Jeder Garten und jede Küche erzeugt organische Abfälle, und jedes Beet braucht Nährstoffe. Der Komposthaufen verbindet beides: Kleinlebewesen machen aus Schalen, Laub und Rasenschnitt Humus, der den Boden lockert und düngt. Dieser Artikel erklärt, was im Haufen passiert, wie du ihn aufsetzt, was hinein darf und was nicht – und woran du erkennst, dass der Kompost fertig ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Kompost braucht drei Dinge: Wärme, Feuchtigkeit und Luft. Fehlt die Luft, fault er und stinkt.
- Halbschattig auf offenem Boden aufsetzen, nie auf Beton oder in einer Grube.
- Grob und fein, nass und trocken im Wechsel schichten – je vielfältiger, desto besser.
- Fleisch, Fisch, Knochen, gekochte Reste, kranke Pflanzen und Samenunkräuter gehören nicht hinein.
- Reifer Kompost ist dunkel, krümelig und riecht nach Waldboden. Der Kressetest zeigt es sicher.
Was im Komposthaufen passiert
Kompostieren nutzt einen Vorgang, der in der Natur ständig abläuft: Abgestorbenes Material wird von Lebewesen zerlegt, und die freigesetzten Nährstoffe nähren neue Pflanzen. Die Bayerische Gartenakademie beschreibt die Arbeitsteilung so: Zuerst zerkleinern Regenwürmer, Asseln, Springschwänze, Milben und Insektenlarven das Material, dann wandeln Bakterien, Algen und Pilze es in Nährstoffe um, die Pflanzenwurzeln aufnehmen können.
Diese Helfer brauchen nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft drei Bedingungen: Es muss warm genug sein, feucht genug, und sie brauchen genügend Sauerstoff. Die Wärme entsteht durch die Rotte von selbst. Fehlt dagegen Luft, stellen die Bodenlebewesen ihre Arbeit ein, das Material verrottet nicht, sondern fault – und der Kompost stinkt.
In großen Kompostwerken steigt die Temperatur auf 60 bis 70 °C. Im Garten ist das kaum zu erreichen, weil der Haufen klein ist und nach und nach befüllt wird. Das Bayerische Landesamt für Umwelt nennt für die Eigenkompostierung in der Regel höchstens 40 bis 45 °C. Das reicht für guten Humus, hat aber Folgen dafür, was hineindarf.
Der richtige Platz
Der Kompost gehört an einen schattigen oder halbschattigen, windgeschützten Ort auf offenem Boden. Das Umweltbundesamt ist hier deutlich: nicht auf Stein, Beton oder Asphalt und niemals in einer Grube. Nur über die Erde können Regenwürmer und andere Kleinlebewesen einwandern, und überschüssiges Wasser kann versickern. In der prallen Sonne trocknet das Material im Sommer zu schnell aus.
Gegen Wühlmäuse und andere Nager hilft ein Drahtgitter am Boden; das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft nennt eine Maschenweite von höchstens 13 Millimetern. Der Platz sollte gut erreichbar sein und genug Raum zum Umsetzen bieten. Zu Fenstern empfiehlt das Landesamt für Umwelt fünf Meter Abstand, das Umweltbundesamt rät außerdem zu ausreichend Abstand von der Grundstücksgrenze, um Streit mit Nachbarn zu vermeiden.
Ob Lattenkomposter, Drahtgitter, Thermokomposter aus Kunststoff oder einfacher Haufen: Das Material ist zweitrangig, entscheidend ist die richtige Befüllung. Wer Platz hat, stellt zwei oder drei Behälter nebeneinander. Dann kann einer befüllt werden, während der zweite ruht und der dritte fertigen Kompost enthält.
Aufsetzen: grob und fein, nass und trocken
Die wichtigste Regel ist Abwechslung. Das Umweltbundesamt empfiehlt, zuerst etwa 10 bis 20 Zentimeter grobes Material wie zerkleinerten Strauchschnitt locker aufzuschichten. Diese Schicht wirkt als Drainage und lässt Luft nachströmen. Darauf kommen die feineren Abfälle aus Küche und Garten, gut durchmischt.
Feuchtes und trockenes, grobes und feines Material folgen im Wechsel. Feuchter Rasenschnitt wird mit lockerem, trockenem Material wie Häckselgut, Stängeln oder Laub gemischt, am besten lässt man ihn vorher antrocknen. Je feuchter das Material, desto dünner die Schicht. Gröbere Zweige zwischendurch wirken wie Lüftungsschächte.
Ein paar Schaufeln Gartenerde oder fertiger Kompost „impfen“ den neuen Haufen mit Kleinlebewesen; die Landwirtschaftskammer Niedersachsen rät zu einigen Schaufeln Erde etwa alle 30 Zentimeter. Bakterienpräparate muss man dann nach dem Umweltbundesamt nicht zukaufen, und auch andere Kompostzusätze sind nach der Landwirtschaftskammer nicht notwendig.
Die Feuchte ist richtig, wenn das Material nicht nasser ist als ein ausgedrückter Schwamm. Bei Trockenheit wird gegossen, bei Dauerregen abgedeckt. Damit Luft ins Innere gelangt, sollte ein Haufen nicht höher als etwa 1,5 Meter und an der Basis nicht breiter als etwa 2 Meter werden.
Tipp Halte neben dem Kompost einen Vorrat an trockenem Strukturmaterial bereit – Häckselgut, kleine Äste, Stroh oder Laub. Damit kannst du jede Ladung nasser Küchenabfälle sofort abdecken und auflockern.
Was hinein darf – und was nicht
Unproblematisch sind Obst- und Gemüsereste, Kaffeesatz samt Filter, Teebeutel ohne Kunststoff, Gartenabfälle und Laub. Schwer verrottendes Laub wie Eichen- oder Walnusslaub zersetzt sich schneller, wenn es vorher zerkleinert wird, etwa mit dem Rasenmäher.
Nicht hinein gehören Fleisch, Wurst, Fisch und Knochen. Das Umweltbundesamt begründet das doppelt: Im Gartenkompost werden die Temperaturen für eine sichere Abtötung von Krankheitserregern nicht über die nötige Zeit erreicht, und solche Reste locken Nager und Ungeziefer an. Aus demselben Grund raten Umweltbundesamt, Landesamt für Umwelt und Landwirtschaftskammer auch von gekochten Essensresten ab; das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft hält kleine Mengen für vertretbar, warnt aber, dass größere Mengen Ratten anziehen.
Kranke Pflanzen, etwa mit Kohlhernie, Kraut- und Knollenfäule oder Welkekrankheiten, gehören nicht auf den Kompost. Die Erreger können dort überdauern und später wieder auf die Beete gelangen. Samenunkräuter darfst du nach der Gartenakademie kompostieren, solange sie vor der Blüte gejätet wurden; mit Samen oder als Wurzelunkraut wie Quecke und Giersch gehören sie in die Biotonne.
Bei einigen Dingen sind sich die Quellen nicht einig. Eierschalen führen Umweltbundesamt und Bundesinformationszentrum als geeignet, das Landesamt für Umwelt rät wegen möglicher Salmonellen davon ab. Asche von unbehandeltem Holz halten Umweltbundesamt und Bundesinformationszentrum in kleinen Mengen für vertretbar, die Landwirtschaftskammer lehnt Holzasche wegen möglicher Schwermetalle ab. Wer unsicher ist, lässt beides weg.
Video: Wie kompostiere ich richtig? (BZL - Bundeszentrum für Landwirtschaft) – Der Gartenexperte des BZL erklärt, was auf den Kompost darf. Beim Thema Essensreste und Asche ist das BZL großzügiger als Umweltbundesamt und Landesamt – siehe Text.
| Material | Grund |
|---|---|
| Fleisch, Wurst, Fisch, Knochen, Milchprodukte | Krankheitserreger werden nicht sicher abgetötet, lockt Ratten an |
| Kranke Pflanzen, Samen- und Wurzelunkräuter | Erreger und Samen überdauern und verbreiten sich im Beet |
| Kot von Hunden, Katzen und anderen Fleischfressern | hygienische Gründe, mögliche Parasiten |
| Windeln, Papiertaschentücher | können Krankheitserreger enthalten |
| Staubsaugerbeutel, behandeltes Holz, Kohlenasche, beschichtetes Papier | Schadstoffe, Schwermetalle |
Achtung Auch der Inhalt einer Notfalltoilette gehört nicht in den Gartenkompost. Er wird nicht heiß genug, um Krankheitserreger sicher abzutöten – deshalb schließen Umweltbundesamt und Landesamt für Umwelt schon Windeln und Hundekot aus. Wie du Ausscheidungen im Notfall sicher sammelst und lagerst, steht im Artikel „Toilette ohne Spülung“.
Umsetzen, Reifezeit und der Kressetest
Umsetzen heißt, den Haufen abzutragen und neu aufzuschichten. Dabei kommt Luft hinein, und Material vom kühlen Rand gelangt ins warme Innere. Das Umweltbundesamt nennt als Zeitpunkt etwa drei Monate nach dem Aufsetzen, bei zu feuchtem Material früher; das Landesamt für Umwelt rät, nach sechs Monaten einmal umzusetzen, damit auch der Rand verrottet.
Wie lange der Kompost braucht, hängt vom Material und von der Pflege ab. Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft nennt in der Regel vier bis neun Monate. Nach dem Umweltbundesamt ist Frischkompost nach etwa drei bis vier Monaten brauchbar zum Mulchen, reifer Kompost im Sommerhalbjahr nach etwa vier bis sechs Monaten, sonst nach sechs bis höchstens zwölf Monaten. Aus hygienischen Gründen hält das Landesamt für Umwelt ein Jahr Rottedauer für optimal.
Reifer Kompost ist dunkel, feinkrümelig und riecht nach Waldboden. Sicherer ist der Kressetest: Ein Gefäß mit Gartenerde und eines mit dem Kompost werden mit Kressesamen eingesät. Bleibt die Kresse im Kompost nach fünf Tagen deutlich zurück oder bekommt gelbe oder braune Blätter, braucht er noch Zeit. Grobe Reste, die beim Sieben hängen bleiben, kommen zurück auf den Haufen.
Achtung Im Kompost leben auch Keime, die Menschen schaden können, darunter der Erreger des Wundstarrkrampfs. Das Landesamt für Umwelt rät zu ausreichendem Tetanusschutz, Wunden mit Kompostkontakt gründlich zu reinigen und nach der Arbeit die Hände zu waschen. Menschen mit Schimmelpilzallergie oder geschwächtem Immunsystem sollen auf einen eigenen Komposthaufen verzichten – im Zweifel ärztlich beraten lassen.
Ausbringen: wie viel das Beet verträgt
Kompost ist Bodenverbesserer und Dünger, aber kein Pflanzsubstrat. Die hohe Konzentration an Nährsalzen entzieht zarten Keimlingswurzeln Wasser, erklärt das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft. In den Boden eingearbeitet, lockert er dagegen schwere Böden und hilft sandigen, Wasser und Nährstoffe zu speichern. Er gehört nur flach in die oberste Bodenschicht, wo genug Sauerstoff ist.
Mehr ist nicht besser. Das Umweltbundesamt warnt, dass auch Kompost den Boden überversorgen kann, und rechnet mit einer Mindestfläche von 50 bis 70 Quadratmetern Garten je Haushaltsmitglied, um Überdüngung zu vermeiden. Als Orientierung für die jährliche Menge gelten:
- Gemüse: etwa 3 Liter je Quadratmeter im März oder April, Zierpflanzen 2 Liter (Bundesinformationszentrum Landwirtschaft).
- Starkzehrer 4 bis 5 Liter, Schwachzehrer 2 bis 3 Liter je Quadratmeter und Jahr; bei Neuanlage einmalig 10 Liter (Landwirtschaftskammer Niedersachsen).
- Ein Liter je Quadratmeter entspricht einer Schicht von etwa einem Millimeter.
Wenn nichts mehr zu kaufen ist
Heute lässt sich ein ausgelaugtes Beet mit gekauftem Dünger und Sackerde auffüllen. Der Kompost braucht nichts davon: keine Starter, keine Zusätze, keine Technik. Er braucht Abfälle, die ohnehin anfallen, eine Schaufel Erde, Wasser und Geduld. Deshalb gehört er in diese Reihe über Wissen, das auch ohne Nachschub trägt – und zur Fruchtfolge, in der die Starkzehrer auf das frisch mit Kompost versorgte Beet kommen.
Viele Regeln in diesem Artikel enden mit „besser in die Biotonne“. Das hat einen Grund, der bleibt, auch wenn die Abfuhr einmal ausfällt: Der Gartenkompost wird nicht heiß genug, um Erreger und Samen sicher abzutöten. Was dort nicht hineingehört, bleibt vom Gemüsebeet fern, wie auch immer es entsorgt wird. Wie man mit Abfall ohne Abfuhr umgeht, beschreibt der Artikel „Müll, wenn die Abfuhr ausbleibt“.
Das Wertvollste ist die Erfahrung mit dem eigenen Haufen: wie schnell er bei deinem Material reift, wann er zu nass wird, wie er riecht, wenn er gut läuft. Wer das einmal ein Jahr lang beobachtet hat, braucht keine Anleitung mehr.
Hinweis Die Regeln stammen vom Umweltbundesamt, dem Bayerischen Landesamt für Umwelt, der Bayerischen Gartenakademie, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft. Wo sie sich unterscheiden, steht es dabei.
Häufige Fragen
Warum stinkt mein Kompost?
Meist fehlt Luft, oft weil zu viel nasses Material wie Rasenschnitt oder Küchenabfälle dicht aufeinanderliegt. Dann fault es statt zu verrotten. Umsetzen und trockenes, grobes Material untermischen hilft.
Darf ich gekochte Essensreste kompostieren?
Umweltbundesamt und Landesamt für Umwelt raten davon ab, weil sie Ratten und Ungeziefer anlocken und Erreger im Gartenkompost nicht sicher abgetötet werden. Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft hält kleine Mengen für vertretbar.
Wie lange dauert es, bis der Kompost fertig ist?
Je nach Material und Pflege etwa vier Monate bis ein Jahr. Aus hygienischen Gründen hält das Bayerische Landesamt für Umwelt ein Jahr für optimal.
Kann ich direkt in Kompost säen?
Besser nicht. Reiner Kompost enthält so viele Nährsalze, dass zarte Keimlingswurzeln vertrocknen können. Er wird in die oberste Bodenschicht eingearbeitet.
Quellen
- Richtig Kompostieren – so geht'sBundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) · Drei Bedingungen der Rotte, Standort, Drahtgitter 13 mm, Schichtung, Materialliste, Reifezeit vier bis neun Monate, Kressetest, Ausbringmengen
- Kompostfibel – Richtig kompostieren, Tipps und HinweiseUmweltbundesamt · Untergrund, Aufbau mit 10 bis 20 cm Grobmaterial, Maße des Haufens, Feuchte, Umsetzen nach etwa drei Monaten, Reifezeiten, ungeeignete Materialien, Hygiene
- Nachhaltig gärtnern mit Kompost und KomposterdeUmweltbundesamt · Platzwahl, Abstand zur Grundstücksgrenze, Unkrautsamen und Pflanzenkrankheiten, Mindestfläche 50 bis 70 m² je Haushaltsmitglied
- Kompostierung – hygienische AspekteBayerisches Landesamt für Umwelt (LfU) · 60 bis 70 °C im Kompostwerk, 40 bis 45 °C im Gartenkompost, ausgeschlossene Materialien, Ratten, Tetanus, Risikogruppen, fünf Meter zu Fenstern, ein Jahr Rottedauer
- Was darf auf den Kompost?Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), Bayerische Gartenakademie · Kleinlebewesen der Rotte, Mischung von Rasenschnitt und trockenem Material, Unkräuter vor der Blüte, Laub, kranke Pflanzen
- So gelingt der KompostLandwirtschaftskammer Niedersachsen, Niedersächsische Gartenakademie · Erde alle 30 cm, Kompostzusätze nicht notwendig, gekochte Reste und Ratten, Holzasche, Kompostgaben für Stark- und Schwachzehrer, 1 l/m² entspricht 1 mm
