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Energie & Licht

Licht aus Flammen: Kerzen, Talglicht und Öllampe

Kerzen aus Bienenwachs ziehen und gießen, ein Talglicht setzen, eine Öllampe mit Schwimmdocht betreiben – und dabei Ruß und Brandgefahr im Griff behalten.

8 Min. LesezeitFür FortgeschritteneStand: 26. September 2026
Nahaufnahme einer brennenden Bienenwachskerze vor dunklem Hintergrund: Der gebogene Docht glüht an der Spitze, darum die gelbe Flamme mit bläulichem Saum, darunter der Rand aus geschmolzenem Wachs.
Am Docht verdampft das geschmolzene Wachs und verbrennt – das Licht ist ein Nebeneffekt der Verbrennung.Foto: Kreuzschnabel · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Wenn Batterien leer sind und kein Strom mehr nachkommt, bleibt das älteste Kunstlicht: die Flamme. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ erklärt, wie du Kerzen aus Bienenwachs ziehst, gießt oder rollst, wie ein Talglicht funktioniert und wie eine Öllampe mit Pflanzenöl und Schwimmdocht brennt. Genauso wichtig ist die Kehrseite: Jede Flamme macht Ruß und Feinstaub und bringt offenes Feuer in den Raum. Batterielampen, Akkus und der Vergleich mit der LED stehen in eigenen Artikeln und werden hier nicht wiederholt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bienenwachs schmilzt bei 62 bis 64 °C; zum Ziehen den Docht knapp über dem Schmelzpunkt immer wieder eintauchen.
  • Die Dochtstärke muss zur Kerze passen – im Zweifel selbst ausprobieren. Ein zu kurzer Docht rußt.
  • Ein Talglicht ist Rinderfett in einer flachen Schale mit Docht; Öllampen brennen mit Pflanzenöl und Schwimmdocht.
  • Jede Flamme erzeugt Feinstaub. Regelmäßig lüften, Zugluft an der Flamme vermeiden.
  • Nie unbeaufsichtigt, feuerfeste Unterlage, Abstand. Brennendes Fett oder Öl nie mit Wasser löschen.

Zuerst: wofür dieses Wissen gedacht ist

Heute kaufst du Kerzen und Teelichter in jedem Supermarkt, und für den Stromausfall ist eine Taschenlampe die bessere Wahl. Dieser Artikel konserviert das Handwerk für eine Lage, in der beides nicht mehr zu haben ist. Er handelt von offenem Feuer in Innenräumen und setzt deshalb Sorgfalt voraus.

Achtung Notfall- und Zivilisationswissen: Dieser Artikel beschreibt Wissen für eine Lage, in der Versorgung, Ärzte, Behörden und Fachbetriebe dauerhaft nicht erreichbar sind. Solange sie erreichbar sind, gehen sie vor. Der Artikel ersetzt keine Ausbildung, keine ärztliche Behandlung und keine Genehmigung.

Wie eine Flamme Licht macht – und was sie kostet

Kerze, Talglicht und Öllampe arbeiten nach demselben Prinzip: Ein Docht saugt geschmolzenes Fett, Wachs oder Öl nach oben, dort verdampft der Brennstoff und verbrennt. Das Licht selbst ist ein Nebeneffekt der Verbrennung – eine Flamme ist, wie die Glühlampe, ein Wärmestrahler. Deshalb ist Flammenlicht immer warm, gelblich und im Verhältnis zur verbrauchten Energie schwach.

Das Museum Schloss Klippenstein schreibt zu einer Rüböllampe aus dem 19. Jahrhundert knapp, solche Lampen hätten nur ein spärliches Licht verströmt. Wie groß der Abstand zu elektrischem Licht ist, zeigt der Artikel „Licht aus Strom: Glühdraht und LED aus Altgeräten“: Schon die Glühlampe macht nur einen kleinen Teil ihrer Energie zu Licht, die LED ein Vielfaches davon. Eine belastbare, amtlich belegte Lumenzahl für eine selbst gezogene Kerze haben wir nicht gefunden; deshalb nennt dieser Artikel keine.

Für die Planung heißt das: Solange Strom aus Batterie, Solarmodul oder Dynamo zu haben ist, ist er fürs Licht die bessere Wahl. Die Flamme ist die Reserve, wenn alles andere erschöpft ist – und sie verbraucht Fett und Wachs, die du auch zum Essen, für Seife oder zum Abdichten brauchst.

Querschnitt einer brennenden Kerze: unten festes Wachs, oben eine Schicht flüssiges Wachs, darin der Docht. Ein gestrichelter Pfeil zeigt, wie das Wachs im Docht nach oben steigt; an der Dochtspitze verdampft es in der Flamme.
Der Docht saugt geschmolzenes Wachs nach oben, dort verdampft es und verbrennt.Skizze: WildWeasel

Bienenwachs gewinnen und klären

Bienenwachs ist der klassische Rohstoff für gute Kerzen. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau nennt in ihrem Merkblatt zum Bienenwachs einen Schmelzpunkt von 62 bis 64 °C und eine Erstarrungstemperatur von 58 °C. Das Wachs ist leichter als Wasser und in Wasser unlöslich – darauf beruht seine Gewinnung.

Beim herkömmlichen Auslassen wird Wasser in einem Kessel aus Kupfer, Emaille oder Edelstahl erhitzt, die Waben- und Wachsteile werden eingeschmolzen, und das schwimmende flüssige Wachs wird abgeschöpft. Den Rest presst man heiß aus. Zum Klären erhitzt man das Wachs mehrmals mit Wasser, lässt es zum Block erstarren, schüttet das Wasser samt Schmutz weg und kratzt den Boden des Blocks ab. Einen Sonnenwachsschmelzer nennt das Merkblatt als energiesparende Alternative, allerdings mit meist geringer Ausbeute.

Zwei Hinweise aus dem Merkblatt sind wichtig: Säuren im Wachs greifen Eisen an, deshalb keine Geräte aus rostendem Eisen, mit beschädigter Emaille oder aus Stahl verwenden. Und den Wachstopf nur zu zwei Dritteln füllen, weil verdampfende Wasserreste das flüssige Wachs sonst überschäumen lassen können. Die Mengen sind klein: Eine Zanderwabe ergibt nach dem Merkblatt etwa 105 bis 110 g Wachs.

Kerzen ziehen, gießen, rollen – und der richtige Docht

Das LWG-Merkblatt beschreibt drei Wege. Beim Ziehen wird der Docht zwischen einer Halterung gespannt oder nach den ersten Tauchgängen gestrafft. Dann taucht man ihn so oft in flüssiges Wachs, dessen Temperatur knapp über dem Schmelzpunkt liegt, bis die gewünschte Stärke erreicht ist. Beim Gießen wird der Docht in eine Form eingezogen und gestrafft, das flüssige Wachs eingegossen und die Kerze nach dem Erkalten entnommen und nachbearbeitet. Beim Rollen wird der Docht mit etwas flüssigem Wachs auf eine Mittelwand geheftet, die dann eng aufgerollt wird.

Der Docht entscheidet, ob die Kerze gut brennt. Das Merkblatt sagt dazu nur, aber deutlich: Die Dochtstärke muss der Kerzengröße angepasst sein; wo keine Herstellerempfehlung vorliegt, müssen gegebenenfalls eigene Versuche angestellt werden. Zum Schluss wird die Dochtspitze in flüssiges Wachs getaucht. Eine Tabelle mit Dochtstärken je Kerzendurchmesser aus einer amtlichen Quelle haben wir nicht gefunden.

Für die Probe hilft ein Hinweis des Umweltbundesamtes, der eigentlich der Luft gilt: Kerzen rußen, wenn der Docht zu kurz ist oder Zugluft an der Flamme zieht. Brenne eine Probekerze also windstill ab und beobachte sie. Rußt sie, flackert sie stark oder brennt sie einseitig, passt der Docht nicht – das ist eine Erfahrungsregel, keine Messvorschrift.

Das Talglicht: Licht aus dem Schlachtfett

Wachskerzen waren früher teuer. Das Rätische Museum in Chur beschreibt, wie man sich in den Alpen, wo viel Vieh gehalten wurde, stattdessen mit Talg behalf, auch „Unschlitt“ genannt. Gemeint ist das Fett von Rindern, seltener von Schafen oder Ziegen.

Das Talglicht ist denkbar einfach. Weil Talg einen hohen Schmelzpunkt hat, konnte man ihn nach der Beschreibung des Museums in einem nur wenig vertieften Gefäß aufhäufen und einen Docht hineinsetzen. Die Schale im Museum ist aus Speckstein, also aus nicht brennbarem Material. So erhellte das Talglicht an langen Winterabenden die Stube.

Ob du Talg auch zu Kerzen ziehen kannst, ist naheliegend – das Tauchverfahren setzt nur einen Brennstoff voraus, der beim Abkühlen fest wird. Unsere Quellen belegen aber nur das Talglicht in der Schale, nicht die gezogene Talgkerze, und keine Schmelztemperatur. Rechne damit, dass Talg stärker riecht und rußt als Bienenwachs, und probiere das an einem kleinen Stück aus.

Die Öllampe mit Pflanzenöl und Schwimmdocht

Öllampen waren über Jahrhunderte verbreitet. Nach dem Museum Schloss Klippenstein kam im deutschen Raum ab dem 16. Jahrhundert vor allem Rüböl als Lampenöl zum Einsatz, ein fettes Öl, das aus dem geschroteten Samen des Raps gewonnen wurde. Die dort gezeigte kleine Rüböllampe hatte einen Docht aus Schurwolle.

Die einfachste Form ist das Schwimmlicht. Das Heimatmuseum Dohna zeigt eine Schachtel aus dem 19. Jahrhundert mit feinen Schwimmdochten in Papierhaltern, einem Schwimmer aus Kork und Weißblech und einer Pinzette. Solche Schwimmdochte für Pflanzenöl sind laut dem Museum auch als „Öllicht“, „Nachtlicht“ oder „Schwimmlicht“ bekannt: Der Docht steckt im Schwimmer, der auf dem Öl in einem Gefäß treibt.

Nachbauen lässt sich das mit einem standfesten, nicht brennbaren Gefäß, etwas Rapsöl oder einem anderen Speiseöl, einem Stück Kork und einem kurzen Baumwoll- oder Wolldocht. Das ist eine Folgerung aus den Museumsstücken, keine geprüfte Bauanleitung. Bedenke: Das Öl in der Lampe ist dasselbe Speiseöl, das beim Braten als Fettbrand gefährlich wird – eine umgekippte Öllampe ist ein brennendes Öl außerhalb der Pfanne.

Luft: Ruß, Feinstaub und Lüften

Jede Flamme belastet die Raumluft. Das Umweltbundesamt zählt den Staub, der beim Abbrennen von Kerzen entsteht, zu den Feinstäuben, grundsätzlich wie bei allen Verbrennungsprozessen. Solcher Staub bleibt länger in der Luft und bindet zum Teil giftige Stoffe, die polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, kurz PAK – vor allem dann, wenn Ruß entsteht. Sie sind teilweise krebserzeugend, wenn man sie lange und in höheren Konzentrationen einatmet. Zu viel eingeatmeter Staub reizt die Atemwege und kann bei Menschen mit Asthma Anfälle auslösen.

Das beste Mittel ist nach dem Umweltbundesamt das Lüften: regelmäßig morgens und abends, wenn möglich kurz mit Durchzug. Für Kerzen nennt das Amt drei Punkte gegen Ruß: die Dochtlänge nicht zu kurz halten, keine Zugluft beim Abbrennen und nur reine Bienenwachskerzen ohne Zusatzstoffe verwenden. Warum ein Raum mit brennenden Kerzen auch wegen des Sauerstoffs gelüftet werden muss, steht im Artikel „Licht und Strom für Notfälle“.

  • Durchzug zum Lüften, aber nicht, während die Flamme brennt.
  • Ein Licht für den Raum, in dem alle sitzen, statt vieler kleiner Flammen.
  • Menschen mit Asthma nicht neben die Flamme setzen.

Sicher aufstellen: Gefahren, Rechtslage, Zuständigkeit

Die Berliner Feuerwehr nennt Kerzen und alle anderen offenen Flammen eine große Brandgefahr. Ihre Regeln sind einfach: Kerzen niemals unbeaufsichtigt lassen, so aufstellen, dass genügend Abstand zu anderen Gegenständen bleibt, eine feuerfeste Unterlage verwenden und eine Blumenspritze oder eine ähnliche Löschmöglichkeit bereithalten. Kinder fasziniert Feuer; Streichhölzer, Feuerzeuge und Kerzen gehören außer Reichweite, und den Umgang mit Feuer lernen Kinder besser unter Aufsicht als heimlich.

Beim Herstellen kommt eine zweite Gefahr dazu: heißes Wachs und Fett. Gerät Fett oder Öl in der Pfanne in Brand, darfst du nach der Berliner Feuerwehr niemals mit Wasser löschen. Brennendes Fett ist deutlich heißer als 100 Grad, das Wasser verdampft schlagartig und reißt brennende Tröpfchen mit – eine Fettexplosion. Richtig ist, es mit einem Deckel zu ersticken. Dass für brennendes Wachs im Topf dasselbe gilt, ist eine Folgerung, keine Aussage der Quelle; erhitze Wachs und Talg deshalb nie unbeaufsichtigt und halte den Deckel griffbereit.

Achtung Rechtslage heute: Für Kerzen in der eigenen Wohnung nennen die hier verwendeten Quellen keine Genehmigungspflicht. Regeln zu offenem Feuer, etwa für Treppenhaus oder Balkon, können in Mietvertrag und Hausordnung stehen – lies nach, bevor du dich auf etwas verlässt. Gefahr: Offene Flammen sind eine große Brandgefahr. Nie unbeaufsichtigt, nie im Schlaf, feuerfeste Unterlage, Abstand zu Vorhängen und Papier. Brennendes Fett, Öl oder Wachs nie mit Wasser löschen, sondern mit einem Deckel ersticken. Zuständig: Bei einem Brand die Feuerwehr unter 112. Was im Brandfall zu tun ist, welcher Feuerlöscher in den Haushalt gehört und wofür eine Löschdecke taugt, steht im Artikel „Brand in der Wohnung“.

Häufige Fragen

Kann ich Kerzen aus Resten alter Kerzen neu gießen?

Grundsätzlich ja, das Verfahren ist dasselbe wie beim Gießen aus Bienenwachs. Paraffinreste sind aber kein Bienenwachs, der passende Docht muss neu ausprobiert werden.

Welches Öl eignet sich für eine Öllampe?

Historisch vor allem Rüböl aus Rapssamen; Schwimmdochte waren ausdrücklich für Pflanzenöl gedacht. Rapsöl oder ein anderes Speiseöl ist deshalb die naheliegende Wahl.

Warum rußt meine selbst gezogene Kerze?

Häufig passt der Docht nicht, oder die Flamme steht in Zugluft. Das Umweltbundesamt nennt einen zu kurzen Docht und Zugluft als Ursachen. Probiere einen anderen Docht aus.

Kann ich mit Kerzen einen Raum heizen?

Nein. Kerzen sind Licht, keine Heizung. Viele Flammen auf engem Raum erhöhen vor allem die Brandgefahr und die Belastung der Luft.

Quellen

  1. Bienenwachs (Merkblatt)Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), Fachzentrum Bienen · Schmelzpunkt 62–64 °C, Erstarrung 58 °C, Auslassen und Klären, Gefäße, Topf nur zu zwei Dritteln füllen, Wachs je Zanderwabe, Kerzen ziehen, gießen und rollen, Dochtstärke
  2. Lüften ist das beste Mittel gegen StaubUmweltbundesamt · Feinstaub beim Kerzenabbrand, PAK bei Rußbildung, Atemwege und Asthma, Lüften, Dochtlänge, Zugluft, reine Bienenwachskerzen
  3. Talglicht (Objekt 1913, Museumsguide)Rätisches Museum, Chur · Talg oder Unschlitt aus Rinderfett, hoher Schmelzpunkt, flache Schale mit Docht
  4. RüböllampeMuseum Schloss Klippenstein, über museum-digital · Rüböl aus Rapssamen als Lampenöl ab dem 16. Jahrhundert, Docht aus Schurwolle, spärliches Licht
  5. Schwimmdochte in OriginalschachtelHeimatmuseum Dohna, über museum-digital · Schwimmdochte für Pflanzenöl mit Korkschwimmer, Bezeichnungen Öllicht, Nachtlicht, Schwimmlicht
  6. Vorsicht, Feuer! Brandschutz für jedermann (Broschüre)Berliner Feuerwehr · Kerzen nie unbeaufsichtigt, Abstand, feuerfeste Unterlage, Löschmöglichkeit, Kinder und Feuer, Fettexplosion, Deckel