Wenn Gas, Strom und Fernwärme dauerhaft fehlen, ist ein Ofen mit Schornstein die verlässlichste Wärmequelle – und zugleich die gefährlichste Einrichtung im Haus. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ erklärt, was im Feuerraum passiert, warum ein Schornstein zieht und welche Maße die Feuerungsverordnungen für Abstände, Luft und Mündung vorgeben. Wie ein Ofen Wärme speichert, steht im Artikel „Wärme speichern: Kachelofen, Lehm und Wasser“.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Schornstein zieht, weil heißes Abgas leichter ist als Außenluft – je höher er ist, desto stärker.
- Ohne Herstellerangabe: 40 cm vom Ofen zu brennbaren Bauteilen, beim offenen Kamin 80 cm (Beispiel Brandenburg).
- Eine nichtbrennbare Bodenplatte reicht 50 cm vor die Feuerungsöffnung und 30 cm zur Seite (Beispiel Brandenburg).
- Beim neuen Holzofen liegt die Schornsteinmündung firstnah und überragt den First um mindestens 40 cm.
- Kohlenmonoxid sieht und riecht man nicht: CO-Melder, freie Luftöffnung und Abnahme durch den Schornsteinfeger.
Wofür dieser Artikel gedacht ist
Die Maße in diesem Artikel stammen aus der Brandenburgischen Feuerungsverordnung, die hier als Beispiel dient. Die anderen Länder haben eigene Feuerungsverordnungen; im Einzelnen können die Werte dort abweichen. Wo ein Ofenhersteller eigene Abstände angibt, gehen diese vor.
Der Artikel beschreibt, woraus ein sicherer Ofen besteht und woran du einen gefährlichen erkennst. Eine Maurer- oder Ofenbauerausbildung ersetzt er nicht.
Achtung Das ist Notfall- und Zivilisationswissen für eine Lage, in der Versorgung, Behörden und Fachbetriebe dauerhaft nicht erreichbar sind. Solange es Schornsteinfeger, Ofenbauer und Bauaufsicht gibt, gehen sie vor: Ein Ofen darf heute erst in Betrieb gehen, wenn der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger ihn abgenommen hat. Dieser Artikel ersetzt keine Ausbildung, keine Abnahme und keine Genehmigung.
Was im Feuerraum passiert
Beim Verbrennen verbindet sich Sauerstoff aus der Luft mit Kohlenstoff und Wasserstoff aus dem Holz. Das Umweltbundesamt (UBA) unterscheidet vier Phasen: Zuerst verdampft das Wasser im Holz. Ab etwa 150 °C zersetzt sich das Holz; dabei entstehen unter anderem Kohlenmonoxid, Wasserstoff und Methan. Über 500 °C werden Holzkohle und flüchtige Stoffe unter Sauerstoffmangel zu weiteren Brenngasen. Erst in der vierten Phase verbrennen diese Gase mit Sauerstoff zu Kohlendioxid und Wasser.
Am besten gelingt das laut UBA mit ausreichend Sauerstoff, guter Durchmischung der Brenngase, hoher Temperatur und genügend Verweilzeit. Für den Bau heißt das: Der Feuerraum soll heiß bleiben. Das UBA empfiehlt beim Kaminofen eine dicke Feuerraumauskleidung, etwa aus Schamotte, und einen Ofen, der höher als breit ist, weil sich die Flammen dann besser ausbreiten.
Ein offener Kamin eignet sich laut UBA nicht zum Heizen. Weil der Feuerraum zum Zimmer hin offen ist, lässt sich die Luft nicht regeln; laut UBA brennt das Feuer mit niedriger Temperatur und zu viel Luftüberschuss, gibt hohe Schadstoffmengen auch in die Raumluft ab und liefert nur wenig Wärme. Eine Glastür oder Glasscheibe vor dem Feuerraum verbessert beides. Wer einen Ofen zum Heizen baut, baut deshalb einen geschlossenen Feuerraum mit Tür.
Warum der Schornstein zieht
Heißes Abgas ist leichter als kalte Außenluft. Das Physikportal LEIFIphysik rechnet das an einem Beispiel vor: Ein 10 m hoher Kamin ist mit warmer Luft der Dichte 1,0 g/l gefüllt, draußen hat die Luft 1,25 g/l. Der Schweredruck ist Dichte mal Erdbeschleunigung mal Höhe. Außen ergeben sich 125, innen 100 N/m² – am Ofen bleibt ein Druckunterschied von 25 N/m². Deshalb „zieht“ der Kamin: Er saugt unten Luft und damit Sauerstoff nach.
Aus derselben Formel folgt zweierlei. Ein doppelt so hoher Schornstein erzeugt bei gleichen Dichten den doppelten Druckunterschied. Und ein kalter Schornstein zieht schwach, weil sich die Dichten innen und außen kaum unterscheiden – beim Anheizen braucht er deshalb zuerst Wärme.
Der Unterdruck ist klein, und alles, was im Raum Luft absaugt, arbeitet gegen ihn. Nach der Feuerungsverordnung dürfen Dunstabzugshauben, Lüftungsanlagen oder Abluft-Wäschetrockner den sicheren Betrieb eines Ofens, der seine Luft aus dem Raum nimmt, nicht beeinträchtigen. Die Gesundheitsinformation der Bundesärztekammer warnt: Ist die Küche offen mit einem Raum mit Ofen verbunden, kann eine Ablufthaube Abgase in die Räume ziehen.
Der Schornstein: Aufbau und Mündung
Die Abgase von Feuerstätten für feste Brennstoffe wie Holz müssen nach § 7 der Feuerungsverordnung in einen Schornstein. Er muss nach Querschnitt und Höhe so bemessen sein, dass die Abgase in jedem Betriebszustand ins Freie gelangen. Er muss rußbrandbeständig sein, auf dem Baugrund oder einem feuerbeständigen Unterbau stehen – in Gebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3 genügt ein nichtbrennbarer Unterbau –, durchgehend und nicht von Decken unterbrochen sein und Reinigungsöffnungen haben.
Das Rohr vom Ofen zum Schornstein heißt Verbindungsstück. Es darf nicht in Decken, Wänden oder unzugänglichen Hohlräumen liegen und nicht in andere Geschosse führen. So bleibt es zugänglich, und ein undichtes Rohr fällt eher auf.
Oben muss die Mündung nach § 9 der Feuerungsverordnung den First um mindestens 40 cm überragen oder mindestens 1 m von der Dachfläche entfernt sein. Für einen neu errichteten Holzofen reicht die Variante mit 1 m Abstand zur Dachfläche in der Regel nicht: Für ihn gilt die strengere Regel der 1. BImSchV aus dem nächsten Absatz. Dachaufbauten, Fenster und ungeschützte brennbare Bauteile, die näher als 1,5 m am Schornstein liegen, muss er um mindestens 1 m überragen. Ist das Dach überwiegend keine harte Bedachung – also nicht ausreichend lang gegen Flugfeuer und strahlende Wärme widerstandsfähig –, muss ein Schornstein für feste Brennstoffe am First austreten und ihn um mindestens 80 cm überragen. Das betrifft etwa Dächer aus Reet oder Stroh, wie sie der Artikel „Dach decken: Schindeln, Reet, Ziegel“ beschreibt.
Seit dem 1. Januar 2022 regelt die Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen (1. BImSchV) die Schornsteinhöhe bei neu errichteten Feuerungen für feste Brennstoffe strenger, damit die Abgase die Nachbarn nicht belästigen. Laut UBA liegt die Mündung dann bei Dächern ab 20 Grad Neigung firstnah und überragt den First um mindestens 40 cm. Bei flacheren Dächern zählt ein gedachter First, dessen Höhe mit 20 Grad Dachneigung berechnet wird; auf einem Flachdach muss der Schornstein nicht firstnah stehen. Bis 50 Kilowatt muss die Mündung außerdem die Oberkanten von Fenstern, Türen und Lüftungsöffnungen im Umkreis von 15 m um mindestens 1 m überragen. Beim Austausch bestehender Feuerstätten sind laut UBA gewisse Ausnahmen zugelassen.
Abstand zu allem, was brennen kann
Brennen kann nicht nur, was im Ofen liegt, sondern auch, was daneben steht: Wandverkleidung, Balken, Dielen. Die Feuerungsverordnung legt deshalb Grenzen fest. Ein Ofen muss so weit von Bauteilen aus brennbaren Baustoffen entfernt oder so abgeschirmt sein, dass diese bei voller Leistung nicht wärmer als 85 °C werden. Für Abgasanlagen gilt dieselbe Grenze, bei einem Rußbrand im Schornstein 100 °C.
Fehlt eine Herstellerangabe, gelten die Mindestmaße aus der Tabelle. Wo ein Rohr durch eine Holzdecke oder Holzwand führt, verlangt die Verordnung ein nichtbrennbares Schutzrohr mit 20 cm Abstand oder eine 20 cm dicke Ummantelung aus nichtbrennbarem, schlecht wärmeleitendem Material; Zwischenräume werden ebenfalls nur damit verschlossen.
| Stelle | Mindestmaß |
|---|---|
| Ofen zu brennbaren Bauteilen, ohne Herstellerangabe | 40 cm |
| Nichtbrennbarer Bodenbelag vor der Feuerungsöffnung | 50 cm nach vorn, 30 cm seitlich |
| Offener Kamin: Feuerraumöffnung zu brennbaren Bauteilen, nach oben und seitlich | 80 cm, mit belüftetem Strahlungsschutz 40 cm |
| Abgasanlage bis 400 °C Abgastemperatur zu brennbaren Bauteilen | 40 cm |
| Verbindungsstück, mindestens 2 cm dick nichtbrennbar ummantelt | 10 cm |
| Rohr durch brennbares Bauteil: Schutzrohr oder Ummantelung | 20 cm |
Luft zum Brennen
Ein Ofen, der seine Verbrennungsluft aus dem Raum nimmt, braucht Nachschub von draußen. Bis 50 Kilowatt Nennleistung reicht nach § 3 der Feuerungsverordnung eine Öffnung ins Freie mit mindestens 150 cm² lichtem Querschnitt oder zwei Öffnungen mit je 75 cm². Diese Öffnungen dürfen weder verschlossen noch zugestellt werden, und ein Gitter darf den Querschnitt nicht verkleinern. Für offene Kamine gelten diese Pauschalmaße nicht.
Das UBA weist darauf hin, dass in besonders gut gedämmten Häusern oder bei zentraler Lüftung eine eigene Luftzufuhr für den Ofen unbedingt nötig ist. Bezieht ein Ofen seine Luft über eine eigene Leitung von draußen, lassen sich laut UBA außerdem Wärmeverluste über den Schornstein größtenteils vermeiden.
Auch der Aufstellort ist geregelt: Feuerstätten gehören nicht in notwendige Treppenräume, nicht in notwendige Flure und nicht in Garagen. Notwendige Treppenräume und Flure zählen nach der Bauordnung zu den Rettungswegen des Hauses.
Richtig anheizen und betreiben
Das UBA empfiehlt für die meisten Scheitholzöfen das Anheizen von oben, weil dabei weniger unverbrannte Gase den Feuerraum verlassen. Es dauert etwas länger als das Anzünden von unten. Beim Anzünden braucht der Ofen viel Luft; erst wenn das Feuer voll brennt, wird die Luft ins Glutbett gedrosselt. Richtig eingestellt ist sie, wenn der Feuerraum hell und ohne schwarze Rußablagerungen bleibt und die Flammen ruhig brennen.
Pack den Ofen nicht zu voll: Zu viele Scheite entwickeln mehr Gase, als verbrennen können. Besser ist es, öfter kleine Mengen nachzulegen. Verbrenne nur trockenes, unbehandeltes Holz – lackiertes oder mit Holzschutzmittel behandeltes Holz ist verboten. Gut gelagertes Holz braucht laut UBA je nach Holzart ein bis zwei Jahre, bis sein Wasseranteil auf 15 bis 20 Prozent gesunken ist; mehr dazu im Artikel „Brennholz: trocknen, spalten, Brennwert“. Beim Anheizen und Nachlegen lüftest du am besten kurz und kräftig.
- Holzscheite auf den Feuerraumboden legen.
- Anzündhölzchen quer darüber, dazwischen einen Anzünder, etwa aus wachsgetränkter Holzwolle.
- Weitere Anzündhölzchen mit Abständen quer darüberlegen.
- Verbrennungsluftschieber auf Anheizstellung stellen und oben anzünden.
Kohlenmonoxid, Recht und wer zuständig ist
Kohlenmonoxid entsteht, wenn Holz unvollständig verbrennt – etwa in einem verstopften Schornstein. Laut einer Gesundheitsinformation im Auftrag der Bundesärztekammer kann man das Gas weder sehen noch riechen noch schmecken. Der rote Blutfarbstoff bindet es etwa 300-mal stärker als Sauerstoff. In Deutschland müssen jedes Jahr mehr als 3000 Menschen deswegen im Krankenhaus behandelt werden, ungefähr 500 sterben.
Erste Anzeichen sind Kopfschmerzen, Schwindel, Schwäche, Übelkeit und Erbrechen. Dann gilt: Fenster und Türen auf, nach draußen gehen, Nachbarn warnen, den Notruf 112 wählen. Vorbeugen hilft mehr: Kohlenmonoxid-Melder gehören in Wohnräume mit Feuerstätte und in Schlafräume. Vor Rauch warnen sie nicht – dafür brauchst du zusätzlich Rauchwarnmelder, wie im Artikel „Brand in der Wohnung“ beschrieben.
Rechtlich müssen Feuerstätten und Abgasanlagen nach § 42 der Brandenburgischen Bauordnung betriebssicher und brandsicher sein, und die Abgasanlagen müssen leicht zu reinigen sein. Nach § 83 darf eine Feuerstätte erst in Betrieb gehen, wenn der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger den sicheren Anschluss sowie die Tauglichkeit und sichere Benutzbarkeit der Abgasanlage bescheinigt hat. Nach der ersten Inbetriebnahme schreibt die 1. BImSchV laut UBA zudem ein Beratungsgespräch mit dem Schornsteinfeger vor.
Achtung Rechtslage heute: Ein Ofen darf erst nach der Bescheinigung des bevollmächtigten Bezirksschornsteinfegers in Betrieb gehen (in Brandenburg § 83 Abs. 2 BbgBO, in den anderen Ländern nach deren Bauordnung); Abstände, Luft und Schornstein regelt die Feuerungsverordnung deines Landes. Gefahr: Kohlenmonoxid, unsichtbar und geruchlos, dazu Brand durch zu nahe brennbare Bauteile oder einen Rußbrand im Schornstein. Bei Beschwerden alle sofort ins Freie und 112 wählen. Zuständig: der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger für Abnahme und Beratung, bei Problemen laut UBA auch Anlagenbaufirma, Installationsfirma oder Hersteller.
Häufige Fragen
Warum zieht mein Ofen beim Anheizen schlecht?
Ein kalter Schornstein zieht schwach, weil sich die Luft innen und außen kaum in der Dichte unterscheidet. Laut UBA braucht der Ofen beim Anzünden viel Luft, damit er schnell warm wird.
Wie weit muss der Ofen von der Holzwand weg?
So weit, wie der Hersteller angibt. Fehlt die Angabe, verlangt die Brandenburgische Feuerungsverordnung 40 cm oder eine Abschirmung, bei der die Wand nicht wärmer als 85 °C wird.
Darf ich einen offenen Kamin zum Heizen nutzen?
Laut UBA nur gelegentlich. Er gibt wenig Wärme ab und viele Schadstoffe in den Raum. Mit Glastür oder Glasscheibe steigt laut UBA der Wirkungsgrad.
Reicht es, wenn ich Rauch rieche?
Nein. Kohlenmonoxid ist farb- und geruchlos. Ein Kohlenmonoxid-Melder schlägt Alarm, wenn eine gesundheitsgefährdende Menge in der Raumluft ist – zusätzlich zum Rauchwarnmelder.
Quellen
- Brandenburgische Feuerungsverordnung (BbgFeuV)Land Brandenburg, Brandenburgisches Vorschriftensystem (BRAVORS) · Verbrennungsluft (§ 3), Aufstellorte und Abstände der Feuerstätte (§ 4), Abluftanlagen, Schornsteinbau und Verbindungsstücke (§ 7), Abstände der Abgasanlagen (§ 8), Mündung über Dach (§ 9)
- Brandenburgische Bauordnung (BbgBO)Land Brandenburg, Brandenburgisches Vorschriftensystem (BRAVORS) · Feuerungsanlagen betriebs- und brandsicher, leicht zu reinigen (§ 42); Inbetriebnahme erst nach Bescheinigung des Bezirksschornsteinfegers (§ 83 Abs. 2); harte Bedachung (§ 32)
- Heizen mit Holz – Ratgeber (PDF)Umweltbundesamt (UBA) · Vier Phasen der Verbrennung, offene Kamine, Anheizen von oben, Luftzufuhr, verbotene Brennstoffe, Schornsteinhöhe seit 2022, Ansprechpartner bei Problemen
- Kaminofen: Auf Effizienz achten und Alternativen prüfenUmweltbundesamt (UBA) · Schamotte-Auskleidung, Ofen höher als breit, eigene Luftzufuhr, trockenes Holz mit 15 bis 20 Prozent Wasser, Stoßlüften, Beratungsgespräch nach Inbetriebnahme
- Der Kamin muss ziehen (Aufgabe mit Lösung)LEIFIphysik, FWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (gemeinnützige GmbH) · Rechenbeispiel zum Schornsteinzug: 10 m, 1,0 und 1,25 g/l, Druckunterschied 25 N/m²
- Kohlenmonoxid-Vergiftung – Gesundheitsinformation (PDF)Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin im Auftrag von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung · Eigenschaften, Bindung an Hämoglobin, Fallzahlen, Anzeichen, Erste Hilfe, CO-Melder, Ablufthauben
