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Haushalt & Familie

Einen Holzbogen bauen: Holz, Sehne, Pfeile

Ein Bogen aus einem Stück Holz: welches Holz trägt, wie Zug- und Druckseite arbeiten, was an Sehne und Pfeil gehört – und wo du schießen darfst.

8 Min. LesezeitFür FortgeschritteneStand: 25. September 2026
Mehrere lange Holzbögen liegen nebeneinander und zeigen unterschiedliche Bauformen und Wurfarme.
Holzbögen funktionieren durch das Zusammenspiel von Zug- und Druckseite im gebogenen Wurfarm.Foto: Hitchhiker89 · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Ein Bogen aus einem einzigen Stück Holz gehört zu den ältesten Werkzeugen, die Menschen gebaut haben. Er braucht keine Maschine, keinen Kleber und kein Metall – nur das richtige Holz, Geduld und eine Sehne. Dieser Artikel erklärt, welches Holz sich eignet, warum ein Bogen überhaupt hält, wie Sehne und Pfeile entstehen und was beim Schießen rechtlich und praktisch gilt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eibe ist das klassische Bogenholz: hartes Kernholz nimmt Druck auf, elastisches Splintholz den Zug.
  • Eibe ist in allen Teilen außer dem roten Samenmantel giftig. Wilde Eiben sind selten und vielerorts geschützt.
  • Der Bogen entsteht langsam: Holz trocknen, grob ausarbeiten, dann in kleinen Schritten gleichmäßig biegsam machen.
  • Ein Pfeil kann töten. Geschossen wird nur auf zugelassenen Plätzen und nie auf Menschen oder Tiere.
  • Pfeile auf Schalenwild sind nach § 19 BJagdG verboten; jede Jagd braucht einen Jagdschein.

Was ein Holzbogen ist – und was Ötzi dabeihatte

Ein Langbogen oder Flachbogen aus einem Stück Holz – Bogenbauer sagen „Selfbow“ – speichert beim Ausziehen Energie im gebogenen Holz und gibt sie beim Lösen an den Pfeil ab. Mehr Technik steckt nicht darin. Genau deshalb lässt er sich ohne Industrie bauen.

Wie alt dieses Wissen ist, zeigt der Mann aus dem Eis. Laut Südtiroler Archäologiemuseum trug Ötzi einen 1,82 m langen Stab aus Eibenholz bei sich, den er mit seinem Beil Schritt für Schritt zu einem neuen Bogen ausarbeitete. Der Rohling war fast fertig; er hätte nur noch geglättet und mit einer Sehne versehen werden müssen. Im Köcher lagen außerdem eine zwei Meter lange Bogenschnur aus Tiersehnen, 12 Pfeilschäfte und zwei vollständige Pfeile.

Das Museum beschreibt damit die ganze Kette, um die es hier geht: passendes Holz, ein Bogenstab, eine Sehne und Pfeile mit Befiederung. Alles davon lässt sich aus dem herstellen, was in Mitteleuropa wächst.

Das richtige Holz: Eibe, Robinie, Esche

Eibe ist das Bogenholz schlechthin. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) schreibt, fast alle vorgeschichtlichen und historischen Bögen bestünden aus diesem Material; auch die englischen Langbögen waren aus Eibe. Die Universität Göttingen erklärt, dass Eibenholz seit der Jungsteinzeit bis ins späte Mittelalter zum Bogenbau verwendet wurde und bis heute für Sportbögen genutzt wird.

Eibe hat zwei Haken. Sie ist laut LWF die einzige einheimische Baumart, die giftig ist: Bis auf den roten Samenmantel enthalten alle Pflanzenteile Taxin, ein Herzgift. Und wilde Eiben sind selten geworden; ein LWF-Band aus den 1990er-Jahren nennt sie in den meisten Bundesländern eine Art der Roten Liste. Einen wilden Baum für einen Bogen zu fällen, kommt deshalb nicht infrage.

Als heimische Alternativen nennt die LWF-Holzkunde keine Bögen, liefert aber die Kennwerte. Robinie und Esche haben einen hohen Biege-Elastizitätsmodul und eine hohe Bruchschlagarbeit – sie federn also und brechen nicht so leicht bei plötzlicher Last. Dass sie sich deshalb für Bögen eignen, ist unsere Folgerung aus diesen Werten, keine Aussage der Quelle. Bogenbauer nennen außerdem Ulme und Hasel; eine Primärquelle dafür haben wir nicht ausgewertet.

Frisch geschliffenes Eibenholz zeigt deutlich helles Splintholz und dunkleres Kernholz mit natürlicher Maserung.
Eibenholz im Querschnitt: Die unterschiedlichen Holzbereiche sind schon am Farbkontrast gut zu erkennen.Foto: Jürgen Lutschkowski / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Holzkennwerte nach LWF (Mittelwerte, Robinie im Vergleich)
HolzartBiege-E-Modul in N/mm²Bruchschlagarbeit in kJ/m²
Robinie13.600110–150
Esche13.00068
Eiche13.00060–75
Fichte11.00046–50

Achtung Eibe ist giftig, auch das Holz. Iss und kau nichts davon, halte Kinder und Weidetiere von Zweigen und Spänen fern und wasch nach der Arbeit die Hände. Bei Verdacht auf Vergiftung sofort den Giftnotruf oder die 112 anrufen.

Zugseite und Druckseite: warum ein Bogen hält

Ein gespannter Bogen wird gebogen. Seine Außenseite, der „Rücken“, der vom Schützen wegzeigt, wird dabei gedehnt. Die Innenseite, der „Bauch“, wird gestaucht. Das Holz muss also auf der einen Seite Zug und auf der anderen Druck aushalten.

Die Universität Göttingen zitiert dazu einen Zimmermann, der Eibenbögen baut: Das rote Kernholz sei auf Druck belastbar und hart und komme deshalb auf den Bauch; das helle Splintholz sei auf Zug belastbar und elastisch und komme auf den Rücken. Das Besondere an der Eibe ist, dass sie beides von Natur aus in einem Stück vereint. Hat ein Holz diese Eigenschaften nicht, müsse man oft verschiedene Hölzer zusammenleimen.

Daraus folgt die wichtigste Regel des Bogenbaus: Der Rücken bleibt unverletzt. Ein Schnitt quer durch die Fasern auf der Zugseite ist eine Sollbruchstelle. Die LWF schreibt, ein Bogen sei vermutlich nur bei völliger Astreinheit optimal gewesen – Äste stören den Faserverlauf genau dort, wo das Holz am meisten arbeitet.

Gespannter Bogen von der Seite: Der Rücken außen aus hellem Splintholz wird gedehnt (Zug), der Bauch innen aus Kernholz wird gestaucht (Druck); rechts verläuft die Sehne.
Der Rücken trägt Zug, der Bauch Druck – bei der Eibe liegt das Splintholz außen, das Kernholz innen.Skizze: WildWeasel

Vom Stab zum Bogen: trocknen, ausarbeiten, tillern

Frisches Holz muss erst trocknen. Wie lange, hängt von Holzart, Stärke und Lagerort ab; eine belegte Zahl für Bogenrohlinge haben wir nicht. Für Robinie rät die LWF zu einer überdachten, sorgfältigen Stapelung und gegebenenfalls zum Versiegeln der Querschnittsflächen, weil das Holz langsam trocknet und stark zum Werfen und Verziehen neigt. Wie Holz grundsätzlich trocknet, steht im Artikel über Brennholz.

Die folgenden Arbeitsschritte sind überliefertes Handwerkswissen von Bogenbauern, keine Aussagen unserer Quellen. Zuerst wird der Stab grob auf Form gebracht: gerader Faserverlauf auf dem Rücken, ein steifer Griff in der Mitte, zwei gleich lange Wurfarme, die zu den Enden hin schlanker werden. Gearbeitet wird fast nur am Bauch.

Dann folgt das „Tillern“: Der Bogen wird mit einer Hilfsschnur immer nur ein Stück weit gebogen, und du schaust, wo er sich biegt und wo nicht. Steife Stellen nimmst du vorsichtig am Bauch zurück, bis beide Wurfarme eine gleichmäßige Kurve zeigen. Erst danach wird weiter ausgezogen – in kleinen Schritten, nie mit Gewalt. Ein Bogen, der an einer Stelle zu stark biegt, bricht dort.

Ötzis Rohling zeigt, dass dieser Weg ohne Sägen und Maschinen geht: Laut Museum arbeitete er ihn mit dem Beil aus. Ein Messer, eine Raspel oder Ziehklinge und Schleifmittel machen es heute leichter.

Ein Flachbogen wird auf einem Tillerstock gespannt; die Biegung beider Wurfarme ist deutlich sichtbar.
Beim Tillern wird die Biegung der Wurfarme schrittweise kontrolliert und durch vorsichtiges Nacharbeiten ausgeglichen.Foto: Simon A. Eugster / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Achtung Beim Tillern kann Holz brechen und Splitter werfen. Trag eine Schutzbrille, halte das Gesicht aus der Biegeebene und lass Zuschauer Abstand halten. Diese Regel ist eine Vorsichtsfolgerung, keine Norm.

Sehne und Pfeile

Ötzis Bogenschnur bestand laut Museum aus Tiersehnen. Das zeigt, dass eine Sehne ohne Kunststoff möglich ist. Heute nutzen Bogenbauer meist gewachstes Kunstfasergarn; auch das ist Handwerkswissen ohne eigene Quelle. Wichtig ist nur: Die Sehne darf nicht dehnen und muss fest in den Kerben an den Bogenenden sitzen.

Für die Pfeile verwendete Ötzi laut Museum Äste des Wolligen Schneeballs und von Hartriegel, entrindet und geglättet. Ein Ende hatte eine Kerbe für die Spitze. Am hinteren Ende saß eine Befiederung, die den Pfeil im Flug stabilisieren sollte; die Federn waren mit Birkenteer und Fäden befestigt. Gerade gewachsene Triebe ohne Äste sind also das Rohmaterial.

Für Übung und Sport gehört an den Pfeil nur eine Spitze, die im Bogensport zulässig ist. Die Sicherheitsregeln der Bogensportverbände erlauben ausschließlich solche Spitzen. Jagdspitzen haben auf einem Übungsplatz nichts zu suchen, und dieser Artikel beschreibt sie nicht.

Schießen: wo, wie, mit welcher Spitze

Die Sicherheitsregeln von Deutschem Schützenbund (DSB), Deutschem Bogensport-Verband (DBSV) und Deutschem Feldbogen Sportverband (DFBV) – drei Verbände, keine Behörde – zeigen, wie viel Raum ein Pfeil braucht. Auf freiem Gelände gilt ein Bereich von etwa 150 m in Schussrichtung als gefährdet. Fehlt dieser Raum, muss hinter den Scheiben ein Pfeilfang stehen, etwa ein Erdwall oder ein Netz, direkt hinter der Scheibe rund 3 m hoch.

Die Verbände verlangen außerdem: Der Bogen wird mit aufgelegtem Pfeil nur in Richtung Ziel ausgezogen. Ein Pfeil wird erst aufgelegt, wenn sich niemand vor, hinter dem Ziel oder im Gefahrenbereich aufhält. Senkrecht in die Höhe zu schießen, ist verboten, weil Flug und Auftreffpunkt dann nicht mehr kontrollierbar sind.

Ein Garten erfüllt diese Anforderungen fast nie. Der sicherste Weg zum ersten Schuss ist deshalb ein Bogensportverein: Dort gibt es einen geprüften Platz, Aufsicht und Leute, die deinen selbst gebauten Bogen ansehen.

Achtung Ein Pfeil kann töten – auch auf Distanz: Laut Südtiroler Archäologiemuseum waren mit einem Nachbau von Ötzis Bogen tödliche Schüsse aus 30 bis 50 m möglich. Schieß nie auf Menschen oder Tiere. Das Bundesjagdgesetz verbietet, mit Pfeilen auf Schalenwild, Wölfe und Seehunde zu schießen (§ 19), und wer überhaupt jagt, braucht einen Jagdschein (§ 15). Dieser Artikel gibt keine Hinweise zur Jagd. Nach Darstellung der Bogensportverbände ist ein Bogen keine Schusswaffe im Sinne des Waffengesetzes, weil er die Energie nicht speichert – das heißt nicht, dass du überall schießen darfst. Wo geschossen wird, klärt der Verein; wer draußen einen eigenen Platz einrichten will, fragt das Ordnungsamt.

Pflege: damit der Bogen lange hält

Ein Holzbogen ermüdet. Die LWF berichtet über historische Langbögen, dass nach etwa 1.000 Schuss die Elastizität nachzulassen begann und ein Schütze im Leben viele Bögen brauchte. Rechne also damit, irgendwann einen neuen zu bauen – und heb dir dafür Holz auf.

Die folgenden Pflegeregeln sind Handwerkswissen ohne eigene Quelle: Den Bogen nach dem Schießen abspannen, trocken und nicht neben dem Ofen lagern, die Oberfläche mit Öl oder Wachs vor Feuchtigkeit schützen. Die Sehne regelmäßig auf aufgeriebene Stellen prüfen und rechtzeitig ersetzen. Einen Bogen nie ohne Pfeil auslösen: Die Energie, die sonst in den Pfeil geht, landet dann im Holz.

Warum dieses Wissen ohne Nachschub trägt

Ein Holzbogen braucht nichts, was im Laden ausgehen kann. Holz, Sehnenmaterial, gerade Triebe für Pfeile und Federn gibt es in Mitteleuropa seit Jahrtausenden; Ötzis Ausrüstung zeigt, dass ein Beil, ein Messer und Wissen genügen. Wer einmal einen Bogen getillert hat, versteht außerdem, wie Holz unter Last arbeitet – das hilft auch bei Werkzeugstielen, Hebeln und allem, was federn soll.

Gleichzeitig ist ein Bogen kein Spielzeug. Das Wissen trägt nur, wenn die Regeln mitgehen: auf zugelassenen Plätzen schießen, nie auf Lebewesen zielen und die Rechtslage kennen. So wird aus einem alten Handwerk eine Fertigkeit, die bleibt.

Häufige Fragen

Brauche ich für einen selbst gebauten Bogen einen Waffenschein?

Nach Darstellung der Bogensportverbände ist ein Bogen keine Schusswaffe im Sinne des Waffengesetzes, weil er die Energie nicht speichert – anders als eine Armbrust. Bist du unsicher, frag die Waffenbehörde deines Kreises.

Darf ich im eigenen Garten schießen?

Die Bogensportverbände rechnen auf freiem Gelände mit etwa 150 m Gefahrenbereich oder verlangen einen Pfeilfang. Das erfüllt kaum ein Garten. Frag im Zweifel das Ordnungsamt und schieß im Verein.

Warum nicht einfach eine Eibe aus dem Wald nehmen?

Wilde Eiben sind selten; die LWF nennt sie in den meisten Bundesländern eine Art der Roten Liste. Außerdem gehört Holz im Wald dem Waldbesitzer. Frag den Förster oder nutze Holz aus einem Gartenschnitt.

Wie schwer ist der erste Bogen?

Rechne damit, dass ein Rohling beim Tillern brechen kann – deshalb biegst du langsam und legst mehr als einen Stab zum Trocknen. Eine belegte Erfolgsquote für Anfänger gibt es nicht.

Quellen

  1. Ötzis AusrüstungSüdtiroler Archäologiemuseum · Eibenstab 1,82 m, Bogenschnur aus Tiersehnen, Pfeile aus Wolligem Schneeball und Hartriegel, Befiederung mit Birkenteer, tödliche Schüsse aus 30 bis 50 m mit einem Nachbau.
  2. Holz und Nutzung (Eibe)Georg-August-Universität Göttingen · Eibe als Bogenholz seit der Jungsteinzeit; Kernholz druckfest für den Bauch, Splintholz zugfest für den Rücken.
  3. Beiträge zur Eibe – LWF-Wissen 10 (PDF)Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft · Giftigkeit (Taxin, Herzgift, Arillus ungiftig), Rote Liste, Eibe als historisches Bogenholz, Astreinheit, nachlassende Elastizität nach 1.000 Schuss.
  4. Das Holz der Robinie – LWF Wissen 84Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft · Kennwerte von Robinie, Esche, Eiche und Fichte; Trocknung der Robinie: langsam, neigt zum Werfen, überdacht stapeln, Querschnitte versiegeln.
  5. Bundesjagdgesetz (§§ 15 und 19)Bundesministerium der Justiz · Jagdschein-Pflicht; Verbot, mit Pfeilen auf Schalenwild, Wölfe und Seehunde zu schießen.
  6. Sicherheitstechnische und bauliche Regeln für Bogenplätze (PDF, Stand 01.09.2025)DSB, DBSV und DFBV (Bogensportverbände) · Verbandsposition zum Waffengesetz, Gefahrenbereich 150 m, Pfeilfang 3 m, Ausziehen nur Richtung Ziel, kein senkrechter Schuss, zulässige Spitzen, Ordnungsamt.