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Warnung & Information

Gerüchte und Desinformation in der Krise erkennen

Falsche Warnungen, alte Bilder, Plünderungsgerüchte: warum Gerüchte in Krisen so schnell laufen und wie du mit vier Fragen prüfst, bevor du teilst.

8 Min. LesezeitEinstiegStand: 26. September 2026
Mehrere Personen arbeiten gemeinsam an Laptops und Unterlagen während eines Workshops zum Faktenprüfen.
Faktenprüfung ist eine Methode gegen Gerüchte und Desinformation: Quelle, Originalaussage und unabhängige Belege werden systematisch gegengeprüft.Foto: Rodrigo Padula / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

In einer Krise will jeder wissen, was los ist – und genau dann kursieren Meldungen, die nicht stimmen. Manche entstehen aus Sorge oder Missverständnis, andere werden gezielt gestreut. Dieser Artikel zeigt, warum sich Gerüchte in unklaren Lagen so schnell verbreiten, welche Muster immer wiederkehren, wie du eine Meldung in wenigen Minuten prüfst und wo du verlässlich informiert wirst.

Das Wichtigste in Kürze

  • In unklaren Lagen entstehen Gerüchte leicht – je emotionaler eine Meldung, desto häufiger wird sie geteilt.
  • Prüfe vor dem Teilen: Wer ist der Absender? Ist es ein amtlicher Kanal? Stimmt das Datum? Berichten andere Quellen?
  • Amtliche Warnungen kommen über Warn-Apps wie NINA, Cell Broadcast, Radio, Fernsehen und die Seiten der Behörden.
  • Nimm Evakuierungen ernst, auch wenn Gerüchte dich zurück nach Hause ziehen wollen.
  • Was du nicht prüfen kannst, leitest du nicht weiter – auch nicht in der Familiengruppe.

Warum Gerüchte in Krisen so schnell laufen

Wenn etwas Unerwartetes passiert, fehlt zuerst die Information. Behörden brauchen Zeit, um ein Lagebild zu haben, und in dieser Lücke füllen Vermutungen, Hörensagen und Halbwissen den Raum. Das BBK beschreibt es nüchtern: In unklaren Situationen kann es widersprüchliche und falsche Informationen geben, etwa in sozialen Netzwerken, und manchmal entstehen so Missverständnisse oder Gerüchte.

Schon die Kommission, die die Flut 2002 in Sachsen auswertete, hielt fest, dass Katastrophensituationen die Bildung von Gerüchten fördern und sensationsheischenden Fehlmeldungen Vorschub leisten. Eine Öffentlichkeit, die nicht mit präzisen amtlichen Informationen versorgt wird, bleibt nach ihrem Bericht über das notwendige Maß hinaus verunsichert – und das erschwert die Bewältigung der Lage.

Dazu kommt ein einfacher Mechanismus: Laut BBK wird eine Meldung umso häufiger verbreitet, je emotionaler oder dramatischer sie ist. Die Bundesregierung weist darauf hin, dass Privatpersonen falsche Nachrichten oder Bilder oft nicht böswillig teilen, sondern weil sie sich Sorgen machen. Wer weiterleitet, will meistens helfen.

Fehlinformation, Desinformation, Deepfakes

Nicht jede falsche Meldung ist böse gemeint. Die Bundesregierung unterscheidet: Viele Menschen verbreiten Falsches aus Sorge oder Missverständnis. Zur Gefahr werden irreführende Informationen vor allem dann, wenn sie gezielt verbreitet werden, um Menschen vorsätzlich zu täuschen oder zu beeinflussen – dann spricht man von Desinformation.

Nach dem BBK wollen solche Akteure Meinungen beeinflussen, Menschen verunsichern, das Vertrauen in staatliches Handeln untergraben und den Zusammenhalt schwächen. Die Bundesregierung schreibt, dass sich Desinformation gerade in Krisenzeiten häuft und über soziale Medien heute viel schneller verbreitet als früher.

Für dich macht der Unterschied im Alltag wenig aus. Ob eine Meldung aus Absicht oder aus Versehen falsch ist, erkennst du selten sofort. Die Folgen sind dieselben: Das BBK warnt, dass Desinformation in Notfällen sehr gefährlich ist, weil sie dazu führen kann, dass du eine Situation falsch einschätzt.

Eine neuere Form sind Deepfakes: Bild-, Ton- oder Videoaufnahmen, die mit künstlicher Intelligenz erzeugt oder manipuliert werden. Das BBK beschreibt sie als so echt wirkend, dass sie kaum von der Realität zu unterscheiden sind, und nennt als Missbrauch unter anderem Fake-Interviews, Betrug und Desinformation. Eine gefälschte Stimme in einer Sprachnachricht gehört ebenso dazu wie ein erzeugtes Foto einer angeblichen Überschwemmung.

Verlass dich deshalb nicht darauf, eine Fälschung am Bild selbst zu erkennen. Die Prüffragen weiter unten zielen bewusst auf das, was sich nicht fälschen lässt: den Weg, auf dem eine Meldung zu dir kam, und ob der angebliche Absender sie auf seinen eigenen Kanälen tatsächlich veröffentlicht hat.

Video: ❓ Was ist eigentlich #Desinformation ❓ (Bayerisches Innenministerium) – Kurzes Erklärvideo des Bayerischen Innenministeriums (2:49 min) zum Begriff: Desinformation ist absichtlich verbreitete falsche oder irreführende Information.

Muster, die immer wiederkehren

Falschmeldungen müssen weder neu noch besonders geschickt sein, um sich zu verbreiten. Die Bundesregierung nennt als typische Merkmale reißerische Formulierungen und eine besonders emotionale Sprache. In Krisen tauchen einige Formen immer wieder auf:

  • Falsche Warnungen: Kettenbriefe, Sprachnachrichten oder Posts mit „Achtung, bitte sofort teilen!“, die angeblich von Polizei, Feuerwehr oder einem „Bekannten bei der Behörde“ stammen.
  • Nachgemachte Absender: Die Bundesregierung beschreibt Internetartikel, die vorgeben, von einem etablierten Medium zu stammen. Schon 2002 erfuhr die sächsische Flutkommission von einer nicht autorisierten Person, die mit einem Lautsprecherwagen Informationen verbreitete. Heute funktioniert dasselbe mit Screenshots, die aussehen wie eine amtliche Meldung.
  • Alte Bilder in neuem Zusammenhang: Ein Foto von einer früheren Flut oder aus einem anderen Land wird als „jetzt gerade bei uns“ verbreitet.
  • Gerüchte über Plünderungen, Versorgungsnot oder angebliche Anordnungen, die Angst machen und zu schnellen Entscheidungen drängen.

Tipp Ob ein Foto aktuell ist, lässt sich laut Bundesregierung mit einer Bilder-Rückwärtssuche prüfen: Das Bild wird in einer Suchmaschine hochgeladen, die frühere Veröffentlichungen anzeigt – oft in ganz anderem Zusammenhang.

Ein Beispiel aus der Flut 2002

Wie ein Gerücht Menschen konkret in Gefahr bringt, steht im Bericht der Unabhängigen Kommission der Sächsischen Staatsregierung zur Flutkatastrophe 2002. Die Medien berichteten danach nur in Einzelfällen sachverhaltsentstellend. Eines dieser Beispiele war die Berichterstattung über angebliche Plünderungen: Sie führte dazu, dass bereits Evakuierte aus Angst in ihre Häuser zurückkehrten und sich dadurch erneut in Gefahr brachten. Die für die Evakuierung verantwortlichen Gemeinden beklagten das ausdrücklich.

Der Bericht nennt noch einen zweiten Fall: In einer anderen Stadt setzte die Klage eines Einzelnen über eine angebliche Hungersituation einen Transport mit verderblichen Lebensmitteln in Gang, dessen Verwertung vor Ort zusätzliche Probleme machte. Gut gemeinte Hilfe auf Grundlage einer ungeprüften Meldung kann also Kräfte binden, die anderswo fehlen. Mehr zu den Lehren dieser Flut steht in der Fallstudie zu den Hochwassern 2002 und 2013.

Achtung Wenn du evakuiert wurdest, kehre erst zurück, wenn die zuständige Behörde es freigibt – auch wenn Meldungen über Plünderungen oder Schäden an deinem Haus dich zurückziehen. Ein Gebäude im Gefahrengebiet ist kein sicherer Ort, nur weil es deins ist.

Vier Prüffragen, bevor du glaubst oder teilst

Das BBK rät: kritisch hinterfragen statt weiterleiten. Die Bundesregierung empfiehlt als ersten Schritt, Ruhe zu bewahren und sich zu fragen, ob man gerade manipuliert wird – denn nur weil etwas ärgerlich, verängstigend oder lustig ist, ist es noch lange nicht wahr. Danach helfen vier Fragen, die sich aus den Empfehlungen von BBK und Bundesregierung ergeben:

  • Wer ist der Absender? Wer hat das Bild, das Video oder die Nachricht zuerst veröffentlicht? Ein Klarname kann ein Hinweis auf ein echtes Profil sein; eine Internetseite sollte ein Impressum mit verantwortlicher Person und vollständiger Anschrift haben.
  • Ist es ein offizieller Kanal? Steht die Meldung in einer Warn-App, auf der Seite der Behörde oder auf deren eigenem Social-Media-Konto – oder nur in einer weitergeleiteten Nachricht?
  • Passt das Datum? Ist die Meldung oder das Bild wirklich aktuell, oder stammt es aus einer früheren Lage?
  • Berichten andere Quellen? Finden sich ähnliche Berichte bei vertrauenswürdigen Medien? Faktencheck-Redaktionen prüfen viele Falschmeldungen und stellen sie richtig.

Was du tust, wenn die Antwort „nein“ lautet

Das BBK ist hier eindeutig: Wenn du eine der Prüffragen mit Nein beantwortest, könnte es sich um Desinformation handeln – dann verbreite die Information nicht weiter. Das gilt auch für die Familiengruppe und den Nachbarschaftschat. Ein „Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber…“ vor der Weiterleitung hilft niemandem, denn weitergeleitet wird am Ende nur die Meldung, nicht dein Zweifel.

Stimmt die Meldung dagegen, spricht laut Bundesregierung nichts dagegen, sie zu teilen. Das BBK bittet ausdrücklich darum, andere zu unterstützen, indem du die Informationen der Behörden weitergibst – am besten mit Quelle, damit auch der Nächste prüfen kann. Glaubst du, Desinformation gefunden zu haben, kannst du sie nach Empfehlung der Bundesregierung an Faktenchecker und direkt an die Plattform melden.

Eine Folgerung daraus für den Ernstfall: Wenn dir jemand eine angebliche Warnung schickt, schau selbst in deiner Warn-App oder im Radio nach, statt die Nachricht zu prüfen, die du bekommen hast. Die echte Warnung findest du am Ursprung, nicht in der Kopie.

Ablaufskizze: Eine Meldung kommt und durchläuft die vier Prüffragen. Bei einem Nein führt der Pfeil zu „nicht teilen“, stimmt die Meldung, zu „teilen – mit Quelle“.
Ein einziges Nein bei den Prüffragen reicht: Dann wird die Meldung nicht weitergeleitet.Skizze: WildWeasel

Wo du verlässlich informiert wirst

In Deutschland wird über viele Kanäle zugleich gewarnt, damit eine Meldung auch dann ankommt, wenn ein Weg ausfällt. Das BBK nennt unter anderem Radio und Fernsehen, Warn-Apps wie NINA, Cell Broadcast direkt aufs Handy, Stadtinformationstafeln, Lautsprecherwagen und Internetseiten. Alle aktuellen amtlichen Warnungen des Zivil- und Katastrophenschutzes sind im Warnportal des Bundes abrufbar. Wie diese Wege im Einzelnen funktionieren, erklärt der Artikel über die Warnsysteme in Deutschland.

Die Bundesregierung empfiehlt außerdem, sich auf den offiziellen Seiten der öffentlichen Institutionen und in den sozialen Netzwerken auf deren eigenen Kanälen zu informieren. Viele Polizeidienststellen, Feuerwehren und Landkreise betreiben solche Konten. Es lohnt sich, die für deinen Wohnort schon jetzt herauszusuchen – in der Lage selbst findest du echte und nachgemachte Konten schwerer auseinander.

Fallen Mobilfunk und Internet aus, funktionieren nach Angaben des BBK Radiosender weiterhin; batteriebetriebene oder Kurbelradios brauchen dann keinen Strom aus der Steckdose. Was dich sonst erreicht, kommt dann eher mündlich über Nachbarn und Bekannte. Die Prüffragen gelten genauso: Wer hat es gesagt, und woher weiß er es?

Mit der eigenen Angst umgehen

Gerüchte wirken, weil sie auf Angst treffen. Wer sich um Angehörige, das eigene Haus oder die Versorgung sorgt, glaubt schneller, was diese Sorge bestätigt. Das ist menschlich und kein Zeichen von Leichtgläubigkeit. Hilfreich ist, sich an eine verlässliche Quelle zu halten, statt ständig durch Kommentarspalten und Gruppenchats zu scrollen.

Wenn dich eine Meldung aufwühlt, ist das ein guter Moment, kurz innezuhalten, bevor du handelst oder teilst. Wie du mit Belastung in Krisen umgehst, warum feste Zeiten für Nachrichten helfen und was bei starkem Stress guttut, steht im Artikel über psychische Belastung in der Krise. Und wer lernen will, Behauptungen grundsätzlich zu prüfen, findet im Artikel über die wissenschaftliche Methode das Werkzeug dafür.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich eine echte amtliche Warnung?

Am Absender und am Kanal: Echte Warnungen nennen die herausgebende Behörde und kommen über Warn-Apps, Cell Broadcast, Radio, Fernsehen oder die Seiten der Behörden. Im Zweifel schaust du selbst dort nach, statt einer weitergeleiteten Nachricht zu vertrauen.

Darf ich eine Meldung teilen, wenn ich dazuschreibe, dass ich unsicher bin?

Besser nicht. Das BBK rät, Informationen nicht weiterzuverbreiten, wenn du Absender, Faktenbasis oder Übereinstimmung mit anderen Quellen nicht bestätigen kannst. Der Hinweis auf deine Unsicherheit geht beim nächsten Weiterleiten meist verloren.

Was ist der Unterschied zwischen Hoax und Deepfake?

Ein Hoax ist laut BBK eine bewusst verbreitete Falschmeldung als Text oder Bild, leicht teilbar und oft schockierend. Ein Deepfake ist eine mit künstlicher Intelligenz erzeugte oder manipulierte Bild-, Ton- oder Videoaufnahme, die kaum von der Realität zu unterscheiden ist.

Was mache ich, wenn ich merke, dass ich selbst etwas Falsches geteilt habe?

Stell es in derselben Gruppe richtig, möglichst mit der amtlichen Quelle, und lösch die ursprüngliche Nachricht, wenn das geht. Das ist keine Schande – die Bundesregierung weist darauf hin, dass die meisten Menschen Falsches aus Sorge teilen, nicht aus Absicht.

Quellen

  1. Vertrauenswürdige Informationen erkennenBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Gerüchte in unklaren Lagen, emotionale Meldungen verbreiten sich häufiger, Prüffragen, nicht weiterverbreiten, Hoax und Deepfake
  2. So werden Sie gewarntBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Warnmix: Radio, Fernsehen, Warn-Apps wie NINA, Cell Broadcast, Internetseiten, Warnportal des Bundes
  3. In der Krise informiert seinBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Radio funktioniert, wenn Mobilfunk und Internet ausfallen; Informationen der Behörden an andere weitergeben
  4. Woran erkennen Sie Desinformation?Presse- und Informationsamt der Bundesregierung · Fünf Tipps: Absender prüfen, Quellen vergleichen, Faktenchecks, Bilder-Rückwärtssuche, offizielle Kanäle der Institutionen; Teilen aus Sorge
  5. Was ist Desinformation?Presse- und Informationsamt der Bundesregierung · Häufung in Krisenzeiten, nachgemachte Medienseiten, Deepfakes, Ruhe bewahren, prüfen, recherchieren, teilen oder melden
  6. Bericht der Unabhängigen Kommission der Sächsischen Staatsregierung Flutkatastrophe 2002Freistaat Sachsen (Kommission von Kirchbach), Dezember 2002 · Katastrophen fördern Gerüchte, nicht autorisierter Lautsprecherwagen (PDF-S. 185), Plünderungsberichte ließen Evakuierte zurückkehren, Transport nach angeblicher Hungersituation (PDF-S. 187)