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Haushalt & Familie

Pottasche und Soda: Lauge aus Holzasche und Pflanzen

Wie aus Holzasche Pottasche wird: auslaugen, filtrieren, eindampfen. Dazu Soda aus Salzpflanzen, Verwendung und warum Aschenlauge Respekt verlangt.

7 Min. LesezeitFür FortgeschritteneStand: 26. September 2026

Pottasche war über Jahrhunderte ein Grundstoff für Seife, Glas und Backwerk – gewonnen aus nichts anderem als Holzasche und Wasser. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ erklärt, was Pottasche chemisch ist, wie du sie aus Asche auslaugst und eindampfst, wie Soda aus Salzpflanzen entstand und wofür beides taugt. Weil Aschenlauge stark alkalisch ist und Haut und Augen reizt, gehört die Sicherheit von Anfang an dazu.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pottasche ist Kaliumcarbonat. Man gewinnt sie, indem man Holzasche mit Wasser auslaugt, filtriert und eindampft.
  • Die Ausbeute ist klein: Im Laborversuch blieben von rund 250 g Buchenasche etwa 30 g Salz übrig.
  • Nur Asche aus unbehandeltem Holz verwenden. Asche aus Kohle, Lack- oder Altholz gehört in den Restmüll.
  • Aschenlauge ist stark alkalisch: Schutzbrille tragen, Spritzer im Auge mindestens 10 Minuten spülen.
  • Soda kam früher aus der Asche von See- und Strandpflanzen, Pottasche aus der Asche von Landpflanzen.

Zuerst: wofür dieses Wissen gedacht ist

Pottasche und Soda bekommst du heute in Apotheke, Drogerie oder Backabteilung, gereinigt und mit bekanntem Gehalt. Dieser Artikel bewahrt das alte Verfahren für den Fall, dass das einmal nicht mehr gilt. Er beschreibt den Umgang mit einer stark alkalischen Lösung und setzt deshalb Sorgfalt voraus.

Achtung Notfall- und Zivilisationswissen: Dieser Artikel beschreibt Wissen für eine Lage, in der Versorgung, Ärzte, Behörden und Fachbetriebe dauerhaft nicht erreichbar sind. Solange sie erreichbar sind, gehen sie vor. Der Artikel ersetzt keine Ausbildung, keine ärztliche Behandlung und keine Genehmigung.

Was Pottasche ist – und woher der Name kommt

Pottasche ist chemisch Kaliumcarbonat, das Kaliumsalz der Kohlensäure. Das Bundeszentrum für Ernährung erklärt auch den Namen: Früher wurde der Stoff durch Eindampfen von Holzasche und Wasser in Töpfen, den „Pötten“, gewonnen. Streng genommen ist Pottasche also keine Asche, sondern ein Salz, das in der Asche steckt und sich mit Wasser herauslösen lässt.

Kaliumcarbonat löst sich sehr gut in Wasser: Das Sicherheitsdatenblatt des Chemikalienhändlers Carl Roth nennt 1.120 g je Liter bei 20 Grad Celsius. Die Lösung reagiert alkalisch, das Datenblatt gibt einen pH-Wert von 11,6 an. Der feste Stoff zieht Feuchtigkeit aus der Luft, er ist hygroskopisch.

Mit Säure reagiert Pottasche unter Aufschäumen, denn dabei entweicht Kohlendioxid. Genau das macht sie zum Backtriebmittel. Ein Unterrichtsversuch des Sächsischen Bildungsservers nutzt dieselbe Reaktion als Nachweis: Gibt man Salzsäure auf Holzasche, entsteht ein Gas, das Kalkwasser weiß trübt.

Die richtige Asche wählen

Holz enthält von Natur aus Schwermetalle. Das Umweltbundesamt rät deshalb davon ab, Kaminasche in Garten oder Kompost zu geben, weil sich sonst Schwermetalle und Schadstoffe aus der Verbrennung wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe im Boden anreichern. Für die Lauge gilt dieselbe Vorsicht.

Nimm deshalb nur Asche aus trockenem, unbehandeltem Holz, das vollständig verbrannt ist. Asche aus Kohle, Briketts, lackiertem, imprägniertem oder verleimtem Holz verwendest du nicht. Historisch galt Buchenholz als Rohstoff der Wahl: Nach dem Historischen Museum Hellental gewannen die Pottaschesieder ihre Ware vor allem aus Buchenstammholz, kauften aber auch Asche aus den Herdfeuern ländlicher Haushalte.

Aschenlauge herstellen: auslaugen, filtrieren, eindampfen

Das Verfahren hat sich seit Jahrhunderten kaum verändert. Das Historische Museum Hellental beschreibt die Schritte der alten Pottaschesiederei: rohe Buchenasche in Bottichen einsumpfen und mit Wasser auswaschen, die Lauge in großen Pfannen, Töpfen oder Kesseln eindampfen und den Rückstand ausglühen, um das Kaliumcarbonat anzureichern. Der Unterrichtsversuch aus Sachsen bildet dasselbe im Kleinen nach und liefert handliche Mengen; er arbeitet mit destilliertem Wasser.

Rechne mit einer kleinen Ausbeute. In einer Laboruntersuchung, die das Museum zitiert, blieben von 250,10 g Buchenasche nach Auslaugen und Eindampfen 30,03 g Salzrückstände übrig, also etwa 12 Prozent. Für größere Mengen brauchst du entsprechend viel Asche.

  • Schutzbrille und Handschuhe anziehen, draußen oder gut gelüftet arbeiten, Kinder und Tiere fernhalten.
  • Etwa 100 g kalte, gesiebte Holzasche in 500 ml möglichst reinem Wasser aufschlämmen, umrühren und über Nacht stehen lassen – so die Mengen im sächsischen Versuch.
  • Die klare Lauge vorsichtig abgießen und durch ein Tuch oder Papierfilter filtrieren, bis sie keine Schwebteilchen mehr enthält.
  • Das Filtrat in einem Topf aus Edelstahl oder Emaille oder in einer Porzellanschale langsam eindampfen oder in einer flachen Schale an der Luft eindunsten lassen.
  • Gegen Ende nur noch schwach heizen und ständig beobachten: Die eingedickte Lösung kann spritzen.
  • Den weißlichen bis grauen Rückstand abkühlen lassen, in ein dicht schließendes, beschriftetes Glas füllen und trocken lagern.

Die Stärke der Lauge grob prüfen

Im sächsischen Versuch lag der pH-Wert einer Holzasche-Lösung zwischen 11 und 12. Mit pH-Papier erkennst du also, ob die Lauge überhaupt alkalisch ist. Über die Menge an gelöstem Salz sagt der pH-Wert aber wenig, weil schon eine schwache Kaliumcarbonat-Lösung stark alkalisch reagiert.

Verlässlicher ist ein einfacher Vergleich: Dampfe einen abgemessenen Teil der Lauge, etwa 100 ml, vollständig ein und wiege den Rückstand. So weißt du, wie viel Salz in einem Liter steckt, und kannst Ansätze untereinander vergleichen. In Anleitungen liest man oft von einer Schwimmprobe mit Ei oder Kartoffel. Für sie gibt es in den hier genutzten Quellen keinen Beleg, deshalb nennt dieser Artikel dafür keine Werte.

Dass die gewonnene Pottasche wirklich Kalium enthält, zeigt im sächsischen Versuch die Flammenfärbung: Ein Stäbchen mit etwas Lösung färbt die Flamme violett.

Wofür Pottasche und Soda taugen

Seife: Wie der Artikel „Seife sieden“ beschreibt, wurden die ältesten seifenartigen Reinigungsmittel mit Pottasche hergestellt, und Kaliumverbindungen ergeben weiche Schmierseifen. Weil die Stärke selbst gewonnener Pottasche schwankt, nennt dieser Artikel dafür bewusst keine Rezeptmengen.

Backen: Nach dem Bundeszentrum für Ernährung ist Pottasche ein Backtriebmittel für Leb- und Pfefferkuchen und andere flache Weihnachtsgebäcke mit schweren Teigen. Wird sie mit Hirschhornsalz kombiniert, löst man beide getrennt und gibt sie dann in den Teig. Selbst gewonnene Pottasche aus Asche ist allerdings nicht gereinigt und kann je nach Holz unerwünschte Stoffe enthalten. Für Lebensmittel nimmst du nur gekaufte Pottasche in Lebensmittelqualität.

Glas: Pottasche war ein wichtiges Flussmittel der Waldglashütten. Das Museum Hellental nennt für die Glashütte Altmünden eine eigene Pottaschenerzeugung ab 1680. Der Holzverbrauch war gewaltig: Für 1 kg Glas wurden etwa 200 bis 250 kg Buchenholz benötigt. Wie Glas entsteht, ist Thema eines eigenen Kaltstart-Artikels.

Soda aus Salzpflanzen

Soda ist Natriumcarbonat, der nahe Verwandte der Pottasche. Eine Handreichung der Chemiedidaktik der Universität Bayreuth erklärt, dass schon das arabische Wort „al kalja“, von dem „Alkali“ abstammt, die Asche von See- und Strandpflanzen meinte, die beim Auslaugen Soda liefert. Die Asche von Landpflanzen liefert beim Auslaugen dagegen Pottasche. Unterschieden wurden beide Stoffe nach derselben Quelle erst 1796 durch M. H. Klaproth.

Das Verfahren ist dasselbe wie bei Holzasche: Pflanzen verbrennen, Asche auslaugen, filtrieren, eindampfen. Entscheidend ist die Pflanze – salzliebende Arten von Küsten und Salzstellen liefern Soda, Buche und andere Landpflanzen Pottasche. Im Binnenland bleibt Holzasche deshalb die naheliegende Quelle.

Gefahren, Rechtslage, Zuständigkeit

Kaliumcarbonat trägt nach dem Sicherheitsdatenblatt von Carl Roth das Signalwort „Achtung“: Es verursacht Hautreizungen und schwere Augenreizung und kann die Atemwege reizen. Das Datenblatt verlangt Schutzhandschuhe und Augenschutz. Mit Säuren reagiert es heftig.

Beim Eindampfen kommt die Hitze dazu. Kochende, eingedickte Lauge verbrüht und reizt zugleich, wenn sie spritzt. Arbeite deshalb mit Abstand, mit einem Topf mit Stiel und nie über Kopfhöhe. Die ausgelaugte Asche und Reste gehören nach dem Umweltbundesamt, abgekühlt, in die Restmülltonne.

Achtung Rechtslage heute: Das Umweltbundesamt rät, im Ofen nur geeignetes, trockenes und unbehandeltes Holz zu verbrennen; welche Brennstoffe zulässig sind, regelt die Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen (1. BImSchV). Abgekühlte Asche gehört in die Restmülltonne, nicht in Garten oder Kompost. Asche aus Kohle oder behandeltem Holz ist Abfall und kein Rohstoff für Lauge. Gefahr: Aschenlauge ist stark alkalisch und reizt Haut und Augen stark, heiße Lauge verbrüht zusätzlich. Nach Augenkontakt die Lider offen halten und mindestens 10 Minuten mit sauberem, fließendem Wasser spülen, dann zum Augenarzt. Bei Hautkontakt verschmutzte Kleidung ausziehen und die Haut mit Wasser abwaschen. Zuständig: Bei schweren Verletzungen 112 anrufen. Rat nach Verschlucken oder Augenkontakt gibt der Giftnotruf deines Bundeslands.

Häufige Fragen

Ist Pottasche dasselbe wie Asche?

Nein. Pottasche ist Kaliumcarbonat, ein Salz, das in Holzasche steckt. Man löst es mit Wasser heraus und dampft die Lösung ein.

Wie viel Pottasche bekomme ich aus Asche?

Wenig. In einer Laboruntersuchung blieben von 250,10 g Buchenasche 30,03 g Salzrückstände, also etwa 12 Prozent.

Kann ich Asche aus dem Kaminofen nehmen?

Nur wenn dort ausschließlich trockenes, unbehandeltes Holz verbrannt wurde. Asche aus Kohle, Briketts oder behandeltem Holz ist ungeeignet und gehört in den Restmüll.

Darf ich selbst gewonnene Pottasche zum Backen nehmen?

Besser nicht. Sie ist nicht gereinigt und kann je nach Holz unerwünschte Stoffe enthalten. Für Lebkuchen nimm gekaufte Pottasche in Lebensmittelqualität.

Was tue ich, wenn Lauge ins Auge spritzt?

Lider offen halten und mindestens 10 Minuten mit sauberem, fließendem Wasser spülen, dann zum Augenarzt. Bei schweren Verletzungen 112 anrufen.

Quellen

  1. Pottasche │ „bott aschen“ (Klaus A. E. Weber)Historisches Museum Hellental · Verfahren der Pottaschesiederei, Buchenasche, Ausbeute 250,10 g → 30,03 g, Holzverbrauch, Glashütte Altmünden ab 1680
  2. Seminar „Übungen im Vortragen – AC“: Vergleichende Chemie der Alkalimetalle (PDF)Universität Bayreuth, Didaktik der Chemie · „al kalja“: Soda aus der Asche von See- und Strandpflanzen, Pottasche aus Landpflanzen, Unterscheidung 1796 durch Klaproth
  3. Experiment: Untersuchung von Holzasche (St. Schäfer, PDF)Sächsischer Bildungsserver (Schule in Sachsen) · 100 g Asche in 500 ml Wasser, über Nacht, filtrieren, eindampfen; pH 11–12; Carbonat- und Kaliumnachweis
  4. Sicherheitsdatenblatt Kaliumcarbonat ≥99 %, Ph. Eur. (PDF)Carl Roth GmbH + Co. KG (Chemikalienhändler) · Einstufung H315/H319/H335, Erste Hilfe, pH 11,6, Löslichkeit 1.120 g/l, hygroskopisch, heftige Reaktion mit Säuren
  5. Kaminofen: Auf Effizienz achten und Alternativen prüfenUmweltbundesamt · Nur unbehandeltes Holz, Asche in die Restmülltonne, nicht in Garten und Kompost (Schwermetalle, PAK), Verweis auf 1. BImSchV
  6. Was machen eigentlich Natron, Backpulver, Hirschhornsalz und Co.?Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) · Pottasche = Kaliumcarbonat, Herkunft des Namens, Backtriebmittel für Leb- und Pfefferkuchen