Ein Magnet, eine Feile und ein aufmerksamer Blick verraten viel über ein Stück Metall. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ zeigt, wie du Metalle unterscheidest und Schrott sortierst, und erklärt nach archäologischen Quellen, wie Menschen früher im Rennofen Eisen aus Erz gewonnen haben. Er sagt auch, wo Gefahr droht: bei Kohlenmonoxid, Hitze und giftigen Dämpfen aus beschichtetem Metall – und bei allem, was dir nicht gehört.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Magnet trennt Eisen und Stahl von Kupfer, Messing, Aluminium und Blei – aber nicht jeden Edelstahl.
- Verzinktes, verbleites oder mit Mennige gestrichenes Metall nicht erhitzen: Die Dämpfe machen krank.
- Metall aus fremden Containern, Baustellen oder Häusern mitzunehmen, ist Diebstahl.
- Im Rennofen schmolz das Eisen nicht: Es blieb ein eisenhaltiger Klumpen mit Schlacke zurück, die Luppe.
- Eine Ofenreise brauchte viel Holzkohle, mehrere Tage und ein Dutzend Menschen – Wissen, kein Wochenendprojekt.
Zuerst eingeordnet: Wissen für den Ernstfall
Metall kaufst du heute im Handel, Altmetall gibst du beim Wertstoffhof oder Schrotthändler ab, und Eisen erzeugen Stahlwerke. Für eine lange Krise ist es trotzdem wertvoll zu wissen, woran du ein Metall erkennst, was sich aus Schrott gewinnen lässt und wie mühsam es früher war, Eisen überhaupt herzustellen. Genau diese Mühe erklärt, warum vorhandenes Metall so wertvoll ist.
Achtung Notfall- und Zivilisationswissen: Dieser Artikel ist für eine Lage geschrieben, in der Versorgung, Ärzte, Behörden und Fachbetriebe dauerhaft nicht erreichbar sind. Solange sie erreichbar sind, gehen sie vor: Metall kaufst du, Altmetall gibst du an Wertstoffhof oder Schrotthandel, Schmieden lernst du in einem Kurs. Der Artikel ersetzt keine Ausbildung, keine ärztliche Behandlung und keine Genehmigung. Er ist keine Bauanleitung für einen Ofen, und Waffen oder Waffenteile sind nicht sein Thema.
Metalle erkennen: Magnet, Gewicht, Farbe
Der schnellste Test ist ein Magnet. Was kräftig haftet, enthält Eisen: Baustahl, Gusseisen, die meisten Werkzeuge. Kupfer, Messing, Bronze, Aluminium, Zink und Blei haften nicht. Das ist Werkstattwissen, keine Messung – aber es teilt einen Schrotthaufen in Sekunden in zwei Gruppen.
Danach hilft das Gewicht in der Hand. Aluminium ist auffallend leicht; wie man es sortiert und umschmilzt, steht im Artikel Aluminium schmelzen und gießen. Blei ist schwer und so weich, dass ein Messer es leicht ritzt. Eigene Folgerung: Schweres, weiches Metall unbekannter Herkunft behandelst du wie Blei, fasst es nur mit Handschuhen an und erhitzt es nicht.
Die Farbe grenzt weiter ein: Kupfer ist rötlich, Messing gelblich, Bronze bräunlich-golden; alle drei laufen mit der Zeit dunkel oder grünlich an. Ein Feilstrich zeigt die echte Farbe unter Rost, Patina und Lack. Auch das ist Werkstattwissen. Werkstätten unterscheiden Stahlsorten außerdem mit der Funkenprobe am Schleifbock. Sie braucht Vergleichsstücke und viel Übung und wird hier nicht beschrieben, weil die hier genutzten Quellen sie nicht abdecken.
| Probe | Was sie zeigt | Wo sie täuscht |
|---|---|---|
| Magnet | Eisen und die meisten Stähle haften | Austenitischer Edelstahl haftet kaum oder gar nicht |
| Gewicht | Aluminium leicht, Blei schwer | Hohlteile und Verbundteile |
| Farbe und Feilstrich | Kupfer rötlich, Messing gelblich | Lack, Beschichtung, Patina |
Edelstahl und Beschichtungen: die Stolperfallen
Nicht jeder Edelstahl ist unmagnetisch. Nach der Informationsstelle Edelstahl Rostfrei, einer Einrichtung der Branche, sind ferritische nichtrostende Stähle stark magnetisch; ihre magnetischen Eigenschaften ähneln denen von reinem Eisen. Auch martensitische Sorten sind magnetisch. Nur austenitischer Edelstahl ist im lösungsgeglühten Zustand unmagnetisch – durch Kaltverformung kann aber auch er leicht magnetisch werden. Duplexstahl liegt dazwischen.
Eigene Folgerung: Ein blanker, rostfreier Gegenstand, an dem der Magnet nur schwach zieht, kann Edelstahl sein und muss kein Aluminium sein – das Gewicht entscheidet. Eine Spüle, die an den Biegekanten leicht magnetisch ist, kann trotzdem aus austenitischem Edelstahl bestehen.
Wichtiger als die Sorte ist, was auf dem Metall sitzt. Die DGUV Information 209-011 zum Gasschweißen beschreibt: Aus den üblichen Eisenwerkstoffen entstehen Eisenoxidrauche, die nicht giftig sind und beim Einatmen normalerweise nicht zu Gesundheitsstörungen führen. Kritischer wird es, wenn verzinkte, verbleite oder mit bleihaltigen Anstrichstoffen wie Mennige versehene Teile geschweißt, brenngeschnitten oder mit der Flamme gewärmt werden. Zinkoxidrauche können „Zinkfieber“ bewirken, Bleioxidrauche schwere Bleivergiftungen. Nach Werkstatterfahrung erkennst du Verzinktes an der matten, oft fleckig-kristallinen grauen Oberfläche und Mennige am orangeroten Anstrich.
Schrott sortieren – und wem er gehört
Sortiert wird in Haufen, die du später wirklich brauchst: Stahl nach Form und Stärke – Blech, Rundstahl, Federn, Werkzeugstahl aus alten Feilen –, Gusseisen getrennt, weil es spröde ist, dann Kupfer, Messing, Aluminium und Blei je für sich. Beschichtete und unbekannte Teile kommen auf einen eigenen Haufen, der nicht ins Feuer wandert. Auch diese Ordnung ist Werkstattwissen. Was sich aus Altgeräten sonst lohnt, steht im Artikel Bergen und wiederverwenden.
Die harte Grenze ist das Eigentum. Nach § 242 StGB wird bestraft, wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, sie sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen – mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe; schon der Versuch ist strafbar. Eigene Folgerung: Metall im Container eines Wertstoffhofs, auf einer Baustelle, an Bahnanlagen oder in einem verlassenen Haus ist nicht herrenlos, nur weil gerade niemand aufpasst. Fremde Metalle zu bergen, ohne gefragt zu haben, ist Diebstahl.
Auch dein eigener Schrott hat eine rechtliche Seite. Abfall ist nach § 3 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes jeder Stoff oder Gegenstand, dessen sich sein Besitzer entledigt, entledigen will oder entledigen muss. Für Stoffe, die bei einer Herstellung oder Behandlung anfallen, ohne dass das ihr Zweck ist, nimmt das Gesetz den Willen zur Entledigung an. Eigene Folgerung: Schlacke und verbrannte Reste sind damit Abfall; was du nicht mehr brauchst, gibst du über Wertstoffhof oder Schrotthandel ab.
Der Rennofen: wie früher Eisen aus Erz entstand
Bevor es Hochöfen gab, wurde Eisen im Rennofen gewonnen. Nach einem Bericht der Freien Universität Berlin über Grabungen im brandenburgischen Glienick produzierten Bauern im heutigen Brandenburg wahrscheinlich schon im 5. Jahrhundert vor Christus Eisen. Rohstoff war Raseneisenerz: Wo eisenhaltiges Grundwasser im Boden schwankt, entstehen durch Kontakt mit der Bodenluft Eisenhydroxide, die feste Schichten bilden können. In Deutschland wurde Raseneisenerz laut dem Bericht bis ins 19. Jahrhundert in großem Umfang verhüttet.
Das Erz wurde zuerst geröstet, also im Feuer erhitzt, um das Hydratwasser auszutreiben und es mürbe zu machen; danach wurde es zerkleinert. Den Ofen aus Lehm und Steinen beschickte man abwechselnd mit geröstetem Erz und Holzkohle, und Blasebälge bliesen ständig Luft hinein. Holzkohle war nach dem Archäologischen Landschaftspark Nettersheim besser geeignet als frisches oder getrocknetes Holz, weil nur mit ihr die nötigen hohen Temperaturen erreicht wurden. Wie sie entsteht, erklärt der Artikel über den Holzkohle-Meiler.
Entscheidend ist, was im Ofen geschah. Bei Temperaturen zwischen 1.100 und 1.400 Grad Celsius wurden laut dem FU-Bericht die Gesteinsbestandteile des Erzes zu Schlacke verflüssigt – das Eisen selbst schmolz nicht. Seinen Namen hat der Rennofen vom Rennen oder Rinnen dieser flüssigen Schlacke. Zurück blieb die Luppe, ein eisenhaltiger Klumpen mit Schlackenresten. Durch seinen geringen Kohlenstoffanteil war dieses Eisen unmittelbar schmiedbar.
Von der Luppe zum Werkstoff: Gemeinschaftsarbeit
Am Ende der sogenannten Ofenreise wurde der Ofen an der Vorderseite aufgebrochen und die rotglühende Luppe mit einer Zange entnommen. Sie war noch unrein: Nach dem Landschaftspark Nettersheim musste sie mit Schmiedefeuer und Amboss unter großem Kraftaufwand von den Schlackenresten gereinigt werden, bevor daraus Barren oder Halbfertigteile wurden. Schmiede nennen dieses wiederholte Erhitzen und Verdichten Ausheizen. Wie Hitze und Hammer Eisen verändern, erklärt der Artikel Schmieden: was Hitze mit Eisen macht.
Wie aufwendig das war, zeigen die Befunde aus Glienick. Für einen Ofengang mit 19 Kilogramm Luppeneisen wurden etwa 165 Kilogramm Holzkohle benötigt. Die Ofenreise dauerte teils mehrere Tage, der Ofen musste Tag und Nacht befeuert werden, und nach dem Nachbau-Experiment des Forschers setzte das die Zusammenarbeit von 12 bis 15 Menschen pro Ofen voraus. Schon nach 20 bis 30 Minuten am Blasebalg sei man erschöpft, berichtet er.
Eigene Folgerung: Der Rennofen ist Wissen, das erklärt, warum Eisen jahrtausendelang kostbar war – kein Verfahren, mit dem ein einzelner Haushalt Metall gewinnt. Vorhandenen Schrott zu erkennen, zu sortieren und zu schmieden, ist ungleich einfacher. Wer das Verfahren sehen will, findet nachgebaute Rennöfen in archäologischen Parks und Freilichtmuseen.
Gefahren und Rechtslage: Gas, Hitze, Dämpfe
Jedes Feuer braucht Luft. Die DGUV-Information hält für Brenngasflammen fest, dass bei unvollständiger Verbrennung giftiges Kohlenmonoxid entsteht. Im Rennofen verbrannten die Halme am Boden nach dem FU-Bericht wegen Sauerstoffmangels nur langsam. Eigene Folgerung: Ein Holzkohlefeuer, das mit wenig Luft brennt, gehört nur ins Freie – nie in Garage, Keller oder Zelt.
Dazu kommen Hitze, glühendes Metall, flüssige Schlacke und Funken. Wie Gießer sich schützen, warum Wasser in flüssigem Metall zur Explosion führen kann und welche Pflichten das Immissionsschutzrecht für den Rauch kleiner Öfen setzt, steht im Artikel über Aluminiumguss. Beschichtetes gehört nicht ins Feuer: Nach der DGUV muss bei Arbeiten mit offener Flamme an verzinkten, verbleiten oder mit Farben beschichteten Werkstücken persönlicher Atemschutz benutzt werden, wenn die Lüftung nicht ausreicht.
Alte Schlackenhalden, Schürfgruben und Ofenplätze können Bodendenkmäler sein. Eigene Folgerung ohne eigene Quelle: Grab dort nicht, nimm nichts mit und melde Funde der Denkmalbehörde. Graben auf fremdem Grund geht ohnehin nur mit Erlaubnis des Eigentümers.
Achtung Rechtslage heute: Fremdes Metall mitzunehmen ist Diebstahl (§ 242 StGB) – auch aus Containern, von Baustellen oder aus verlassenen Häusern. Reste wie Schlacke gelten als Abfall (§ 3 KrWG); Rauch aus Öfen regelt das Immissionsschutzrecht, Feuer im Freien die Gemeinde. Gefahr: Kohlenmonoxid aus unvollständiger Verbrennung, schwere Verbrennungen durch glühendes Metall und flüssige Schlacke, Zinkfieber durch Dämpfe aus verzinktem Metall, schwere Bleivergiftung durch Bleioxidrauche. Zuständig: für Metall heute Handel und Schrotthandel, für Reste die Abfallberatung deines Kreises, für Rauch das Umweltamt, für Bodenfunde die Denkmalbehörde, zum Lernen ein Schmiedekurs oder ein Museum mit Vorführung. Bei Brand, Vergiftungsverdacht oder schwerer Verbrennung: 112.
Häufige Fragen
Ist rostfreier Stahl immer unmagnetisch?
Nein. Nach der Informationsstelle Edelstahl Rostfrei sind ferritische und martensitische Sorten magnetisch. Nur austenitischer Edelstahl ist im lösungsgeglühten Zustand unmagnetisch – und kann durch Kaltverformung leicht magnetisch werden.
Darf ich Metall aus dem Container am Wertstoffhof nehmen?
Nicht ohne Erlaubnis. Das Metall ist nicht herrenlos, und wer eine fremde bewegliche Sache wegnimmt, um sie sich zuzueignen, macht sich nach § 242 StGB strafbar.
Kann ich verzinkte Teile ins Schmiedefeuer legen?
Besser nicht. Nach der DGUV können Zinkoxidrauche beim Erhitzen verzinkter Teile Zinkfieber auslösen; bei Arbeiten mit offener Flamme daran verlangt sie Atemschutz, wenn die Lüftung nicht reicht.
Warum heißt der Rennofen so?
Nach der Freien Universität Berlin vom Rennen oder Rinnen der flüssigen Schlacke. Das Eisen selbst schmolz im Ofen nicht, sondern blieb als Luppe zurück.
Quellen
- Eisen-Zeiten (fundiert, Wissenschaftsmagazin, 2014)Freie Universität Berlin · Grabung Glienick, Raseneisenerz und seine Entstehung, Rösten, Beschickung mit Erz und Holzkohle, 1.100 bis 1.400 °C, Eisen schmilzt nicht, Name des Rennofens, Luppe, 19 kg Luppeneisen je 165 kg Holzkohle, 12 bis 15 Menschen, Sauerstoffmangel
- Eisenverhüttung in MarcomagusArchäologischer Landschaftspark Nettersheim · Luppe mit Schmiedefeuer und Amboss von Schlacke reinigen; Holzkohle statt Holz für die nötigen Temperaturen; nachgebauter Rennofen
- Sind nichtrostende Stähle immer unmagnetisch?Informationsstelle Edelstahl Rostfrei (Brancheneinrichtung) · Ferritische und martensitische Sorten magnetisch, austenitische lösungsgeglüht unmagnetisch, durch Kaltverformung leicht magnetisch, Duplex dazwischen
- DGUV Information 209-011: Gasschweißen (Oktober 2018)Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) · Eisenoxidrauche nicht giftig; verzinkte, verbleite und mit Mennige gestrichene Teile; Zinkfieber und Bleivergiftung; Atemschutz bei offener Flamme; Kohlenmonoxid bei unvollständiger Verbrennung
- Strafgesetzbuch, § 242 DiebstahlBundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de) · Wegnahme einer fremden beweglichen Sache, Strafrahmen, Versuch strafbar
- Kreislaufwirtschaftsgesetz, § 3 BegriffsbestimmungenBundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de) · Abfallbegriff, vermuteter Entledigungswille bei Stoffen, die ohne Zweck bei Herstellung oder Behandlung anfallen