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Haushalt & Familie

Seife sieden: aus Fett und Lauge wird Seife

Wie Verseifung funktioniert, wie du die Laugenmenge berechnest und Seife im Kaltverfahren herstellst – und warum Natronlauge Respekt verlangt.

7 Min. LesezeitFür FortgeschritteneStand: 26. September 2026
Hunderte gestapelte grüne Seifenstücke trocknen in hohen, luftigen Stapeln an einer Steinwand.
Frische Seife muss mehrere Wochen an einem luftigen Ort reifen.Foto: Bernard Gagnon · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Seife ist eines der ältesten Hygienemittel überhaupt: Fett und eine starke Lauge reagieren miteinander, und heraus kommen Seife und Glycerin. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ erklärt, was dabei chemisch passiert, wie du die nötige Laugenmenge aus Verseifungszahlen berechnest und wie Seife im Kaltverfahren entsteht und reift. Weil Natronlauge Haut und Augen verätzen kann, steht die Sicherheit an erster Stelle.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fett und Lauge ergeben Seife und Glycerin. Natronlauge macht feste Seife, Kalilauge weiche Schmierseife.
  • Die Laugenmenge folgt aus der Verseifungszahl jedes Fetts – etwas weniger Lauge als nötig macht die Seife milder.
  • Natriumhydroxid immer ins Wasser geben, nie umgekehrt: Die Lösung wird sehr heiß.
  • Schutzbrille und Handschuhe sind Pflicht. Lauge im Auge: sofort mindestens 10 Minuten spülen, dann zum Augenarzt.
  • Frische Seife ist zu basisch. Sie reift mehrere Wochen; der pH-Wert lässt sich mit pH-Papier prüfen.

Zuerst: wofür dieses Wissen gedacht ist

Seife gibt es heute in jedem Laden, und das wird aller Voraussicht nach auch so bleiben. Dieser Artikel konserviert das Handwerk für den Fall, dass das einmal nicht mehr gilt. Er beschreibt den Umgang mit einem stark ätzenden Stoff und setzt deshalb Sorgfalt voraus.

Achtung Notfall- und Zivilisationswissen: Dieser Artikel beschreibt Wissen für eine Lage, in der Versorgung, Ärzte, Behörden und Fachbetriebe dauerhaft nicht erreichbar sind. Solange sie erreichbar sind, gehen sie vor. Der Artikel ersetzt keine Ausbildung, keine ärztliche Behandlung und keine Genehmigung.

Was bei der Verseifung passiert

Fette sind chemisch Ester: Verbindungen aus langkettigen Fettsäuren und Glycerin. Das beschreibt eine Unterrichtshandreichung auf dem Landesbildungsserver Baden-Württemberg. Gibt man eine starke Lauge dazu, etwa eine wässrige Lösung von Natriumhydroxid, wird das Fett gespalten – in Glycerin und die Natriumsalze der Fettsäuren. Diese Salze sind die Seife.

Welche Lauge du nimmst, bestimmt die Art der Seife. Mit Natriumhydroxid entstehen nach derselben Quelle die härteren Kernseifen, mit Kaliumhydroxid die weichen Kaliseifen, also Schmierseifen. Auch die Fette zählen: Feste Fette ergeben härtere Seifen, stark ungesättigte Öle weichere.

Das Glycerin bleibt beim Sieden im Haushalt in der Seife. Es gilt als hautfreundlich und hält Feuchtigkeit, weshalb es auch in vielen Handcremes steckt. Die ersten seifenartigen Reinigungsmittel stellten Sumerer und Ägypter laut der Handreichung schon um 2500 vor Christus aus Fetten und Pottasche her.

Schema: Fett plus Natronlauge ergibt Seife und Glycerin. Darunter: Natronlauge ergibt feste Kernseife, Kalilauge weiche Schmierseife. Keine Mengenangaben.
Fett und Lauge ergeben Seife und Glycerin – mit Natronlauge feste, mit Kalilauge weiche Seife.Skizze: WildWeasel

Die Laugenmenge berechnen

Jedes Fett braucht eine bestimmte Menge Natriumhydroxid, um vollständig zu verseifen. Diese Zahl heißt Verseifungszahl. Das Gro Harlem Brundtland Labor der Universität Bremen gibt sie in Gramm Natriumhydroxid je Gramm Fett an. Du multiplizierst die Menge jedes Fetts mit seiner Verseifungszahl und zählst die Ergebnisse zusammen.

Das Bremer Beispiel rechnet mit 250 g Fett: 112,5 g Olivenöl brauchen 15,13 g Natriumhydroxid, 62,5 g Rapsöl 8,462 g, 5 g Rizinusöl 0,643 g und 70 g Kokosöl 12,81 g. Zusammen sind das 37,045 g. Mit dieser vollen Menge wäre die Seife laut Labor zu scharf und nicht nutzbar.

Deshalb setzt man weniger Lauge ein, als das Fett verbrauchen könnte. Dieser Laugenunterschuss, oft auch Überfettung genannt, lässt einen Teil des Fetts unverseift. Bei 10 Prozent multiplizierst du mit 0,9 und kommst im Beispiel auf 33,34 g Natriumhydroxid. Für Körperseifen nennt das Labor 10 bis 25 Prozent: je weniger Lauge, desto sanfter die Seife. Das Wasser zum Lösen der Lauge macht im Beispiel 33 Prozent der Fettmenge aus, also 82,5 g.

Verseifungszahlen nach Universität Bremen (g Natriumhydroxid je g Fett)
Fett oder ÖlVerseifungszahl
Kokosöl0,183
Palmöl0,1405
Kakaobutter0,138
Mandelöl0,1365
Erdnussöl0,1355
Rapsöl0,1354
Olivenöl0,1345
Rizinusöl0,1286
Sheabutter0,1282

Das Kaltverfahren Schritt für Schritt

Beim Kaltverfahren wird die Verseifung nicht durch zusätzliches Heizen beschleunigt; die Masse erwärmt sich nach der Handreichung aus Baden-Württemberg selbst auf bis zu 80 Grad Celsius. Der Ablauf unten folgt der Bremer Anleitung, ergänzt um die Hinweise der Handreichung. Wiege Natriumhydroxid lieber etwas knapp ab, Fett lieber etwas reichlich – so rät es das Bremer Labor, weil zu viel Lauge die Seife scharf macht.

Für das Gerät gilt: Natriumhydroxid greift Aluminium und Zink an, und Behälter aus PVC oder Polyethylen können beim Lösen durch die Wärme schmelzen. Das steht im Gefahrstoffdatenblatt der Berufsgenossenschaften (GisChem). Nimm hitzefestes Glas oder Edelstahl und einen Stabmixer ohne Aluminiumklinge.

  • Schutzbrille und Handschuhe anziehen, für gute Lüftung sorgen, Kinder und Tiere fernhalten.
  • Das abgewogene Wasser vorlegen und das Natriumhydroxid stückchenweise hineingeben, mit einem Glasstab lösen und abkühlen lassen. Die Lösung wird sehr heiß.
  • Feste Fette schmelzen, vom Herd nehmen und mit den flüssigen Ölen mischen.
  • Warten, bis Fett und Lauge handwarm sind – Bremen nennt 30 bis 40 Grad, Baden-Württemberg 30 bis 50 Grad Celsius.
  • Die Lauge durch ein kleines Sieb zum Fett gießen und umrühren.
  • Abwechselnd mit dem Stabmixer pürieren und von Hand rühren, bis die Masse wie flüssiger Pudding andickt.
  • In Formen füllen, abdecken und warm eingepackt ruhen lassen: Laut Handreichung läuft der größte Teil der Verseifung in den folgenden 24 bis 48 Stunden ab.
  • Nach einem bis drei Tagen aus der Form nehmen und in Stücke schneiden.

Reifen lassen und den pH-Wert prüfen

Frisch geschnittene Seife ist noch nicht fertig. Die Handreichung aus Baden-Württemberg nennt für junge Seife einen pH-Wert zwischen 11 und 12, was empfindliche Haut stark reizen kann. Nach wenigen Tagen sinkt er auf etwa 9 bis 10, den Wert handelsüblicher Seifen. Zum Trocknen gibt die Handreichung mindestens sechs Wochen an, das Bremer Labor vier bis sechs Wochen. Seifen mit viel flüssigem Öl brauchen länger, bis sie fest sind.

Lagere die Stücke an einem luftigen Ort, damit sie gleichmäßig trocknen. Für fertige Naturseifen nennt das Bremer Labor einen pH-Wert zwischen 8 und 9,5, zu prüfen mit pH-Papier: ein Streifen an die angefeuchtete Seife, dann die Farbe mit der Skala vergleichen. Manche Anleitungen nennen stattdessen einen Zungentest. Wegen möglicher Laugenreste ist pH-Papier die sicherere Wahl.

Schmierseife und Lauge aus Asche

Schmierseife entsteht mit Kaliumhydroxid statt Natriumhydroxid. Das GisChem-Datenblatt nennt die Seifenindustrie mit Schmier- und Rasierseifen als typische Verwendung. Die Bremer Verseifungszahlen gelten nur für Natriumhydroxid; für Kaliumhydroxid brauchst du eigene Werte aus der Fachliteratur. Kaliumhydroxid ist genauso ätzend und außerdem gesundheitsschädlich beim Verschlucken. Auch hier gilt: erst das Wasser, dann die Lauge.

Historisch kam die Lauge aus Holzasche. Die ältesten seifenartigen Mittel wurden laut der Handreichung mit Pottasche hergestellt, also Kaliumcarbonat. Wie stark eine selbst gewonnene Aschenlauge ist, lässt sich ohne Labor nicht genau bestimmen, deshalb nennt dieser Artikel dafür keine Mengen. Wie Pottasche aus Holzasche entsteht, ist ein eigenes Thema und hier bewusst nicht beschrieben.

Gefahren, Rechtslage, Zuständigkeit

Natriumhydroxid ist nach dem GisChem-Datenblatt ein Gefahrstoff mit dem Signalwort „Gefahr“: Es verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden, Verätzungen am Auge können zum Verlust der Sehfähigkeit führen. Beim Lösen in Wasser wird viel Wärme frei. Das Datenblatt verlangt als Augenschutz eine Korbbrille und Handschuhe, etwa aus Nitril.

Verschüttetes Natriumhydroxid nimmst du trocken auf, Reste spülst du mit viel Wasser nach. Lagere es dicht verschlossen und trocken, denn es zieht Feuchtigkeit und Kohlendioxid aus der Luft. Bewahre es klar beschriftet und für Kinder unerreichbar auf.

Achtung Rechtslage heute: Seife ist ein kosmetisches Mittel nach der EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009. Wer sie in Verkehr bringt, braucht nach dem Merkblatt des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Karlsruhe unter anderem eine Sicherheitsbewertung, eine elektronische Meldung an die EU-Kommission und eine vollständige Kennzeichnung. Gefahr: Natronlauge verätzt Haut und Augen. Gib immer zuerst das Wasser vor und dann das Natriumhydroxid, nie umgekehrt, denn die Lösung erhitzt sich stark. Nach Augenkontakt sofort mindestens 10 Minuten bei geöffneten Lidern mit Wasser spülen. Bei Hautkontakt verunreinigte Kleidung sofort ausziehen und die Haut mit viel Wasser spülen. Zuständig: Bei einer schweren Verätzung 112 anrufen, nach Augenkontakt immer zum Augenarzt. Rat gibt der Giftnotruf deines Bundeslands, für den Verkauf die zuständige Überwachungsbehörde deines Landes.

Wofür du die Seife verwendest

Gut gereifte Kernseife taugt zum Händewaschen und für die Wäsche. Wie du mit wenig Wasser Körper und Kleidung sauber hältst, steht im Artikel „Waschen und Wäsche mit wenig Wasser“. Wann Händewaschen reicht und wann du Wasser oder Gegenstände abkochen oder desinfizieren solltest, erklärt der Artikel „Keime abkochen, desinfizieren, sterilisieren“.

Das CVUA Karlsruhe hält Haushaltsküchen für die gewerbliche Seifenherstellung für ungeeignet, weil dort viele verschiedene Arbeiten nebeneinander laufen. Auch für den Eigenbedarf ist ein eigener Arbeitsplatz mit eigenen Geräten sinnvoll: Was einmal mit Lauge in Berührung kam, gehört nicht mehr in die Küche zurück.

Häufige Fragen

Kann ich Seife ohne Natronlauge herstellen?

Seife entsteht immer aus Fett und einer starken Lauge. Mit Kalilauge wird sie weich wie Schmierseife, mit Natronlauge fest. Ohne Lauge findet keine Verseifung statt.

Warum nimmt man weniger Lauge, als das Fett verbrauchen würde?

Mit der vollen Laugenmenge wird die Seife laut Universität Bremen zu scharf. Ein Laugenunterschuss von 10 bis 25 Prozent lässt etwas Fett unverseift und macht sie milder.

Wie lange muss selbst gemachte Seife reifen?

Das Bremer Labor nennt vier bis sechs Wochen, die Handreichung aus Baden-Württemberg mindestens sechs Wochen. Seifen mit viel flüssigem Öl brauchen länger.

Darf ich meine Seife verkaufen?

Nur mit Sicherheitsbewertung, Meldung an die EU-Kommission und vollständiger Kennzeichnung nach der EU-Kosmetikverordnung. Fragen beantwortet die Überwachungsbehörde deines Bundeslands.

Was tue ich, wenn Lauge ins Auge spritzt?

Sofort mindestens 10 Minuten bei geöffneten Lidern mit Wasser spülen, dann zum Augenarzt. Bei schwerer Verätzung 112 anrufen.

Quellen

  1. Seife: Herstellung einer Körperseife im Kaltverfahren (PDF)Universität Bremen, Gro Harlem Brundtland Labor · Verseifungszahlen, Beispielrechnung, Laugenunterschuss 10–25 Prozent, Wassermenge, Ablauf, Ruhezeit, Reifezeit 4–6 Wochen, pH 8–9,5
  2. Seifensieden nach Kaltverfahren (Tanja Kolly, Kantonsschule Baden)Landesbildungsserver Baden-Württemberg, Lehrerfortbildung · Verseifung, Kern- und Schmierseife, Temperaturen, 24–48 Stunden, Gelphase, pH-Verlauf, Trockenzeit; Versuchsteil im verlinkten PDF
  3. Datenblatt Natriumhydroxid, Branche Labor (PDF)GisChem – BG RCI und BGHM (Berufsgenossenschaften) · Einstufung H314, Wasser zuerst, Werkstoffe, Schutzausrüstung, Erste Hilfe, Lagerung
  4. Datenblatt Kaliumhydroxid, Branche Labor (PDF)GisChem – BG RCI und BGHM (Berufsgenossenschaften) · Einstufung H302 und H314, Verwendung für Schmierseifen, Wasser zuerst
  5. Häufig gestellte Fragen zur Seifenherstellung (Merkblatt, Stand März 2020)Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Karlsruhe · EU-Kosmetikverordnung, Meldung, Sicherheitsbewertung, Kennzeichnung, Eignung von Küchen
  6. Giftinformationszentren in DeutschlandBundesinstitut für Risikobewertung (BfR) · Verzeichnis der Giftnotrufe der Länder