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Warnung & Information

Radio aus Schrottteilen: der Detektorempfänger

Ein Radio ganz ohne Batterie: wie der Detektorempfänger funktioniert, was du aus Resten bauen kannst – und warum er heute kaum noch etwas empfängt.

7 Min. LesezeitFür FortgeschritteneStand: 25. September 2026
Historischer Detektorempfänger mit großer Kupferspule, Kristalldetektor und Kopfhörern.
Ein Detektorempfänger kommt ohne eigene Stromversorgung aus und nutzt die Energie des empfangenen Radiosignals.Foto: ArnoldReinhold · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Ein Radio, das ohne Batterie, ohne Kurbel und ohne Steckdose spielt, klingt nach Zauberei. Der Detektorempfänger kann das seit den Anfängen des Rundfunks – mit einer Handvoll Bauteilen, die sich auch aus alten Geräten gewinnen lassen. Dieser Artikel erklärt, wie das Prinzip funktioniert, worauf es beim Selbstbau ankommt und was du damit heute in Deutschland realistisch empfängst. Die letzte Frage ist die unbequemste, deshalb bekommt sie einen eigenen Abschnitt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Detektorempfänger braucht keine Batterie – er lebt allein von der Energie der empfangenen Funkwelle.
  • Er macht nur AM hörbar: Lang-, Mittel- und Kurzwelle, aber kein UKW und kein DAB+.
  • Deutschlandradio hat Langwelle Ende 2014 und Mittelwelle Ende 2015 eingestellt, die ARD ihre letzten MW-Sender ebenso.
  • Realistisch empfängt ein Detektor nur starke Sender – ob es bei dir einen gibt, zeigt nur ein Versuch.
  • Eine Außenantenne kann bei Gewitter Blitzströme ins Haus leiten; feste Antennen gehören in Fachhand.

Ein Radio, das von der Funkwelle lebt

Der Detektorempfänger war einer der ersten und einfachsten Empfänger für den Rundfunk. Er hat weder Batterie noch Netzteil. Die Ausbildungsplattform des Amateurfunkverbands DARC beschreibt, dass er seine Energie direkt aus dem empfangenen Signal bezieht. Was du im Kopfhörer hörst, ist also ein winziger Rest der Leistung, die ein Sender irgendwo abgestrahlt hat.

Daraus folgt die wichtigste Grenze gleich mit. Weil nichts verstärkt wird, taugt ein Detektorempfänger laut DARC normalerweise für starke Rundfunksender im Nahbereich und nur eingeschränkt für den Fernempfang. Das Lehrmaterial der Hochschule Schmalkalden sagt es ebenso knapp: Mit Antenne, abstimmbarem Schwingkreis und hochohmigem Kopfhörer kann ein starker AM-Rundfunksender empfangen werden. Das Wort „stark“ steht dort nicht zufällig.

Vom Draht bis zum Ohr: was jedes Bauteil tut

Die Antenne fängt die Funkwellen aller Sender in der Umgebung gleichzeitig ein. Der Schwingkreis aus Spule und abstimmbarem Kondensator sortiert: Er wird nur dann kräftig zum Schwingen angeregt, wenn er auf die Frequenz eines Senders abgestimmt ist. Drehst du am Kondensator, wählst du den Sender.

Dann folgt der eigentliche Detektor, eine Diode. Sie richtet das Signal gleich, lässt den Strom also nur in eine Richtung durch. Bei amplitudenmodulierten Sendern steckt der Ton in der Hüllkurve – darin, wie stark der Träger im Takt von Sprache und Musik schwankt. Nach der Gleichrichtung lässt sich genau diese Hüllkurve abgreifen.

Den Rest erledigt der Kopfhörer. Er ist zu träge, um den einzelnen Stromstößen zu folgen, und wirkt dadurch wie ein Tiefpass: Übrig bleibt die Hüllkurve, also der hörbare Ton. Hochohmig muss er sein, damit er den Schwingkreis nicht zu sehr bedämpft – sonst leiden Trennschärfe und Empfangsleistung.

Vier Kästen mit Pfeilen im Kreis: Antenne – fängt ein, Schwingkreis – wählt Sender, Diode – richtet gleich, Kopfhörer – macht hörbar. Darunter: keine Batterie.
Antenne, Schwingkreis, Diode, Kopfhörer: Mehr braucht ein Detektorempfänger nicht – die Energie kommt aus der Funkwelle.Skizze: WildWeasel
Die Bauteile eines Detektorempfängers nach den Ausbildungsunterlagen des DARC
BauteilAufgabeWorauf es ankommt
Antennefängt die Funkwellen einliefert die gesamte Energie – ohne Verstärker entscheidet ihr Signal über die Lautstärke
Spule und abstimmbarer Kondensatorbilden den Schwingkreis und wählen den Sendermuss auf die Frequenz des gewünschten Senders abgestimmt sein
Diode (Detektor)richtet das Signal gleich und trennt den Ton vom Trägerfunktioniert nur bei Amplitudenmodulation
Kopfhörermacht die Hüllkurve hörbarhochohmig, damit der Schwingkreis nicht zu stark bedämpft wird

Warum nur AM – und kein UKW

Das ganze Prinzip hängt an der Amplitudenmodulation. Nach dem Lehrmaterial der Hochschule Schmalkalden wurde AM mit Träger für den Hörrundfunk gerade deshalb gewählt, weil damit besonders einfache Empfänger mit einem Hüllkurvendemodulator möglich sind. Der Detektorempfänger ist diese Schaltung in ihrer einfachsten Form.

Eingesetzt wird AM im Hörrundfunk auf Langwelle (150 bis 285 kHz), Mittelwelle (525 bis 1605 kHz) und Kurzwelle (6 bis 19 MHz). Der UKW-Rundfunk zwischen 87 und 108 MHz arbeitet dagegen mit Frequenzmodulation. Dort steckt der Ton nicht in der Stärke, sondern in der Frequenz des Trägers, und eine Diode allein holt ihn nicht heraus. Ein Empfänger dafür wandelt das Signal zuerst mit einem sogenannten Diskriminator um oder nutzt andere Demodulatoren.

Für UKW und erst recht für DAB+ brauchst du deshalb ein richtiges Radio. Wie du ein netzunabhängiges Gerät auswählst und deinen Sender vorher findest, steht im Artikel zum Notfallradio.

Drei Kurven untereinander: oben ein AM-Signal, dessen Schwingungen im Takt des Tons stärker und schwächer werden; in der Mitte dasselbe Signal nach der Diode, nur noch nach oben; unten die glatte Hüllkurve als Ton.
Bei AM steckt der Ton in der Hüllkurve. Die Diode lässt nur eine Richtung durch, der Kopfhörer glättet den Rest.Skizze: WildWeasel

Was du heute damit empfängst – die ehrliche Antwort

Hier liegt der Haken, und er ist groß. Nach dem 20. Bericht der KEF, der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, hat das Deutschlandradio die Verbreitung über die Langwelle Ende 2014 aufgegeben und Ende 2015 auch die Mittelwelle eingestellt. Die ARD teilte dort mit, dass auch ihre letzten verbliebenen Mittelwellensender Ende 2015 außer Betrieb gehen. Die KEF hatte die Abschaltung gefordert, ARD und Deutschlandradio haben sie umgesetzt. Als Begründung nennt der Bericht, dass sich die Zahl der Hörerinnen und Hörer auf diesem Weg bereits nicht mehr ermitteln ließ.

Was dann noch ankommt, hängt von Ort und Tageszeit ab. Tagsüber sind Lang- und Mittelwelle nach den DARC-Unterlagen weitgehend leer: Die unterste Schicht der Ionosphäre, die D-Region, verschluckt die Raumwelle, übrig bleibt nur die Bodenwelle. Nach Sonnenuntergang löst sich die D-Region praktisch auf, und Signale von weiter her kommen durch. Ein Detektor hat davon allerdings wenig, denn ferne Sender sind schwach – und für den Fernempfang ist er nur eingeschränkt geeignet.

Konkret heißt das: Rechne nicht damit, mit einem Detektorempfänger in Deutschland einen deutschen Informationssender zu hören. Ob in deiner Gegend überhaupt ein AM-Sender stark genug ankommt, zeigt nur ein Versuch. Für Nachrichten und Warnungen im Ernstfall bleibt ein netzunabhängiges UKW- und DAB+-Radio das Gerät, auf das du dich stützt.

Hinweis Die Abschaltdaten stammen aus dem 20. Bericht der KEF von 2016. Ob einzelne andere Anbieter heute noch auf Mittelwelle senden, haben wir nicht verlässlich ermitteln können – deshalb steht hier keine Senderliste.

Aus Resten bauen: das Prinzip, nicht die Stückliste

Die Schaltung ist so schlicht, dass sie aus Teilen ausgedienter Geräte entstehen kann: eine Spule, ein abstimmbarer Kondensator, eine Diode, ein hochohmiger Kopfhörer und Draht für die Antenne. Ein altes Radio mit Drehknopf zur Senderwahl ist die naheliegende Fundgrube für den abstimmbaren Kondensator; eine Spule lässt sich aus isoliertem Draht auch selbst wickeln.

Windungszahlen und Kapazitäten nennen wir bewusst nicht. Wir haben keine amtliche oder hochschulische Quelle gefunden, die konkrete Bauwerte für den Nachbau trägt – und ohne Quelle keine Zahl. Das Prinzip reicht zum Anfangen: Spule und Kondensator bilden gemeinsam den Kreis, der auf einen Sender abgestimmt wird. Passt die Abstimmung nicht, verändert man die Spule oder den Kondensator und probiert erneut.

  • Nichts an Steckdose, Netzteil oder Hausinstallation anschließen – ein Detektor braucht keinen Strom, genau das ist sein Sinn.
  • Einen hochohmigen Kopfhörer verwenden; ein niederohmiger bedämpft den Schwingkreis.
  • Mit einer Antenne im Haus beginnen, bevor du über Draht im Freien nachdenkst.
  • Einmal bei Tag und einmal nach Sonnenuntergang über den ganzen Abstimmbereich drehen.
  • Jede Stellung, bei der etwas zu hören ist, mit Uhrzeit notieren.

Tipp Ein Detektor ist ein gutes Projekt mit Kindern: Er zeigt, dass eine Funkwelle Energie transportiert – und dass Radio auch ohne Steckdose funktioniert, solange jemand sendet.

Antenne und Gewitter: Gefahr und Zuständigkeit

Weil ein Detektor nichts verstärkt, wird er mit mehr Antenne lauter. Das verleitet dazu, einen langen Draht nach draußen zu spannen. Damit holst du dir aber eine Leitung ins Haus, die bei Gewitter gefährlich werden kann.

Der VDE-Ausschuss Blitzschutz rät: Wer kein Blitzschutzsystem im Gebäude hat, sollte bei Gewitter Kontakt zu allen metallenen Leitungen vermeiden, die von außen ins Haus führen – ausdrücklich auch zum Antennenkabel. Ohne Blitzschutzsystem sucht sich der Blitz alle möglichen Wege in die Erde und nutzt dabei bevorzugt metallene Leitungen und Rohre.

Für fest installierte Antennen gibt es verbindliche Regeln. Wenn durch einen Blitzeinschlag in Antennen Gebäude oder Personen geschädigt werden können, müssen nach dem VDE Schutzmaßnahmen nach der Norm VDE 0855 getroffen werden; auf Gebäuden mit Blitzschutzsystem sind Antennen in dieses System einzubeziehen. Das ist keine Bastelarbeit, sondern Aufgabe einer Fachkraft für Blitzschutz.

Achtung Gefahr: Ein Draht, der von außen ins Haus führt, kann bei Gewitter Blitzströme hereinleiten. Zieht ein Gewitter auf, nimm den Kopfhörer ab und fass Antenne und Schaltung nicht mehr an. Laut VDE ist ein Gewitter typischerweise bis etwa 10 km Entfernung gefährlich, und die Gefahr ist erst vorbei, wenn eine halbe Stunde lang kein Donner mehr zu hören war. Zuständig: Eine dauerhafte Außenantenne braucht Schutzmaßnahmen nach VDE 0855 – plane sie mit einer Fachkraft für Blitzschutz, nicht allein.

Warum das Wissen ohne Nachschub trägt

Ein Detektorempfänger braucht keine Batterie, kein Ladegerät und keine Ersatzteile, die jemand nachliefern muss. Die Energie bringt die Funkwelle mit. Deshalb gehört er in diese Reihe über Wissen, das auch dann noch trägt, wenn Versorgung dauerhaft ausfällt.

Ehrlich bleibt aber: Er braucht einen Sender. Ohne kräftigen AM-Sender in Reichweite bleibt der Kopfhörer stumm, und daran ändert keine noch so gute Spule etwas. Sein Wert liegt heute vor allem im Verständnis. Wer einmal gesehen hat, wie Schwingkreis, Gleichrichtung und Kopfhörer zusammenspielen, versteht einen Grundbaustein der Funktechnik – und kann ihn mit dem nachbauen, was gerade da ist.

Für den Alltag heißt das: Bau ihn als Übung, schreib auf, was funktioniert hat, und leg die Notizen zu deinen Vorsorgeunterlagen. Das netzunabhängige Radio im Notfallvorrat ersetzt er nicht.

Häufige Fragen

Braucht ein Detektorradio wirklich keinen Strom?

Nein. Er bezieht seine Energie direkt aus dem empfangenen Signal. Genau deshalb ist er leise und empfängt praktisch nur starke Sender.

Kann ich damit UKW oder DAB+ hören?

Nein. Der UKW-Rundfunk zwischen 87 und 108 MHz nutzt Frequenzmodulation, und die kann eine Diode allein nicht hörbar machen. Ein Detektor funktioniert nur mit amplitudenmodulierten Sendern.

Welche Sender höre ich damit in Deutschland?

Die öffentlich-rechtlichen jedenfalls nicht mehr: Deutschlandradio hat Langwelle Ende 2014 und Mittelwelle Ende 2015 eingestellt, die ARD ihre letzten Mittelwellensender Ende 2015. Ob bei dir ein anderer AM-Sender stark genug ankommt, zeigt nur ein Versuch.

Darf ich einen langen Draht im Garten als Antenne spannen?

Bedenke vor allem die Blitzgefahr: Der VDE rät, bei Gewitter Leitungen zu meiden, die von außen ins Haus führen. Eine fest installierte Außenantenne braucht Schutzmaßnahmen nach VDE 0855 – das gehört in die Hand einer Fachkraft.

Quellen

  1. Detektorempfänger (Lernplattform 50Ω, Klasse E/A)Deutscher Amateur-Radio-Club (DARC) · Aufbau aus Schwingkreis, Diode und hochohmigem Kopfhörer, Kopfhörer als Tiefpass, Energie aus dem Signal, starke Sender im Nahbereich, nur eingeschränkt Fernempfang
  2. Analoge Modulationsverfahren und Rundfunktechnik (Begleitmaterial, PDF)Prof. C. Roppel, Hochschule Schmalkalden · AM wegen einfacher Hüllkurvenempfänger gewählt, Detektorempfänger für starke AM-Sender, AM-Frequenzbereiche von Lang-, Mittel- und Kurzwelle, UKW mit Frequenzmodulation, FM-Demodulation über Diskriminator
  3. Ionosphäre II (Lernplattform 50Ω, Klasse E)Deutscher Amateur-Radio-Club (DARC) · Dämpfung durch die D-Region tagsüber, Lang- und Mittelwelle tagsüber weitgehend leer, Auflösung der D-Region nach Sonnenuntergang
  4. 20. Bericht der KEF (2016, PDF)Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) · Deutschlandradio: Langwelle Ende 2014 aufgegeben, Mittelwelle Ende 2015 eingestellt; ARD: letzte Mittelwellensender Ende 2015; Begründung (Tz. 510, S. 279; S. 189)
  5. Empfehlungen zum richtigen Verhalten bei Gewitter bestätigtVDE Ausschuss Blitzschutz und Blitzforschung (VDE ABB) · Kontakt zu metallenen Leitungen von außen einschließlich Antennenkabel meiden, Blitz nutzt metallene Leitungen, 10 km Gefahrenbereich, 30 Minuten nach dem letzten Donner
  6. Blitzschutz und Erdung von AntennenVDE Ausschuss Blitzschutz und Blitzforschung (VDE ABB) · Schutzmaßnahmen nach VDE 0855, Einbeziehung in vorhandene Blitzschutzsysteme, Merkblätter für Blitzschutz-Fachkräfte