Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ nennt, was der Einsteigerartikel bewusst auslässt: Einkochzeiten, Temperaturen und das Druckeinkochen. Warum Einkochen überhaupt konserviert und wo die Grenze des Wasserbads liegt, steht in „Haltbar machen: was die Verfahren leisten“. Hier geht es um die Durchführung – mit Werten, die ausschließlich aus erprobten Tabellen stammen.
Das Wichtigste in Kürze
- Botulinum-Sporen überstehen 100 °C. Säurearmes wie Gemüse und Fleisch braucht nach BfR Druck und 121 °C.
- Obst und angesäuerte Tomaten dürfen ins Wasserbad, Gemüse, Fleisch, Fisch und Brühe nur in den Druckeinkocher.
- Zeiten nur aus erprobten Tabellen übernehmen – und an die Höhenlage anpassen, schon ab rund 305 m.
- Backofen und Einkochautomat bleiben bei 100 °C, der Schnellkochtopf reicht laut BfR in der Regel nicht.
- Gewölbter Deckel, kein Vakuum, spritzender Inhalt oder Schimmel: nie kosten, wie giftig behandeln und entsorgen.
Zur Einordnung: Wissen für danach
Die folgenden Zeiten und Drücke sind für eine Lage gedacht, in der es keine Konserven mehr zu kaufen gibt und Ärzte, Behörden und Fachleute dauerhaft nicht erreichbar sind. Heute ist die gekaufte Dose der sichere Weg für säurearme Lebensmittel.
Alle Tabellenwerte stammen aus dem Complete Guide to Home Canning des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA), herausgegeben vom National Center for Home Food Preservation der University of Georgia. Sie gelten für amerikanische Gläser, Fahrenheit, Pfund pro Quadratzoll und Fuß. Umgerechnete Werte sind als „rund“ gekennzeichnet; maßgeblich bleibt die Originaltabelle.
Achtung Notfall- und Zivilisationswissen: Dieser Artikel richtet sich an eine Lage, in der Versorgung, Ärzte, Behörden und Fachbetriebe dauerhaft nicht erreichbar sind. Solange sie erreichbar sind, gehen sie vor. Er ersetzt keine Ausbildung, keine ärztliche Behandlung und keine Genehmigung.
Warum Botulismus der Maßstab ist
Beim Einkochen geht es nicht um irgendeinen Keim, sondern um Clostridium botulinum. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beschreibt die Sporen des Bakteriums als hitzebeständig: Sie lassen sich erst bei Temperaturen über 100 °C inaktivieren. Für Konserven wurde deshalb die sogenannte Botulinum-Kochung entwickelt – 121 °C für 3 Minuten an allen Stellen des Lebensmittels.
Kochendes Wasser erreicht das nicht. Nach dem BfR wird beim Einkochen im Wasserbad, im Backofen und bei Kesselkonserven eine Temperatur von 100 °C im Einmachgut nicht überschritten. Überlebende Sporen können im verschlossenen Glas auskeimen und Nervengifte bilden.
Ob das eine Rolle spielt, entscheidet die Säure. Säurearm sind nach dem USDA-Leitfaden Lebensmittel mit einem pH-Wert über 4,6: rotes Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Geflügel, Milch und alles frische Gemüse außer den meisten Tomaten. Sauer mit pH 4,6 oder weniger sind Obst, saures Eingelegtes, Sauerkraut, Konfitüren und Gelees. Auch Mischungen aus beidem sind in der Regel säurearm, wenn das Rezept nicht genug Säure zugibt.
Welches Verfahren für welches Lebensmittel
Die Regel ist einfach und hat keine Ausnahme: Säurearmes muss nach dem USDA-Leitfaden in einem Druckeinkocher behandelt werden, um frei von Botulismus-Risiko zu sein. Er nennt 240 bis 250 °F, rund 116 bis 121 °C, erreichbar bei 10 bis 15 Pfund Überdruck. Das BfR spricht von 121 °C unter Druck.
Der Backofen hilft nicht: Das BfR schließt ihn ausdrücklich ein, der USDA-Leitfaden rät vom Einkochen im Backofen, in der Mikrowelle und in der Spülmaschine ab. Ein Einkochautomat ist ein beheiztes Wasserbad und bleibt damit bei 100 °C. Auch der Schnellkochtopf reicht nach dem BfR in der Regel nicht, weil seine Temperatur zu niedrig ist und der Druck nicht genau ablesbar ist.
Ohne Druckeinkocher nennt das BfR zwei Auswege für säurearmes Gut: so stark säuern, dass der gemessene pH-Wert unter 4,6 liegt, oder im Abstand von ein bis zwei Tagen zweimal auf 100 °C erhitzen. Das zweite Verfahren senkt das Risiko nur, es beseitigt es nicht.
| Lebensmittel | Verfahren |
|---|---|
| Obst, Konfitüre, saures Eingelegtes | Wasserbad |
| Tomaten | Wasserbad nur mit Säurezusatz, sonst Druck |
| Gemüse, Bohnen, Pilze | Druckeinkocher |
| Fleisch, Geflügel, Fisch, Brühe | Druckeinkocher |
| Mischungen, etwa Eintopf | Druckeinkocher, sofern das Rezept nicht säuert |
Das Wasserbad für saure Lebensmittel
Der USDA-Leitfaden beschreibt den Ablauf so: Die Gläser stehen auf einem Einsatz im Topf, das Wasser steht mindestens 2,5 cm über den Deckeln, bei Zeiten über 30 Minuten mindestens 5 cm. Gezählt wird erst, wenn das Wasser sprudelnd kocht. Hört es zwischendurch auf zu kochen, bringst du es wieder zum Kochen und beginnst die Zeit von vorn. Danach Hitze aus, Deckel ab, 5 Minuten warten, Gläser herausheben und 12 bis 24 Stunden ungestört bei Raumtemperatur abkühlen lassen.
Tomaten liegen teils knapp über pH 4,6 und werden deshalb immer angesäuert, auch wenn du sie unter Druck einkochst. Der Leitfaden nennt je Quart-Glas (rund 0,95 Liter) 2 Esslöffel Zitronensaft aus der Flasche oder einen halben Teelöffel Zitronensäure, je Pint-Glas (rund 0,47 Liter) die Hälfte. Gemeint ist Saft aus der Flasche: Bei frisch gepresstem kann die Säure schwanken und ist unbekannt, heißt es an anderer Stelle im selben Leitfaden.
Weil Wasser in der Höhe früher siedet, verlängert sich die Zeit. Der Leitfaden setzt die erste Stufe schon bei 1.000 Fuß an, rund 305 m – das betrifft einen großen Teil Deutschlands.
| Lebensmittel und Glas | bis rund 305 m | bis rund 914 m | bis rund 1.829 m |
|---|---|---|---|
| Pfirsiche, heiß eingefüllt, Pint | 20 | 25 | 30 |
| Pfirsiche, heiß eingefüllt, Quart | 25 | 30 | 35 |
| Pfirsiche, roh eingefüllt, Pint | 25 | 30 | 35 |
| Pfirsiche, roh eingefüllt, Quart | 30 | 35 | 40 |
| Tomaten zerdrückt, angesäuert, heiß, Pint | 35 | 40 | 45 |
| Tomaten zerdrückt, angesäuert, heiß, Quart | 45 | 50 | 55 |
Druckeinkochen für Gemüse und Fleisch
Der Druck selbst tötet nichts, betont der USDA-Leitfaden – es ist die hohe Temperatur in reinem Dampf. Auf Meereshöhe ergibt ein Überdruck von 10,5 Pfund pro Quadratzoll, rund 0,72 bar, im Topf 240 °F, rund 116 °C. Luft im Topf senkt die Temperatur. Deshalb wird jeder Druckeinkocher vor dem Verschließen 10 Minuten entlüftet: Deckel verriegeln, Ventil offen lassen, ab dem ersten Dampfstrahl 10 Minuten warten, dann Gewicht aufsetzen.
Die Zeit läuft erst, wenn der Druck erreicht ist. Fällt er darunter, bringst du den Topf wieder auf Druck und beginnst mit der vollen Zeit von vorn. Am Ende kühlt der Topf von selbst ab – nie mit kaltem Wasser, das kann nach dem Leitfaden zu unsicheren Konserven führen. Erst wenn er drucklos ist, Gewicht abnehmen, 10 Minuten warten, Deckel vom Gesicht weg öffnen.
Wie viel Druck du brauchst, hängt von der Anzeige und der Höhe ab. Ein Gewichtsregler arbeitet bis 1.000 Fuß mit 10, darüber mit 15 Pfund. Ein Zeigermanometer wird feiner abgestuft, muss aber jedes Jahr geprüft werden; weicht es um mehr als 2 Pfund ab, wird es ersetzt. Drucktöpfe mit kleinem Volumen empfiehlt der Leitfaden nicht, und über 15 Pfund soll ein neues Gerät nicht betrieben werden.
| Lebensmittel und Glas | Zeit | Gewichtsregler | Zeigermanometer |
|---|---|---|---|
| Grüne Bohnen, Stücke, Pint | 20 Min. | 10 Pfund (rund 0,69 bar) bis rund 305 m, darüber 15 Pfund (rund 1,03 bar) | 11 Pfund bis rund 610 m, 12 bis 1.219 m, 13 bis 1.829 m |
| Grüne Bohnen, Stücke, Quart | 25 Min. | wie oben | wie oben |
| Huhn oder Kaninchen mit Knochen, Pint / Quart | 65 / 75 Min. | wie oben | wie oben |
| Huhn oder Kaninchen ohne Knochen, Pint / Quart | 75 / 90 Min. | wie oben | wie oben |
Gläser, Deckel und die Vakuumprobe
Der USDA-Leitfaden geht von Mason-Gläsern mit zweiteiligem Deckel aus – flacher Metalldeckel mit Dichtmasse und Schraubring – und nennt sie die beste Wahl. Die Gläser sind vielfach verwendbar, die Deckel jedes Mal neu. Gläser, die sich so nicht verschließen lassen, empfiehlt er für keinerlei Einkochen, einfache Mayonnaisegläser nicht für den Druckeinkocher, weil sie zu oft springen. Glasdeckel mit Drahtbügel und Verschlüsse mit flachem Gummiring empfiehlt er nicht mehr. Für Weckgläser mit Glasdeckel, Gummiring und Klammer nennt er keine Werte.
Den Kopfraum – Luft zwischen Füllgut und Deckel – gibt jedes Rezept vor, bei Tomaten etwa 1,3 cm, bei Bohnen 2,5 cm, bei Geflügel 3,2 cm. Vor dem Aufsetzen wischst du den Glasrand mit einem feuchten, sauberen Tuch ab. Nach dem Einkochen werden die Deckel nicht nachgezogen.
Nach 12 bis 24 Stunden prüfst du jedes Glas ohne Schraubring. Der Leitfaden nennt drei Proben: Drückt der Deckel nach dem Loslassen zurück, ist er nicht dicht. Klopfst du mit einem Teelöffel darauf, klingt ein dichtes Glas hell, ein undichtes dumpf. Von der Seite gesehen muss der Deckel leicht nach innen gewölbt sein. Ein undichtes Glas kochst du binnen 24 Stunden mit neuem Deckel und voller Zeit erneut ein oder isst es in den nächsten Tagen aus dem Kühlen.
Lagern, Verderb erkennen, sicher entsorgen
Gelagert wird ohne Schraubring, beschriftet und datiert, sauber, kühl, dunkel und trocken. Der USDA-Leitfaden nennt als Obergrenze 95 °F, rund 35 °C, und für die beste Qualität 50 bis 70 °F, rund 10 bis 21 °C. Feuchtigkeit lässt Deckel rosten und Dichtungen versagen. Einkochen sollst du nur, was du binnen eines Jahres verbrauchst.
Vor dem Öffnen prüfst du jedes Glas: Deckel fest und gewölbt? Keine eingetrockneten Spuren vom Rand abwärts, keine aufsteigenden Bläschen, keine fremde Farbe? Beim Öffnen achtest du auf fremden Geruch, herausspritzende Flüssigkeit und watteartigen Schimmel. Säurearmes Verdorbenes zeigt nach dem Leitfaden oft kaum Zeichen – jedes verdächtige Glas gilt deshalb als giftig. Das BfR rät zusätzlich, Eingekochtes wie Gemüse, Fleisch und Fisch direkt vor dem Essen vollständig auf 100 °C zu erhitzen, weil das Gift anders als die Sporen hitzeempfindlich ist.
Verschlossene verdächtige Gläser kommen ungeöffnet in einen festen Müllbeutel. Offene oder undichte behandelt der Leitfaden vor dem Wegwerfen: mit Einweghandschuhen samt Deckeln in einen großen Topf legen, mindestens 2,5 cm mit Wasser bedecken, zugedeckt 30 Minuten kochen, dann alles entsorgen.
Achtung Rechtslage heute: § 5 LFGB verbietet, Lebensmittel für andere so herzustellen oder zu behandeln, dass ihr Verzehr gesundheitsschädlich ist – das Gesetz spricht von „für andere“, nicht nur vom Verkauf. Gefahr: Botulismus. Das BfR nennt Sehstörungen wie Doppeltsehen, Mundtrockenheit, Sprech- und Schluckstörungen bis zur Atemlähmung; die Krankheit kann tödlich verlaufen. Ein gewölbter Deckel oder ein aufgegangenes Glas wird nie gekostet, auch nicht ein Löffel. Zuständig: Bei solchen Beschwerden nach dem Essen sofort Notruf 112, bei einer Frage zu einer möglichen Vergiftung der Giftnotruf deines Bundeslandes.
Häufige Fragen
Kann ich Bohnen im Einkochautomaten sicher einkochen?
Nein. Ein Einkochautomat ist ein Wasserbad, und im Wasserbad werden nach dem BfR 100 °C im Glas nicht überschritten. Säurearmes braucht Druck und 121 °C.
Gelten die US-Zeiten auch für Weckgläser?
Der USDA-Leitfaden geht von Mason-Gläsern mit zweiteiligem Deckel aus, Verschlüsse mit flachem Gummiring empfiehlt er nicht mehr. Übertragen ist deshalb nicht belegt.
Warum muss ich auf 300 m Höhe länger einkochen?
Wasser siedet in der Höhe bei niedrigerer Temperatur. Der USDA-Leitfaden gleicht das ab 1.000 Fuß, rund 305 m, mit mehr Zeit im Wasserbad oder mehr Druck im Druckeinkocher aus.
Was, wenn ich keinen Druckeinkocher habe?
Das BfR nennt als Notlösung, säurearmes Gut auf einen gemessenen pH-Wert unter 4,6 zu säuern oder im Abstand von ein bis zwei Tagen zweimal auf 100 °C zu erhitzen. Das senkt das Risiko, beseitigt es aber nicht.
Quellen
- Selten, aber vermeidbar: Fragen und Antworten zum BotulismusBundesinstitut für Risikobewertung (BfR) · Sporen erst über 100 °C inaktiviert; Botulinum-Kochung 121 °C für 3 Minuten; 100-°C-Grenze in Wasserbad, Backofen und Kesselkonserve; 121 °C unter Druck; zweimaliges Erhitzen und Säuern als Notlösung; Schnellkochtopf; Verderbszeichen; Erhitzen vor dem Verzehr; Beschwerden
- Complete Guide to Home Canning, Guide 1: Principles of Home CanningU.S. Department of Agriculture, herausgegeben vom National Center for Home Food Preservation (University of Georgia) · pH-Grenze 4,6 und Einteilung; 240 bis 250 °F bei 10 bis 15 PSI; Höhenanpassung ab 1.000 Fuß; ungeeignete Verfahren; Gläser und Deckel; Ablauf Wasserbad und Druckeinkocher; Entlüften; Pfirsich-Tabelle; Vakuumprobe; Lagerung; Verderb und Entsorgung
- Complete Guide to Home Canning, Guide 3: Tomatoes and Tomato ProductsU.S. Department of Agriculture, herausgegeben vom National Center for Home Food Preservation (University of Georgia) · Ansäuern von Tomaten mit Zitronensaft oder Zitronensäure; Kopfraum und Wasserbad-Zeiten für zerdrückte Tomaten; frisch gepresster Saft ungeeignet
- Complete Guide to Home Canning, Guide 4: Selecting, Preparing, and Canning VegetablesU.S. Department of Agriculture, herausgegeben vom National Center for Home Food Preservation (University of Georgia) · Grüne Bohnen: Kopfraum, Zeiten und Überdruck nach Höhe für Gewichtsregler und Zeigermanometer
- Complete Guide to Home Canning, Guide 5: Preparing and Canning Poultry, Red Meats, and SeafoodsU.S. Department of Agriculture, herausgegeben vom National Center for Home Food Preservation (University of Georgia) · Huhn oder Kaninchen mit und ohne Knochen: Kopfraum, Zeiten und Überdruck nach Höhe
- Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch, § 5 Verbote zum Schutz der GesundheitBundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de) · Verbot, Lebensmittel für andere gesundheitsschädlich herzustellen oder zu behandeln