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Warnung & Information

Krise ohne Deutschkenntnisse: Warnungen verstehen, Hilfe finden

Welche Warnungen und Ratgeber es in anderen Sprachen gibt, wie der Notruf ohne gutes Deutsch klappt und wie Nachbarn beim Übersetzen helfen.

6 Min. LesezeitEinstiegStand: 26. September 2026
Eine elektronische Sirene mit übereinander angeordneten Schalltrichtern auf einem Mast über dem Schuldach in Altenbeken, vor blauem, teils bewölktem Himmel.
Die Sirene braucht keine Sprache: Ihr Ton bedeutet überall in Deutschland dasselbe.Foto: Gerd Fahrenhorst · CC BY 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Warnungen, Durchsagen und Merkblätter sind in Deutschland meist auf Deutsch. Wer die Sprache wenig spricht, versteht im Ernstfall vielleicht nur die Hälfte. Dieser Artikel zeigt, welche amtlichen Angebote es in anderen Sprachen gibt, wie du ohne gutes Deutsch Hilfe rufst und welche Wörter du kennen solltest. Er ist bewusst einfach geschrieben – auch für Angehörige, Nachbarn und Helfer, die ihn weitergeben möchten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Sirene braucht keine Sprache: 1 Minute auf und ab heißt Gefahr, 1 Minute gleicher Ton heißt Entwarnung.
  • Handy-Warnungen per Cell Broadcast kommen laut BBK auf Deutsch und Englisch.
  • Die Warn-App NINA gibt es in sieben Fremdsprachen und in Leichter Sprache.
  • Den BBK-Ratgeber zur Vorsorge gibt es in acht Fremdsprachen, in Leichter Sprache und in Gebärdensprache.
  • Notruf 112 gilt in der ganzen EU. Welche Sprachen die Leitstelle spricht, ist nicht garantiert.

Warum die Sprache im Ernstfall zählt

In einer Krise geht es schnell. Eine Warnung sagt zum Beispiel: Fenster schließen, Wohnung nicht verlassen, Radio einschalten. Wer diese Sätze nicht versteht, verliert Zeit – oder macht das Falsche.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) schreibt dazu: Empfehlungen werden leichter aufgenommen und besser umgesetzt, wenn Menschen Informationen in ihrer Muttersprache erhalten. Deshalb gibt es inzwischen einige Angebote in anderen Sprachen. Sie decken aber nicht alles ab. Am wichtigsten ist, dass du dich vorher vorbereitest – nicht erst, wenn es ernst ist.

Die Sirene: ein Signal ohne Worte

Sirenen sprechen keine Sprache. Ihr Ton bedeutet überall in Deutschland dasselbe. Der BBK-Ratgeber beschreibt zwei Signale, die du dir merken solltest.

Die Sirene sagt dir nicht, was passiert ist. Sie sagt nur: Achtung, informiere dich. Danach brauchst du eine zweite Quelle, zum Beispiel das Handy, das Radio oder Menschen in deiner Nähe. Dass Sirenen ohne Deutschkenntnisse verständlich sind, ist eine Folgerung aus ihrem Aufbau: Es gibt keinen Text, nur einen Ton.

Zwei Signale untereinander. Oben „Warnung“: eine Wellenlinie über 1 Minute, darunter „Gefahr – informiere dich“. Unten „Entwarnung“: eine gerade Linie über 1 Minute, darunter „Gefahr vorbei“.
Warnung: 1 Minute auf- und abschwellender Heulton. Entwarnung: 1 Minute Dauerton.Skizze: WildWeasel
  • Warnung: 1 Minute Heulton, der Ton wird lauter und leiser. Bedeutung: Es besteht Gefahr – informiere dich.
  • Entwarnung: 1 Minute Dauerton. Bedeutung: Die Gefahr ist vorbei.

Warnungen auf dem Handy: welche Sprachen es gibt

Auf dem Handy kommen Warnungen auf zwei Wegen an. Cell Broadcast ist eine Meldung direkt vom Mobilfunknetz, ohne App. Auf seiner englischen Seite für internationale Besucher schreibt das BBK: Warnungen über Cell Broadcast werden auf Deutsch und auf Englisch geschickt. Andere Sprachen nennt es dort nicht.

Der zweite Weg ist die Warn-App NINA des BBK. Laut BBK sind die wichtigsten Inhalte in sieben Fremdsprachen verfügbar: Arabisch, Englisch, Französisch, Polnisch, Russisch, Spanisch und Türkisch. Den deutschen Text gibt es zusätzlich in Leichter Sprache. Als das BBK diese Sprachen 2020 einführte, erklärte es genauer: Übersetzt sind die Menüs, die Informationsbereiche und wichtige Teile jeder Warnung – die Art der Gefahr, das Warngebiet und die wichtigsten Handlungsempfehlungen. Längere frei geschriebene Texte in den Warnungen konnten damals noch nicht mehrsprachig angeboten werden.

Für dich heißt das: Die Kernaussage einer Warnung verstehst du in NINA auch ohne Deutsch. Weitere Details können auf Deutsch sein. Eine Übersetzungs-App kann dann helfen, macht aber manchmal Fehler – bei wichtigen Anweisungen frag lieber noch jemanden. Wie du Handy und App richtig einstellst, erklärt der Artikel „Handy für Warnungen einrichten“.

Warnwege und ihre Sprachen (nach Angaben des BBK)
WarnwegSprachen
SireneKeine Sprache nötig, nur Ton
Cell Broadcast (Handy ohne App)Deutsch und Englisch
Warn-App NINADeutsch, Leichte Sprache, Arabisch, Englisch, Französisch, Polnisch, Russisch, Spanisch, Türkisch – Freitexte teils nur Deutsch

Vorsorge-Wissen in deiner Sprache

Das BBK hat einen Ratgeber mit dem Titel „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“. Er erklärt, wie du dich vorbereitest und was du in einer Notlage tust. Dazu gibt es Checklisten. Ratgeber und Checklisten kannst du kostenlos herunterladen, und zwar in acht Fremdsprachen: Arabisch, Englisch, Französisch, Polnisch, Russisch, Spanisch, Türkisch und Ukrainisch. Laut BBK sind das die am häufigsten gesprochenen Fremdsprachen in Deutschland. Die englische Fassung kannst du auch gedruckt bestellen.

Für Menschen, die einfaches Deutsch besser verstehen, gibt es den Ratgeber in Leichter Sprache. Außerdem hat das BBK Videos in Deutscher Gebärdensprache (DGS) mit Untertiteln. Die Videos kannst du herunterladen und dann auch ohne Internet ansehen.

Ein Tipp: Lade den Ratgeber in deiner Sprache jetzt herunter und drucke die Checkliste aus. Im Ernstfall funktioniert das Internet vielleicht nicht mehr.

Video: Ratgeber: Persönliche Notfallvorsorge im Katastrophenfall (in DGS) (Bundesamt für Bevölkerungsschutz u. Katastrophenhilfe) – Eines der BBK-Videos in Deutscher Gebärdensprache mit Untertiteln: das Ratgeber-Kapitel „Persönliche Notfallvorsorge“, etwa zum Vorrat an Lebensmitteln und Getränken.

Notruf ohne gutes Deutsch

Die Nummer 112 funktioniert in allen Ländern der EU – auch in Deutschland. Du erreichst damit Feuerwehr und Rettungsdienst, die Polizei erreichst du unter 110. Die EU-Kommission sagt aber auch: Es gibt keine festgelegten Sprachen für den Notruf. Sicher ist nur die Landessprache. Englisch sprechen die Leitstellen in manchen Ländern, andere Sprachen hängen ganz vom Land und von den Mitarbeitenden ab.

Sag deshalb zuerst die wichtigsten Wörter langsam und einfach: wo du bist, was passiert ist, wie viele Menschen verletzt sind. Wenn jemand in deiner Nähe besser Deutsch spricht, gib ihm das Telefon. Der BBK-Ratgeber nennt auch Stift und Papier als Hilfe, um sich schriftlich mit Einsatzkräften zu verständigen.

Es gibt außerdem die offizielle Notruf-App der Bundesländer, nora. Mit ihr setzt du einen Notruf ab, ohne zu sprechen. Laut nora gibt es die App auf Deutsch und Englisch, die Texte sind kurz, und Piktogramme – kleine Bilder – helfen beim Verstehen. Im Chat mit der Leitstelle sollst du möglichst Deutsch schreiben, weil sonst nicht sicher ist, dass deine Nachricht verstanden wird. Für die Anmeldung kann eine zusätzliche Bestätigung nötig sein, etwa ein Anruf oder eine Identifizierung. Richte die App also vorher ein, nicht erst im Notfall. Mehr zum Notruf steht im Artikel „Notruf richtig absetzen“.

Hilfe und Informationen vor Ort

Wenn Handy und Internet nicht funktionieren, bleiben Orte, an die du gehen kannst. Der BBK-Ratgeber nennt Rathäuser und Notfalltreffpunkte als Stellen, an denen du dich informieren kannst. Wenn die Notrufnummern 110 und 112 nicht mehr funktionieren, rät das BBK, im Notfall wenn möglich zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus zu gehen.

Frag schon vorher bei deiner Stadt oder Gemeinde, ob es Informationen in deiner Sprache gibt und wo der nächste Treffpunkt für Notfälle ist. Auch Migrationsberatungsstellen und Jugendmigrationsdienste können bei Fragen zum Leben in Deutschland helfen; ob sie auch zur Krisenvorsorge beraten, ist von Ort zu Ort verschieden. Diese Hinweise sind eine Empfehlung dieses Artikels, keine amtliche Liste.

Wichtige Wörter in Warnungen

Manche Wörter kommen in Warnungen und Durchsagen immer wieder vor. Wenn du sie kennst, verstehst du die Kernaussage schneller. Die Erklärungen hier sind kurz und einfach gehalten; genaue Anweisungen stehen immer in der jeweiligen Warnung.

Wörter, die du in einer Krise hören oder lesen kannst
WortBedeutung
WarnungEs gibt eine Gefahr. Lies oder hör genau zu, was du tun sollst.
EntwarnungDie Gefahr ist vorbei.
EvakuierungDu musst deine Wohnung oder das Gebiet verlassen.
SammelstelleEin Ort, an dem sich Menschen bei einer Evakuierung treffen.
NotunterkunftEin Ort zum Schlafen und Bleiben, wenn du nicht nach Hause kannst, oft eine Turnhalle.
AbkochgebotDas Wasser aus der Leitung musst du vor dem Trinken abkochen.
Fenster und Türen schließenBleib drinnen und lass keine Luft von draußen herein.
StromausfallEs gibt keinen Strom.
LeitstelleDie Stelle, die deinen Notruf annimmt und Hilfe schickt.

Für Nachbarn und Helfer: Warnungen weitergeben

Der BBK-Ratgeber bittet ausdrücklich darum, amtliche Warnungen an Nachbarschaft, Freundeskreis und Familie weiterzugeben – vielleicht haben nicht alle die Information erhalten. Auf seiner englischen Seite bittet das BBK auch Reisende, anderen Menschen in ihrer Nähe zu helfen und Warnungen weiterzugeben.

Wenn in deinem Haus Menschen mit wenig Deutsch wohnen, kannst du vorher viel tun. Zeig ihnen, wie die Sirene klingt und was sie bedeutet. Hilf beim Installieren von NINA und beim Einstellen der Sprache. Tauscht Telefonnummern aus und sprecht ab, wer wen im Ernstfall informiert. Im Ernstfall hilft es, langsam zu sprechen, kurze Sätze zu benutzen und zu zeigen statt zu erklären – etwa auf das Fenster zeigen, das geschlossen werden soll. Diese Tipps sind Erfahrungswerte, keine amtliche Vorgabe.

Was du nach einer Warnung tust, erklärt der Artikel „Warnung erhalten – und dann?“. Wie gute Nachbarschaft in einer Krise hilft, steht im Artikel über die Nachbarschaft im Ernstfall.

Häufige Fragen

Kann ich Cell-Broadcast-Warnungen in meiner Sprache bekommen?

Laut BBK werden Cell-Broadcast-Warnungen auf Deutsch und Englisch geschickt. Andere Sprachen nennt das BBK nicht. Für mehr Sprachen ist die Warn-App NINA der bessere Weg.

Ist bei NINA die ganze Warnung übersetzt?

Nicht immer. Übersetzt sind laut BBK die Art der Gefahr, das Warngebiet und die wichtigsten Handlungsempfehlungen. Frei geschriebene Zusatztexte konnten bei der Einführung 2020 noch nicht übersetzt werden.

Spricht die Notrufzentrale Englisch?

Das ist nicht garantiert. Die EU-Kommission schreibt, dass es keine festgelegten Sprachen für den Notruf 112 gibt. Ruf trotzdem an und sag langsam, wo du bist und was passiert ist.

Wo finde ich den BBK-Ratgeber in meiner Sprache?

Auf der Ratgeber-Seite des BBK, verlinkt unter den Quellen. Dort gibt es ihn in acht Fremdsprachen, in Leichter Sprache und als Videos in Deutscher Gebärdensprache.

Quellen

  1. Ratgeber: Vorsorgen für Krisen und KatastrophenBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Ratgeber und Checklisten in acht Fremdsprachen, Muttersprache-Begründung, Leichte Sprache, DGS-Videos zum Herunterladen, englische Druckfassung
  2. Vorsorgen für Krisen und Katastrophen (PDF)Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Sirenensignale, Warnungen weitergeben, Stift und Papier, Rathäuser und Notfalltreffpunkte, Polizeiwache und Krankenhaus bei Ausfall von 110/112
  3. Emergency information sources for international visitors in GermanyBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Cell Broadcast auf Deutsch und Englisch, NINA in sieben Fremdsprachen und Leichter Sprache, Warnungen an andere weitergeben
  4. Upgrade für die Warn-App NINA: Neue Corona-Funktionen in der Version 3.3Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Was in NINA übersetzt ist und dass Freitexte 2020 noch nicht mehrsprachig waren
  5. nora – Häufig gestellte Fragennora, Notruf-App der Bundesländer · App auf Deutsch und Englisch, Piktogramme, Chat möglichst auf Deutsch, zusätzliche Bestätigung bei der Anmeldung
  6. FAQs – Emergencies (112)Europäische Union, Your Europe · 112 in der ganzen EU, keine festgelegten Sprachen, Englisch nur in manchen Ländern