Zum Inhalt springen

Warnung & Information

Drucken: vom Stempel zur Druckpresse

Stempel schneiden, Holzschnitt drucken, Druckfarbe aus Ruß und Leinöl, Gutenbergs Lettern und Presse – wie du Aushänge und Anleitungen vervielfältigst.

8 Min. LesezeitFür FortgeschritteneStand: 26. September 2026
Eine funktionsfähige Replik einer Gutenberg-Druckpresse steht im International Printing Museum.
Die Druckpresse vervielfacht Informationen mechanisch – ein Prinzip, das Wissen ohne digitale Infrastruktur verbreitbar macht.Foto: International Printing Museum / Wikimedia Commons / CC0 1.0

Ein Artikel aus der Serie „Kaltstart – Wissen für danach“. Eine Anleitung von Hand abzuschreiben, dauert; zwanzig Aushänge abzuschreiben, dauert zwanzigmal so lange. Dieser Artikel erklärt das Prinzip, auf dem Stempel, Holzschnitt und Gutenbergs Buchdruck beruhen, zeigt, wie du einen Druckstock schneidest und abziehst, was über die alte Druckfarbe aus Ruß und Leinöl belegt ist und wie eine einfache Presse funktioniert. Wie du Papier herstellst, steht im Artikel „Papier schöpfen, Tinte ansetzen, Federkiel schneiden“.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Hochdruck druckt nur, was erhaben stehen bleibt – beim Stempel wie beim Holzschnitt und bei Gutenbergs Lettern.
  • Das Motiv kommt seitenverkehrt auf den Druckstock, damit es im Abdruck seitenrichtig erscheint.
  • Gutenbergs Druckfarbe war eine zähe, ölhaltige Farbe aus Ruß und Leinölfirnis, keine Tinte.
  • Geschnitten wird immer vom Körper weg; die haltende Hand gehört nie vor die Klinge.
  • Mit Leinöl getränkte Lappen können sich selbst entzünden – ausgebreitet trocknen, nie zusammenknüllen.

Warum Vervielfältigen zählt

Wenn Radio und Internet schweigen, wandern Informationen wieder über Papier: ein Aushang am Rathaus, eine Anleitung zum Wasserabkochen für jeden Haushalt, eine Liste, wo es was gibt. Handschrift reicht für ein Blatt. Für viele Blätter braucht es ein Verfahren, das dieselbe Vorlage immer wieder abgibt.

Genau dafür wurde gedruckt. Nach den Staatlichen Museen zu Berlin erlaubt der Holzschnitt, mit vergleichsweise geringem Aufwand hohe Auflagen von mehreren Tausend Blatt zu erzielen; zu seinen Verwendungen zählten religiöse und politische Flugblätter. Auch Gutenberg druckte nach Planet Wissen (WDR) zuerst Kalender und Flugblätter, bevor 1454 sein erstes Buch entstand.

Warum Papier als Speicher so lange hält und welche Schrift darauf am besten übersteht, erklärt der Artikel „Wissen sichern: warum Papier Festplatten überlebt“. Hier geht es darum, wie aus einer Vorlage viele werden.

Das Prinzip Hochdruck

Das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin beschreibt den Holzschnitt als ältestes druckgrafisches Verfahren. Das Motiv wird seitenverkehrt auf eine plane Holzplatte aufgetragen, den Druckstock. Alles, was nicht drucken soll, wird mit Werkzeugen entfernt. Übrig bleiben die Linien und Flächen des Motivs als Stege oder Inseln. Sie werden eingefärbt und auf Papier abgezogen, wobei das seitenverkehrte Motiv wie bei einem Stempel im Abdruck seitenrichtig erscheint.

Weil das Papier die Farbe von den Höhen des Druckstocks aufnimmt, zählt der Holzschnitt zu den Hochdruckverfahren. Stempel aus Kartoffel oder Linoleum und die Metalllettern Gutenbergs arbeiten nach demselben Prinzip. Merke dir daraus zwei Regeln: Was du wegschneidest, bleibt weiß. Und Schrift muss auf dem Druckstock spiegelverkehrt stehen.

Links ein Druckstock mit einem spiegelverkehrten Buchstaben R, rechts der Abdruck auf Papier mit einem seitenrichtigen R, dazwischen ein Pfeil.
Auf dem Druckstock steht das Motiv seitenverkehrt, im Abdruck erscheint es seitenrichtig – bei Schrift entscheidend.Skizze: WildWeasel

Stempel aus Kartoffel, Holz und Linol

Der einfachste Druckstock ist eine halbierte Kartoffel. Die Schnittfläche ist plan und weich. Zeichne das Motiv auf, schneide rundherum Material weg, bis das Motiv erhaben stehen bleibt, tupfe die Fläche trocken und färbe sie ein. Für einfache Zeichen, Nummern oder ein Erkennungsmerkmal auf Zetteln reicht das. Die Kartoffel trocknet aber ein und hält nur kurz – das ist Handwerkswissen, keine Angabe der Quellen.

Haltbarer sind Stempel aus Hartholz oder Linoleum. Linoleum ist weicher und gleichmäßiger als Holz und hat keine Faser, gegen die du schneiden könntest; dafür ist es heute nicht überall zu haben. Holz hat eine Faserrichtung, auf die du beim Schneiden achten musst. Wie du Holz spaltest, hobelst und mit Beitel und Messer bearbeitest, zeigt der Artikel „Holz bearbeiten ohne Maschinen: Werkzeug, Faser, Verbindungen“.

Für kleine Stempel genügt wasserbasierte Farbe oder Tinte. Für größere Auflagen und für Holz hat sich ölhaltige Druckfarbe bewährt, weil sie zäh ist und nicht verläuft – mehr dazu weiter unten.

Querschnitt durch einen Druckstock: Drei erhabene Stege tragen oben Farbe, darüber liegt das Papier. Zwischen den Stegen ist Holz weggeschnitten; diese Stellen bleiben weiß.
Hochdruck: Nur was erhaben stehen bleibt, nimmt Farbe an und druckt. Was weggeschnitten ist, bleibt weiß.Skizze: WildWeasel

Tipp Die DGUV warnt, dass besonders das Schneiden mit hohem Kraftaufwand gefährlich ist: Gleitet die Klinge aus dem Material, rutscht sie ab. Schneide deshalb immer vom Körper weg, in kleinen Spänen statt mit Gewalt, und halte die zweite Hand hinter der Klinge. Stumpfe Messer sind nach DGUV noch gefährlicher als scharfe.

Holzschnitt: Schritt für Schritt

Für den Druckstock wird nach dem Kupferstichkabinett Holz von dichtem, regelmäßigem Wuchs bevorzugt, vor allem Obstbaumholz. Das klassische Brett ist längs der Faser geschnitten. Für sehr feine Motive nahm man später Hirnholzplatten aus Buchsbaum, das Verfahren heißt Holzstich. Farbige Bilder entstehen, indem mehrere Druckstöcke nacheinander auf dasselbe Blatt gedruckt werden.

Die folgenden Schritte verbinden die Beschreibung des Museums mit Handwerkswissen; wo keine Quelle steht, ist es Werkstattpraxis.

  • Brett plan hobeln und glatt schleifen, damit es überall gleichmäßig druckt.
  • Motiv seitenverkehrt aufzeichnen. Schrift prüfst du, indem du die Zeichnung vor einen Spiegel hältst.
  • Flächen, die weiß bleiben sollen, schraffieren oder anmalen, damit du beim Schneiden nichts verwechselst.
  • Konturen zuerst mit dem Messer schräg vom Motiv weg einschneiden, dann das Holz dazwischen mit Hohleisen ausheben. Die Stege unter dem Motiv sollen sich nach unten verbreitern, damit sie nicht abbrechen.
  • Große weiße Flächen tief genug ausheben, sonst nehmen sie beim Einfärben Farbe an.
  • Druckfarbe dünn auf eine glatte Platte geben, mit einer Walze oder einem Ballen verteilen und den Druckstock gleichmäßig einfärben.
  • Papier auflegen und von Hand abreiben, etwa mit einem Löffelrücken, oder in einer Presse abziehen. Das Kupferstichkabinett nennt beide Wege.
  • Einen Probeabzug machen, zu flache Stellen nachschneiden, dann erst die Auflage drucken.

Druckfarbe aus Ruß und Leinöl

Für Metall und Holz taugt gewöhnliche Tinte schlecht. Die Gutenberg Stiftung in Mainz, die sich für Gutenbergs Erbe und das Gutenberg-Museum einsetzt, beschreibt das Problem so: Die Tinten der mittelalterlichen Schreiber waren wasserbasiert und perlten auf den Metalllettern ab. Gutenberg entwickelte deshalb eine ölhaltige Farbe aus Ruß und Leinölfirnis. Diese Druckerschwärze war zähflüssig, haftete am Metall und drang in das Papier ein, ohne zu verschmieren. Planet Wissen nennt als Bestandteile Leinsamen und Ruß.

Ein Mischungsverhältnis nennen die hier genutzten Quellen nicht, und erfundene Mengen gibt es in diesem Artikel nicht. Das Prinzip ist klar: feiner Ruß als Farbkörper, Leinölfirnis als Bindemittel, zu einer zähen Paste angerieben. Probiere kleine Mengen aus und prüfe am Probeabzug, ob die Farbe deckt, ohne in den Zwischenräumen zu schmieren. Leinölfarbe trocknet nicht durch Verdunsten, sondern härtet an der Luft aus – das dauert, und frische Abzüge brauchen Platz zum Trocknen.

Genau diese Eigenschaft macht ölgetränkte Lappen gefährlich. Die Feuerwehr Pforzheim erklärt, dass Leinöle mit Sauerstoff Wärme erzeugen können; in zusammengeknüllten Lappen staut sie sich und kann sie entzünden.

Achtung Gefahr beim Namen: Messer und Hohleisen verursachen Schnittverletzungen, vor allem, wenn sie mit Kraft abrutschen – immer vom Körper weg schneiden (DGUV). Mit Leinöl oder Leinölfarbe getränkte Lappen können sich selbst entzünden (Feuerwehr Pforzheim). Lappen nie zusammengeknüllt liegen lassen: ausgebreitet an der Luft trocknen oder bis zur nächsten Arbeit in einem nicht brennbaren, luftdicht verschlossenen Behälter im Freien, weit weg von Brennbarem, aufbewahren. Mehr dazu im Artikel „Werkzeug schärfen und pflegen“. Wer Ruß über einer Flamme sammelt, arbeitet mit offenem Feuer – nie unbeaufsichtigt. Rechtslage heute: Eine Genehmigung für das Drucken im Haushalt nennen die hier genutzten Quellen nicht; nicht mehr benötigte Lappen gehören laut Feuerwehr Pforzheim getrocknet und luftdicht verschlossen in die Schadstoffsammlung. Zuständig: Brennt es, die Feuerwehr unter 112.

Gutenbergs System: Lettern, Gießinstrument, Presse

Johannes Gutenberg erfand nach dem Gutenberg-Museum Mainz vor mehr als 550 Jahren das Drucken mit beweglichen Metalllettern. Seine Grundidee war nach Planet Wissen, einen Text in Buchstaben und Satzzeichen zu zerlegen. Für jedes Zeichen schnitt er ein Bild seitenverkehrt in ein Stück Stahl, den Stempel oder die Patrize. Diesen schlug er mit dem Hammer in weiches Metall wie Kupfer; so entstand die Matrize, die vertiefte Form des Buchstabens.

Das Herzstück war nach der Gutenberg Stiftung das Handgießinstrument, ein verstellbares Gießgerät aus Metall, in das die Matrize eingelegt wurde. Hinein floss eine Legierung aus Blei, Zinn und Antimon; das Antimon dehnt sich beim Abkühlen leicht aus und presst das Metall in die feinsten Ritzen. Experten schätzen nach Planet Wissen, dass so rund 3.000 Lettern am Tag entstehen konnten. Im Winkelhaken wurden die Lettern zu Zeilen gesetzt und nach dem Druck wieder abgelegt, um neu kombiniert zu werden.

Gedruckt wurde auf einer Spindelpresse, die Gutenberg nach der Stiftung von den Weinbauern seiner Heimat kannte. Wie viel dieses System leistete, zeigt die Bibel: Nach Planet Wissen druckten mindestens vier Setzer und zwölf Drucker 180 Exemplare mit insgesamt 1.280 Seiten in zwei Jahren. Das Letterngießen ist Arbeit mit flüssigem Metall und hier bewusst nur beschrieben. Zeigen lassen kannst du es dir im Gutenberg-Museum, das an rekonstruierten Gutenberg-Pressen Druckvorführungen zeigt und mit dem Druckladen einen museumspädagogischen Projektraum zum Ausprobieren hat.

Eine einfache Presse: Spindel oder Hebel

Eine Presse tut nur eines: Sie drückt Papier gleichmäßig und fest auf den eingefärbten Druckstock. Bei Gutenbergs Spindelpresse schob man die gesetzte Form auf einem beweglichen Karren, dem Fundamentwagen, unter den Tiegel. Dreht man die Spindel, senkt sich der Tiegel. Die entscheidende Neuerung war nach der Gutenberg Stiftung eine Büchse, die verhindert, dass sich der Tiegel beim Drucken mitdreht und das Papier verschiebt.

Ohne Gewinde bleibt der Hebel. Ein kräftiges Brett, an einem Ende drehbar befestigt, drückt über einer ebenen Platte auf den Druckstock; je weiter vom Drehpunkt du drückst, desto weniger Kraft brauchst du. Wie Kraftarm und Lastarm zusammenhängen, rechnet der Artikel „Einfache Maschinen: Hebel, Rolle, Flaschenzug, Keil“ vor. Die Bauweise ist eine Übertragung der Redaktion, keine historische Vorlage.

Wichtig ist bei jeder Bauart, dass Druckplatte und Unterlage plan sind und der Druck senkrecht wirkt. Eine Filz- oder Stofflage zwischen Papier und Druckplatte gleicht kleine Unebenheiten aus. Für kleine Formate ist Abreiben von Hand oft schneller als jede Eigenbaupresse.

Durchschreiben, Schablone, Sieb und Matrize

Nicht jede Kopie braucht einen Druckstock. Durchschreiben mit Kohlepapier zwischen zwei Blättern liefert mit einem harten Stift zwei oder drei lesbare Kopien auf einmal. Für Schilder und Zeichen taugt eine Schablone: Die Form wird aus festem Karton geschnitten, aufgelegt und die Farbe durch die Öffnung getupft.

Der Siebdruck verfeinert die Schablone. Ein feines Gewebe wird auf einen Rahmen gespannt, die nicht druckenden Stellen werden abgedeckt, und die Farbe wird mit einer Gummileiste durch die offenen Maschen gedrückt. Matrizen- und Spiritusdrucker standen im 20. Jahrhundert in Schulen und Büros; sie brauchen aber eigens hergestellte Matrizenblätter und Flüssigkeiten und sind ohne Nachschub keine Lösung. Diese Verfahren beschreiben die Quellen dieses Artikels nicht; die Angaben sind Handwerks- und Alltagswissen.

Häufige Fragen

Warum muss das Motiv spiegelverkehrt auf den Druckstock?

Beim Abziehen wird das Bild gespiegelt, wie bei einem Stempel. Wer seitenverkehrt schneidet, bekommt einen seitenrichtigen Abdruck – bei Schrift ist das entscheidend.

Welches Holz eignet sich für einen Holzschnitt?

Nach dem Berliner Kupferstichkabinett Holz von dichtem, regelmäßigem Wuchs, vor allem Obstbaumholz. Für sehr feine Motive wurden Hirnholzplatten aus Buchsbaum verwendet.

Kann ich mit normaler Tinte drucken?

Für Kartoffel- und kleine Stempel reicht wasserbasierte Farbe. Auf Metalllettern perlte Tinte nach der Gutenberg Stiftung ab; Gutenberg nahm deshalb eine zähe Farbe aus Ruß und Leinölfirnis.

Brauche ich eine Druckpresse?

Nein. Holzschnitte lassen sich nach dem Kupferstichkabinett auch von Hand abziehen. Eine Presse drückt gleichmäßiger und schneller, vor allem bei großen Flächen und hohen Auflagen.

Quellen

  1. Unter Druck – #holzschnitt. 1400 bis heute (Museumsjournal 2/22)Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin · Hochdruckprinzip, seitenverkehrtes Motiv, Obstbaumholz, Stege und Inseln, Abzug von Hand oder mit Presse, mehrere Tausend Blatt, Flugblätter, Farbholzschnitt, Holzstich auf Buchsbaum-Hirnholz
  2. Erfindung des Buchdrucks: Das Gutenberg-SystemPlanet Wissen (WDR) · Stahlstempel, Matrize aus Kupfer, Zinn-Blei-Antimon, Handgießgerät, rund 3.000 Lettern am Tag, Winkelhaken, Spindelpresse, Farbe aus Leinsamen und Ruß, Bibel 1454
  3. Anatomie einer Sensation: Wie funktionierte die Gutenberg-Presse?Gutenberg Stiftung, Mainz (Stiftung) · Patrize und Matrize, Handgießinstrument, Rolle des Antimons, Druckerschwärze aus Ruß und Leinölfirnis, Spindelpresse mit Fundamentwagen, Tiegel und Büchse
  4. Über das MuseumGutenberg-Museum Mainz · Drucken mit beweglichen Metalllettern vor mehr als 550 Jahren, Druckvorführungen an rekonstruierten Gutenberg-Pressen, Druckladen
  5. DGUV Information 209-001: Arbeiten mit Handwerkzeugen, Kapitel 2 WerkzeugeDeutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), veröffentlicht über BG BAU Medien · Schneiden mit hohem Kraftaufwand besonders gefährlich, immer vom Körper weg schneiden, stumpfe Messer gefährlicher als scharfe
  6. Renovierungsarbeiten mit LeinölFeuerwehr Pforzheim · Selbstentzündung leinölgetränkter Lappen, Aufbewahrung im Freien in nicht brennbarem Behälter, Schadstoffsammlung