmeiler gebaut und geführt wird, was kleine Verfahren leisten und welche Ausbeute die Quellen nennen. Er sagt auch, warum du einen Meiler heute nicht einfach anzündest.
Das Wichtigste in Kürze
- Verkohlen heißt: Holz wird unter weitgehendem Luftabschluss erhitzt, bis nur Kohle übrig bleibt.
- Rauch zeigt den Stand: erst dicht und weiß, dann bläulich, am Ende fast klar.
- Aus Buchenholz bleibt laut AELF Cham etwa ein Viertel des Rohholzgewichts als Kohle.
- Das Meilergas enthält viel Kohlenmonoxid. Frische Kohle kann sich von selbst entzünden.
- In Bayern braucht ein Kohlenmeiler im Wald und bis 100 m davon eine Erlaubnis – auch für Waldbesitzer.
Was beim Verkohlen passiert
Die Deutsche UNESCO-Kommission beschreibt das Verfahren als thermische Umwandlung von Biomasse, als trockene Destillation oder Pyrolyse. Dabei entsteht vor allem ein fester Brennstoff, die Holzkohle, daneben flüssiger Holzteer und Holzgas. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Cham fasst es kürzer: Im Meiler wird Holz unter Luftabschluss verschwelt.
Genauer erklärt es die Welternährungsorganisation FAO in ihrem Handbuch über einfache Verkohlungstechniken. Zuerst muss das Wasser aus dem Holz verdampfen; die Energie dafür liefert ein Teil des Holzes, der im Meiler verbrennt. Ab etwa 280 Grad Celsius zerfällt das trockene Holz dann von selbst und setzt dabei Wärme frei. Es entstehen Holzkohle, Wasserdampf, Methanol, Essigsäure, Teere und ein Gas, das vor allem aus Wasserstoff, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid besteht.
Für gute Holzkohle nennt die FAO eine Endtemperatur um 500 Grad Celsius. Niedriger verkohlte Kohle ist ergiebiger, enthält aber mehr Teer und brennt nicht sauber und rauchfrei. Daraus folgt die Grundregel jedes Meilers: so wenig Luft wie möglich, gerade genug, damit die Hitze durch den ganzen Holzstoß wandert.
Wofür Holzkohle taugt – und wofür nicht
Der wichtigste historische Abnehmer war die Metallverarbeitung. Nach der UNESCO-Kommission ließen sich die für das Schmelzen von Erz nötigen Temperaturen nur mit Holzkohle erreichen, das AELF Cham nennt Eisenhütten und Hammerwerke als Hauptabnehmer. Aus demselben Grund eignet sich Holzkohle für die Schmiedeesse.
Zum Kochen hat sie zwei Vorteile. Laut FAO liefert sie je Gewicht etwa doppelt so viel Wärme wie trockenes Brennholz und verbrennt vergleichsweise geruch- und rauchfrei; das AELF Cham erinnert daran, dass Holzkohlenfeuer früher im Feld genutzt wurden, weil der Gegner keinen Rauch sah. Rauchfrei heißt aber nicht harmlos: Beim Abbrennen entsteht Kohlenmonoxid.
Als Wasserfilter taugt Meilerkohle weniger, als oft behauptet wird. Die FAO hält fest, dass gewöhnliche Holzkohle kein besonders wirksames Adsorptionsmittel ist, weil Teerreste ihre feinen Poren verstopfen. Aktivkohle entsteht erst in Spezialbetrieben, die die Kohle in überhitztem Wasserdampf bis zur Rotglut erhitzen. Wie du Wasser sicher aufbereitest, steht im Artikel „Wasser aufbereiten im Notfall“.
Der Platzmeiler: Platz, Quandel, Holz, Decke
Die FAO beschreibt einen typischen kleinen Erdmeiler mit etwa 4 m Durchmesser am Fuß und 1 bis 1,5 m Höhe. Dafür wird ein Platz von etwa 6 m Durchmesser geräumt, eingeebnet, verdichtet und gut entwässert. In die Mitte kommt ein etwa 2 m hoher Pfahl, der beim Aufschichten Halt gibt und vor dem Anzünden herausgezogen wird; so bleibt ein Schacht frei. Beim traditionellen deutschen Meiler ist das der Quandel: laut AELF Cham ein Zündschacht aus vier stabilen Holzstangen, um den etwa 20 Ster Buchenscheite in zwei bis drei Etagen kegelförmig aufgestellt werden.
Unten legt die FAO einen Rost aus kreuzweise gelegten Rundhölzern von etwa 10 cm Dicke, damit Glut und heiße Gase zirkulieren können. Lange Stücke bis 2 m stehen innen senkrecht am Pfahl, kürzere außen, Lücken füllt kleines Holz. Am besten eignet sich nach der FAO gesundes Hartholz mittlerer bis hoher Dichte, gespalten auf höchstens 20 cm Dicke und so trocken wie möglich: Frisches Holz enthält bezogen auf das Trockengewicht etwa 40 bis 100 Prozent Wasser, lufttrockenes 12 bis 18 Prozent. Jeder Liter Wasser kostet Holz, das sonst Kohle geworden wäre – mehr dazu im Artikel „Brennholz: trocknen, spalten, Brennwert richtig einschätzen“.
Die Decke macht den Holzstoß zum Meiler. Nach der FAO kommt zuerst Stroh, Laub oder grobes Gras, darüber Erde oder Sand, üblicherweise 10 bis 20 cm dick; beim Waldmünchner Meiler des AELF Cham wird frisches Reisig aufgelegt und mit Erdreich luftdicht abgedeckt. Gut geeignet ist laut FAO sandiger Boden oder Lehm, der wenig schwindet; stark plastische Tone reißen beim Trocknen und Erhitzen. Kohlenstaub darf untergemischt werden. Am Fuß bleiben sechs bis zehn Luftlöcher offen, oben eine Öffnung von etwa 20 cm für den Rauch. Bei Bedarf lässt die FAO die Decke etwa einen Tag antrocknen.
Anzünden und führen: den Rauch lesen
Gezündet wird von oben. Nach der FAO kommt eine Schaufel brennendes Holz und Holzkohle in die obere Öffnung; das AELF Cham beschreibt, wie die Glut in den Quandelschacht fällt und das Verschwelen von innen nach außen beginnt. Dichter weißer Rauch zeigt laut FAO, dass das Feuer gefasst hat. Über einige Tage wird er bläulich und schließlich fast klar.
Geführt wird der Meiler über die Luftlöcher. Der Köhler tastet die Decke nach kalten und heißen Stellen ab und öffnet oder schließt die Löcher darunter. Rote Glut darf laut FAO zu keinem Zeitpunkt durch ein Loch sichtbar sein; zeigt sie sich, wird das Loch sofort geschlossen. Risse in der Decke füllst du mit weichem, sandigem Boden.
Wie lange das dauert, hängt von Größe und Holzfeuchte ab. Beim großen Waldmünchner Meiler dauert der Schwelprozess nach dem AELF Cham zwei bis drei Wochen, gesteuert durch geschicktes Öffnen und Schließen von Löchern im Erdmantel. Das Ende beschreibt die FAO beim Casamance-Meiler so: Der Rauch wird weniger und blau, dann verbrennt bereits die Kohle selbst, und der Meiler muss dicht verschlossen werden.
Abkühlen, ernten, Ausbeute
Ist die Verkohlung abgeschlossen, werden nach der FAO die obere Öffnung und alle Luftlöcher sorgfältig verschlossen. Ein kleiner Meiler kühlt so in etwa zwei bis drei Tagen ab. Beim Öffnen sollen etwa 100 Liter Wasser bereitstehen, um aufflammende Glut zu löschen. Das AELF Cham mahnt zur Dosierung: Zu viel Wasser mindert die Qualität, ohne Wasser kann die Kohle im letzten Augenblick zu Asche niederbrennen.
Wie viel Kohle herauskommt, hängt laut FAO von Können, Holzfeuchte und Dichtheit der Decke ab. Die Werte der Tabelle beziehen sich auf unterschiedliche Grundlagen – Rohholz, lufttrockenes oder trockenes Holz – und lassen sich deshalb nicht direkt vergleichen. Unverkohlte Stücke, die sogenannten Brände, kommen nach der FAO in den nächsten Meiler.
| Angabe | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Buche, Anteil am Rohholzgewicht | etwa 25 Prozent | AELF Cham |
| Fichte und Tanne, Anteil am Rohholzgewicht | etwa 20 Prozent | AELF Cham |
| Ein Festmeter Buche | rund 270 kg Holzkohle | AELF Cham |
| Erdmeiler, gute Praxis | 1 t Kohle aus 4 t lufttrockenem Holz | FAO |
| Erdmeiler, häufiger | 1 t Kohle aus 6 t Holz | FAO |
| Ölfass-Meiler | bis 23 Prozent, auf Trockengewicht bezogen | FAO |
Klein anfangen: Grube und Fass
Für kleine Mengen beschreibt die FAO die Mini-Grube bis etwa einen Kubikmeter. In der Grube wird ein kräftiges Feuer aus trockenem, kleinem Holz entfacht und nach und nach mit Holz aufgefüllt. Darüber kommen etwa 20 cm Laub und etwa 20 cm Erde. Nach zwei Tagen oder früher kann die Grube geöffnet werden; Wasser sollte bereitstehen, weil die Kohle beim Ausräumen Feuer fangen kann. Die Qualität fällt ungleichmäßig aus.
Kontrollierter arbeitet ein Metallbehälter. Die FAO nennt Meiler aus Standard-Ölfässern mit einer Verkohlung von etwa zwei bis drei Stunden und einer Abkühlzeit von etwa drei Stunden. Das Holz muss dafür kürzer als 30 cm und höchstens 5 cm dick sein; dichtes Hartholz verkohlt im Fass nur schwer vollständig. Die FAO zeigt außerdem eine Retorte aus Ölfässern, unter der das Feuer in einem Graben brennt.
Nach demselben Prinzip arbeitet eine verschlossene Blechdose mit kleinem Loch im Lagerfeuer: Das Holz darin wird von außen erhitzt, das Gas entweicht durch das Loch. Öffne jeden Behälter erst, wenn er ganz kalt ist – heiße Kohle kann sich an der Luft entzünden.
Gefahren und Rechtslage
Das Gas aus dem Meiler hat laut FAO einen hohen Gehalt an Kohlenmonoxid, das beim Einatmen giftig ist. Auch beim Öffnen entsteht es, weil sich heiße Kohle von selbst entzündet; die Arbeit am Meiler braucht deshalb gute Lüftung. Teer und Rauch können nach der FAO auf Dauer die Atemwege schädigen, Teer und Holzessig reizen die Haut und verunreinigen Gewässer. Frische Holzkohle neigt zur Selbsterwärmung, weil sie Sauerstoff aus der Luft aufnimmt – lagere sie erst, wenn sie ganz ausgekühlt ist.
Bei der Grube warnt die FAO ausdrücklich vor tödlichen Verbrennungen, wenn Mensch oder Tier auf die Decke treten. Ein Meiler gehört deshalb abgesperrt und nie unbeaufsichtigt, auf einem Platz ohne Wurzeln und Stubben.
Achtung Rechtslage heute: Nach Art. 17 des Bayerischen Waldgesetzes braucht eine Erlaubnis, wer im Wald oder weniger als 100 m davon einen Kohlenmeiler errichten oder betreiben will; die Ausnahme für Waldbesitzer gilt für offene Feuerstätten und Feuer, nicht für Meiler. Andere Länder regeln das in ihren eigenen Waldgesetzen. Eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung nach der 4. BImSchV braucht ein Holzkohlenmeiler nicht, er ist dort ausdrücklich ausgenommen. Gefahr: Kohlenmonoxid ist geruchlos. Das BfR meldete für 2009 und 2010 insgesamt 16 schwere Vergiftungen durch Holzkohlegrills im Innenraum, 13 davon tödlich. Verkohle und verbrenne Holzkohle nie in geschlossenen Räumen, Zelten oder Garagen. Zuständig: Frag vor jedem Meiler bei Forstamt und Gemeinde nach der Erlaubnis. Bei Brand oder Vergiftung: 112.
Kulturerbe Köhlerei: wo du es lernst
Seit 2014 stehen Köhlerhandwerk und Teerschwelerei im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission. Als Ansprechpartner nennt die Kommission den Europäischen Köhlerverband, einen Verein mit rund 2.600 Mitgliedern in neun europäischen Ländern, der das Handwerk öffentlich vorführt und Kinder und Jugendliche beim Meilerbau einbezieht.
Solche Vorführungen sind der beste Weg, das Handwerk zu lernen. Das AELF Cham baut seit 1995 alljährlich einen Meiler bei Waldmünchen auf, gemeinsam mit Forstwirt-Auszubildenden. Wer einmal zusieht, wie ein Köhler Rauch und Decke liest, versteht mehr als aus jeder Beschreibung. Wie du ein Feuer ohne Feuerzeug entzündest, steht im Artikel „Feuer machen ohne Feuerzeug“.
Häufige Fragen
Darf ich im eigenen Garten einen kleinen Meiler betreiben?
Das hängt von Land, Gemeinde und Abstand zum Wald ab. In Bayern braucht ein Kohlenmeiler im Wald und bis 100 m davon eine Erlaubnis. Frag vorher bei Gemeinde und Forstamt nach.
Kann ich Holzkohle aus dem Meiler als Wasserfilter nutzen?
Nur eingeschränkt. Laut FAO verstopfen Teerreste die Poren gewöhnlicher Holzkohle; wirksame Aktivkohle entsteht erst in Spezialbetrieben mit überhitztem Wasserdampf.
Woran erkenne ich, dass der Meiler fertig ist?
Am Rauch: Er ist anfangs dicht und weiß, wird über einige Tage bläulich und dann fast klar. Dann werden alle Öffnungen verschlossen, und der Meiler kühlt ab.
Welches Holz eignet sich am besten?
Nach der FAO gesundes, trockenes Hartholz mittlerer bis hoher Dichte, gespalten auf höchstens 20 cm Dicke. Beim Waldmünchner Meiler des AELF Cham wird Buche verkohlt.
Quellen
- Köhlerhandwerk und TeerschwelereiDeutsche UNESCO-Kommission · Pyrolyse und trockene Destillation, Produkte, Bedeutung für die Metallverarbeitung, Aufnahme 2014, Europäischer Köhlerverband (Verein)
- Von altem Handwerk und rußigen Gesellen – Kohlenmeiler WaldmünchenAmt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Cham · Verschwelen unter Luftabschluss, Quandelschacht, Aufbau, zwei bis drei Wochen Schwelzeit, Ausbeute Buche und Fichte, Ernte mit Wasser
- Simple technologies for charcoal making (FAO Forestry Paper 41), Kapitel 4, 5, 6, 8, 9 und 10Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) · Verkohlungsvorgang und Arbeitssicherheit (Kap. 4), Mini-Grube (Kap. 5), Erdmeiler mit Ausbeute (Kap. 6), Ölfass-Meiler (Kap. 8), Selbstentzündung und Brennwert (Kap. 9), Aktivkohle und Kohlenmonoxid beim Abbrennen (Kap. 10)
- Bayerisches Waldgesetz, Art. 17 FeuergefahrBayerische Staatskanzlei (BAYERN.RECHT) · Erlaubnispflicht für Kohlenmeiler im Wald und bis 100 m davon, Ausnahmen nur für Feuerstätten und Feuer
- Verordnung über genehmigungsbedürftige Anlagen (4. BImSchV), Anhang 1Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de) · Nr. 1.11: Anlagen zur Trockendestillation, ausgenommen Holzkohlenmeiler
- Holzkohlegrills gehören nicht in die WohnungBundesinstitut für Risikobewertung (BfR) · Kohlenmonoxid beim Abbrennen von Holzkohle, Vergiftungsfälle 2009 und 2010, nur im Freien
