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Gesundheit

Rehydrationslösung nach WHO-Rezept: bei Durchfall richtig trinken

Was die WHO-Trinklösung enthält, warum der Beutel aus der Apotheke die erste Wahl ist – und wie das Notfallrezept aussieht, wenn keiner da ist.

8 Min. LesezeitEinstiegStand: 25. September 2026
Ein Beutel mit Oral Rehydration Salts von UNICEF liegt auf einer neutralen Unterlage.
Orale Rehydratationssalze werden mit sauberem Wasser angerührt und dienen dazu, Flüssigkeit und Elektrolyte bei Durchfall zu ersetzen.Foto: Olle Gustavsson · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Bei Durchfall und Erbrechen ist selten der Erreger selbst das größte Risiko, sondern das, was der Körper dabei verliert: Wasser und Salze. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ erklärt, woran du Austrocknung erkennst, was in der Trinklösung nach WHO-Rezept steckt und wie du sie richtig gibst. Er ersetzt keine ärztliche Behandlung – er soll dir helfen, die Zeit bis dahin richtig zu nutzen und die Warnzeichen nicht zu übersehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Durchfall droht vor allem Austrocknung: Der Körper verliert Wasser und Salze, bei Kleinkindern binnen Stunden.
  • Erste Wahl ist eine fertige Elektrolyt-Glukose-Lösung aus der Apotheke, genau nach Packungsanleitung angerührt.
  • Nur sicheres Wasser verwenden: abgekocht oder aufbereitet, sonst kommen mit der Lösung neue Keime.
  • Notfallrezept ohne Beutel: 1 Liter Wasser, ½ gestrichener Teelöffel Salz, 8 gestrichene Teelöffel Zucker.
  • Säuglinge weiter stillen. Blut im Stuhl, Trinkverweigerung oder Benommenheit: sofort ärztliche Hilfe.

Warum Durchfall gefährlich wird – und woran du es merkst

Die WHO nennt die Austrocknung die schwerste Bedrohung bei Durchfall. Dabei gehen Wasser und Elektrolyte – Natrium, Chlorid, Kalium und Bicarbonat – über flüssigen Stuhl, Erbrochenes, Schweiß, Urin und die Atmung verloren. Austrocknung entsteht, wenn diese Verluste nicht ersetzt werden. Wasser allein gleicht die verlorenen Salze nicht aus.

Am stärksten gefährdet sind laut der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) Säuglinge und Kleinkinder bis 2 Jahre. Bei ihnen kann heftiger Durchfall, besonders zusammen mit Erbrechen, schon innerhalb weniger Stunden zu einer starken Austrocknung führen. Die WHO nennt außerdem mangelernährte Kinder, Kinder mit geschwächter Abwehr und Menschen mit HIV als besonders gefährdet. Das Handbuch „Where There Is No Doctor“ ergänzt sehr alte Menschen und alle, die schon vor dem Durchfall sehr krank oder geschwächt waren.

Das Handbuch rät deshalb, bei wässrigem Durchfall oder Durchfall mit Erbrechen nicht auf Zeichen der Austrocknung zu warten, sondern sofort mit dem Trinken zu beginnen.

Durst ist laut „Where There Is No Doctor“ oft das erste Zeichen. Dazu kommen wenig oder kein Urin, dunkelgelber Urin, plötzlicher Gewichtsverlust, ein trockener Mund, eingesunkene Augen ohne Tränen und bei Säuglingen eine eingesunkene Fontanelle. Hebst du die Haut zwischen zwei Fingern an und sie fällt nicht sofort zurück, ist das ein weiteres Zeichen.

Die WHO unterscheidet drei Stufen. Die Tabelle gibt ihre Einteilung wieder; für eine Stufe müssen jeweils mindestens zwei der Zeichen vorliegen.

Stufen der Austrocknung nach WHO
StufeZeichen (mindestens zwei)
Schwere AustrocknungBenommenheit oder Bewusstlosigkeit, eingesunkene Augen, kann nicht oder nur schlecht trinken, Hautfalte verstreicht sehr langsam (2 Sekunden oder länger)
Etwas AustrocknungUnruhe oder Reizbarkeit, eingesunkene Augen, trinkt gierig, ist durstig
Keine Austrocknungnicht genug Zeichen für eine der beiden anderen Stufen

Was in der WHO-Trinklösung steckt

Seit 2003 empfehlen WHO und UNICEF eine Trinklösung mit verringerter Osmolarität, also mit weniger gelösten Teilchen je Liter: 245 mOsm/l statt der früheren 311 mOsm/l. Sie gilt für Durchfall jeder Ursache und jedes Alter. Laut WHO-Dokument sank damit bei Kindern der Bedarf an ungeplanten Infusionen um 33 Prozent.

Das Prinzip ist einfach: Glukose hilft dem Dünndarm, Natrium aufzunehmen – und mit dem Natrium das Wasser. Natrium und Kalium ersetzen die verlorenen Salze, Citrat gleicht die Übersäuerung aus, die bei Durchfall und Austrocknung entsteht. Die WHO betont, dass die Lösung ein Arzneimittel ist und als solches hergestellt werden muss.

Zusammensetzung je Liter nach WHO und UNICEF
BestandteilGramm je Liter
Natriumchlorid (Kochsalz)2,6
Glukose, wasserfrei13,5
Kaliumchlorid1,5
Trinatriumcitrat-Dihydrat2,9
Gesamt20,5

Hinweis Gelöst ergibt das laut WHO je Liter 75 mmol Natrium, 65 mmol Chlorid, 75 mmol Glukose, 20 mmol Kalium und 10 mmol Citrat – zusammen 245 mOsm/l.

Erste Wahl: der fertige Beutel aus der Apotheke

Fertige Elektrolyt-Glukose-Trinklösungen in Pulverform gibt es laut DGKJ in jeder Apotheke, im richtigen Mischungsverhältnis. Halte dich genau an die Gebrauchsanleitung: Die DGKJ warnt ausdrücklich, dass ein zu geringer oder zu hoher Verdünnungsgrad gefährliche Folgen haben kann. Ein halber Beutel in einem vollen Glas ist also keine Sparlösung, sondern ein Fehler.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC beschreibt den zweiten entscheidenden Punkt: Das Pulver wird mit Wasser angerührt, das abgekocht oder aufbereitet wurde. Wer eine Durchfallerkrankung mit verunreinigtem Wasser behandelt, führt neue Erreger zu. Wie du Wasser im Notfall sicher machst, steht im Artikel „Wasser aufbereiten im Notfall“.

Die Beutel sind klein, leicht und gehören als Elektrolytlösung ohnehin in die Hausapotheke. Welches Präparat für wen passt – gerade für Säuglinge und Kleinkinder –, klärst du in der Apotheke oder Kinderarztpraxis. Der Artikel „Hausapotheke zusammenstellen“ zeigt, wo die Beutel ihren Platz haben.

Notfallrezept, wenn kein Beutel da ist

Für den Fall, dass es keine fertige Lösung gibt, nennt das Gesundheitshandbuch „Where There Is No Doctor“ der Organisation Hesperian ein Hausrezept. Es lautet wörtlich übersetzt: In 1 Liter sauberes Wasser kommen ein halber gestrichener Teelöffel Salz und 8 gestrichene Teelöffel Zucker. Bevor du den Zucker zugibst, probierst du: Die Lösung muss weniger salzig schmecken als Tränen.

„Gestrichen“ ist dabei kein Detail. Ein gehäufter Teelöffel fasst mehr Salz als ein gestrichener, und schon für fertige Lösungen warnt die DGKJ, dass ein falsches Mischungsverhältnis gefährliche Folgen haben kann. Miss deshalb mit einem echten Messbecher oder einer abgemessenen Flasche für den Liter und streiche jeden Löffel glatt ab. Setz die Lösung nicht nach Gefühl oder nach Geschmack „etwas stärker“ an.

Das Hausrezept ersetzt die WHO-Lösung nicht gleichwertig: Kalium und Citrat fehlen. Das Handbuch rät, wenn vorhanden, eine halbe Tasse Fruchtsaft, Kokoswasser oder zerdrückte reife Banane zuzugeben, weil sie Kalium liefern. Die CDC nennt eine weitere Möglichkeit, wenn keine Trinklösung da ist: sicheres Wasser, Brühe oder andere Flüssigkeiten. Stark zuckerhaltige Getränke wie Saft, Limonade oder Sportgetränke rät sie dagegen ab, weil sie den Durchfall verschlimmern können.

Achtung Ein falsches Mischungsverhältnis kann laut DGKJ gefährliche Folgen haben. Nur gestrichene Teelöffel, nur ein abgemessener Liter, vor dem Zucker die Geschmacksprobe. Bist du dir bei der Menge unsicher, mische neu. Für Säuglinge ist eine fertige Lösung aus der Apotheke die sichere Wahl – bei ihnen gehört die Behandlung in ärztliche Hände.

Richtig trinken: oft, in kleinen Schlucken

„Where There Is No Doctor“ rät, der ausgetrockneten Person alle 5 Minuten, Tag und Nacht, Schlucke der Lösung zu geben, bis sie wieder normal Wasser lässt. Ein Erwachsener braucht nach dem Handbuch 3 Liter oder mehr am Tag, ein kleines Kind meist mindestens 1 Liter am Tag oder ein Glas je wässrigem Stuhl. Auch wenn die Person erbricht, gibst du weiter kleine Schlucke – nicht alles wird wieder erbrochen.

Für Kinder nennt die DGKJ genauere Mengen. Zeigt ein Kind bereits Zeichen der Austrocknung, braucht es in den ersten 3–4 Stunden 40–50 ml Trinklösung pro Kilogramm Körpergewicht. Ohne Zeichen der Austrocknung ersetzt du den geschätzten Verlust: bei Säuglingen 50–100 ml, bei Kleinkindern 100–150 ml nach jedem flüssigen Stuhl oder Erbrechen.

Erbricht das Kind, gibst du anfangs alle 2 Minuten kleine Mengen mit dem Teelöffel. Erst wenn so 100–200 ml aufgenommen wurden, bietest du größere Mengen aus Becher oder Flasche an, etwa 30–50 ml alle 15 Minuten. Die Lösung darf gekühlt oder zimmerwarm sein.

Stillen geht weiter. Säuglinge sollen laut kindergesundheit-info.de auf jeden Fall weitergestillt werden; die DGKJ rät, das Kind zwischen den Gaben der Trinklösung an die Brust zu legen. Sobald der Körper wieder gut mit Flüssigkeit versorgt ist – nach DGKJ nach 3–4 Stunden –, gibt es wieder die gewohnte Nahrung. Cola, Salzstangen, lange Teepausen und tagelange fettarme Schonkost hält die DGKJ zur Behandlung für ungeeignet.

Wann du sofort ärztliche Hilfe brauchst

Die meisten Durchfälle bessern sich mit Trinken und Geduld; laut DGKJ dauert der Durchfall auch bei richtiger Behandlung meist 2 oder 3 Tage. Es gibt aber Zeichen, bei denen Hausmittel nicht mehr genügen. Die folgende Liste fasst zusammen, was DGKJ, kindergesundheit-info.de und „Where There Is No Doctor“ nennen.

Wenn du unsicher bist, gilt der letzte Punkt der DGKJ-Liste auch für dich: Wer sich überfordert fühlt oder unsicher ist, holt ärztliche Hilfe. Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, in Notfällen den Rettungsdienst unter 112.

  • Das Kind ist jünger als 7 Monate oder wiegt weniger als 8 kg, besonders Frühgeborene (DGKJ)
  • Blutiger Durchfall – bei Kindern mehr als einzelne Blutfäden (DGKJ), viel Blut im Stuhl ist laut Hesperian auch bei wenig Durchfall gefährlich
  • Unstillbares Erbrechen, oder häufiges Erbrechen, das länger als 3 Stunden nach Beginn der Trinklösung anhält
  • Trinkverweigerung trotz Zeichen der Austrocknung, oder der Zustand wird trotz Trinklösung schlechter
  • Auffälliges Verhalten: Hinfälligkeit, Gereiztheit, schrilles Schreien, Trinkschwäche, Krampfanfälle
  • Hohes Fieber über 39,5 °C, eine sehr angespannte Bauchdecke oder trockene Lippen und Zunge mit seltenerem Wasserlassen als alle 8 Stunden
  • Durchfall länger als 4 Tage ohne Besserung, oder Erkrankte, die schon vorher sehr krank, geschwächt oder mangelernährt waren – besonders kleine Kinder und sehr alte Menschen (Hesperian)

Achtung Behandle Säuglinge, Kinder mit Warnzeichen und blutigen Durchfall nicht allein zu Hause. Bei Benommenheit, Bewusstlosigkeit oder Krampfanfällen wählst du sofort 112. Die Trinklösung ist die Überbrückung bis zur Hilfe – die CDC rät, auch auf dem Weg zur Behandlung weiter zu trinken.

Hygiene: die Ansteckung im Haushalt stoppen

Viele Durchfallerreger verbreiten sich von Mensch zu Mensch. Laut kindergesundheit-info.de gelangen etwa Rota- und Noroviren über verschmutzte Flächen wie Türklinken, Lichtschalter oder Wasserhähne an die Hände und von dort in den Mund. Häufiges Händewaschen und besondere Sauberkeit sind deshalb das oberste Gebot – für die ganze Familie.

Hände wäschst du gründlich mit warmem Wasser und Seife: nach jedem Toilettengang, nach dem Wickeln, vor der Zubereitung von Mahlzeiten und vor jedem Essen. Das gilt besonders für den, der die Trinklösung anrührt. Wie Toilettengang und Hygiene funktionieren, wenn die Spülung ausfällt, steht im Artikel „Toilette ohne Spülung“.

Warum dieses Wissen ohne Nachschub trägt

Die WHO-Lösung ist ein Arzneimittel, aber ihr Prinzip passt auf eine Zeile: Salz und Zucker im richtigen Verhältnis in sicherem Wasser, schluckweise und oft getrunken. Wer das Prinzip kennt, kann auch ohne Apotheke handeln – und weiß zugleich, warum ein gestrichener Teelöffel mehr zählt als ein gut gemeinter gehäufter.

Die Zutaten des Notfallrezepts liegen in fast jeder Küche. Was du vorbereiten kannst, sind drei Dinge: ein paar Beutel Trinklösung in der Hausapotheke, ein Messbecher, der den Liter sicher anzeigt, und dieser Text auf Papier. Dazu kommen die Warnzeichen, die du kennen solltest, bevor du sie brauchst.

Häufige Fragen

Kann ich statt der Trinklösung einfach Cola und Salzstangen geben?

Nein. Die DGKJ hält Cola-Getränke und Salzstangen zur Behandlung für ungeeignet, und die CDC rät von stark zuckerhaltigen Getränken ab, weil sie den Durchfall verschlimmern können.

Reicht Leitungswasser zum Anrühren?

Wenn es sicheres Trinkwasser ist, ja. Gilt ein Abkochgebot oder ist die Versorgung unsicher, rührst du das Pulver mit abgekochtem oder aufbereitetem Wasser an, wie es die CDC beschreibt.

Soll ich mein Baby bei Durchfall weiter stillen?

Ja. Säuglinge sollen laut kindergesundheit-info.de auf jeden Fall weitergestillt werden. Für Säuglinge gilt aber besonders: Bei Warnzeichen und bei Kindern unter 7 Monaten oder unter 8 kg rät die DGKJ zum umgehenden Arztbesuch.

Warum nicht einfach etwas mehr Salz, damit es besser wirkt?

Weil eine zu salzige Lösung schadet. Die DGKJ warnt, dass ein zu hoher oder zu niedriger Verdünnungsgrad gefährliche Folgen haben kann. Beim Hausrezept gilt: gestrichene Teelöffel, abgemessener Liter, weniger salzig als Tränen.

Quellen

  1. Diarrhoeal disease (Fact sheet)World Health Organization (WHO) · Austrocknung als schwerste Bedrohung, verlorene Elektrolyte, Stufen der Austrocknung, Risikogruppen, Weiterfüttern, Blut im Stuhl
  2. Oral rehydration salts – Production of the new ORS (WHO/FCH/CAH/06.1)World Health Organization (WHO) und UNICEF · Zusammensetzung der Trinklösung mit verringerter Osmolarität (245 statt 311 mOsm/l), Wirkprinzip, Einstufung als Arzneimittel
  3. Treating CholeraCenters for Disease Control and Prevention (CDC) · Pulver mit abgekochtem oder aufbereitetem Wasser anrühren, Alternativen ohne Trinklösung, keine zuckerreichen Getränke, Weiterstillen
  4. Where There Is No Doctor, Kapitel 13: Some Very Common Sicknesses (PDF)Hesperian Health Guides · Zeichen der Austrocknung, Hausrezept mit Salz und Zucker, Trinkmengen und -takt, Warnzeichen
  5. Mein Kind hat Durchfall (Elterninformation)Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) · Fertige Lösungen aus der Apotheke, Gefahr falscher Verdünnung, Trinkmengen für Kinder, Stillen, Warnzeichen für den Arztbesuch
  6. Durchfall bei Babys und Kleinkindernkindergesundheit-info.de (BIÖG) · Weiterstillen, Warnzeichen für den sofortigen Arztbesuch, Ansteckungswege und Händehygiene