Dieser Artikel ist eine Grundlage zum Einordnen: Er behandelt die natürliche Strahlung und die Strahlung aus der Medizin, der jeder Mensch im Alltag ausgesetzt ist – keinen Unfall, keine Kernwaffe und keine gefundene Strahlenquelle. Er erklärt, woher diese Strahlung kommt, warum sie von Ort zu Ort verschieden ist und warum Messwerte bei Regen kurz steigen. Er berechnet keine persönliche Dosis und ist keine Gesundheitsberatung. Die Einheiten Millisievert und Mikrosievert pro Stunde erklärt der Artikel Becquerel, Gray, Sievert.
Das Wichtigste in Kürze
- Natürliche Strahlung ergibt in Deutschland laut BfS im Mittel 2,1 Millisievert pro Jahr, je nach Ort 1 bis 10.
- Den größten natürlichen Anteil liefert eingeatmetes Radon; dazu kommen Nahrung, Weltall und Boden.
- Medizinische Anwendungen, vor allem Röntgen, ergeben im Mittel weitere rund 1,5 Millisievert pro Jahr.
- Ein Jahresmittel ist keine persönliche Dosis – deine eigene kann deutlich darüber oder darunter liegen.
- Ein wetterbedingter Anstieg durch Regen bedeutet in der Regel keine Gefahr; bei Warnungen gelten Behördenhinweise.
Strahlung, die ohnehin da ist
Natürliche Radioaktivität ist laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) überall in der Umwelt anzutreffen, und niemand kann sich ihr entziehen. Sie steckt in Gestein und Boden, in der Luft, in Lebensmitteln und damit auch im eigenen Körper; dazu kommt Strahlung aus dem Weltall. Was dabei im Atomkern passiert, erklärt der Artikel Radioaktivität verstehen.
Das BfS fasst diese natürliche Strahlenexposition in einer Zahl zusammen: Die effektive Dosis eines Menschen in Deutschland beträgt durchschnittlich 2,1 Millisievert im Jahr. Je nach Wohnort, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten reicht sie von 1 bis zu 10 Millisievert. Für die ganze Welt nennt der Wissenschaftliche Ausschuss der Vereinten Nationen zu den Wirkungen atomarer Strahlung (UNSCEAR) einen Mittelwert von 2,4 Millisievert im Jahr, mit einer typischen Spanne von 1 bis 13 Millisievert.
Die Zahlen des BfS setzen sich aus mehreren Quellen zusammen. Die Skizze zeigt sie als Mittelwerte; getrennt davon steht die Strahlung aus der Medizin, die nicht zur natürlichen Strahlung zählt.
Von innen: Radon und Nahrung
Die natürliche Strahlenexposition hat laut BfS eine innere und eine äußere Komponente, und die innere macht den Hauptanteil aus. Über Atemluft und Nahrung nimmt der Mensch seit jeher natürliche radioaktive Stoffe in den Körper auf. Das ist dieselbe Art der Einwirkung, die der Artikel Kontamination oder Bestrahlung für Notfälle beschreibt – hier aber als dauerndes, natürliches Grundrauschen.
Der größte Posten ist Radon. Das radioaktive Gas entsteht in der natürlichen Zerfallskette des Urans und gelangt aus dem Boden in die Luft. Das Einatmen von Radon und seinen Folgeprodukten führt laut BfS im Mittel zu einer effektiven Dosis von 1,1 Millisievert pro Jahr. Wie viel es im Einzelfall ist, hängt laut UNSCEAR stark von den Gebäuden und der örtlichen Geologie ab, denn Radon sammelt sich in der Raumluft.
Mit der Nahrung nimmt der Mensch natürliche Radionuklide aus den Zerfallsreihen von Thorium und Uran auf, außerdem Kalium-40 und Kohlenstoff-14. Dadurch kommen laut BfS jährlich im Mittel circa 0,3 Millisievert hinzu. Warum Stoffe im Körper anders wirken als Strahlung von außen, erklärt der Artikel über Strahlungsarten und Abschirmung.
Von außen: Weltall, Boden und Hauswände
Die äußere Strahlenexposition beträgt laut BfS etwa ein Drittel der natürlichen Strahlenbelastung, im Mittel rund 0,7 Millisievert im Jahr. Etwa die Hälfte davon ist kosmische Strahlung: energiereiche Teilchen aus den Tiefen des Weltalls, die auf ihrem Weg durch die Lufthülle zum großen Teil absorbiert werden.
Weil die Luft abschirmt, hängt die kosmische Strahlung von der Höhenlage ab. Sie ist laut BfS auf Meeresniveau am niedrigsten und nimmt mit der Höhe zu; auf der Zugspitze ist sie viermal höher als an der Küste. Aus demselben Grund erhöht laut UNSCEAR auch das Fliegen in großer Höhe die Strahlenexposition.
Die übrige äußere Strahlung kommt aus der Erde. Die terrestrische Strahlung stammt von natürlichen radioaktiven Stoffen in Böden und Gesteinen, und zwar in regional unterschiedlichen Konzentrationen. Weil Steine und Erden Rohstoffe für Baustoffe wie Ziegel und Beton sind, tragen auch Hauswände dazu bei. Von den etwa 0,4 Millisievert, die die terrestrische Strahlung laut BfS im Jahr ausmacht, entfallen circa 0,1 auf den Aufenthalt im Freien und etwa 0,3 auf den Aufenthalt in Gebäuden.
Warum es im Schwarzwald mehr ist als an der Küste
Die Bodenstrahlung geht laut BfS auf Spuren von Uran, Thorium und Kalium zurück, die überall in Gesteinen, Böden und Baumaterialien vorkommen. In Gegenden mit alten Gesteinsarten wie Granit sind diese Spuren ausgeprägter. Deshalb ist in älteren Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald und dem Erzgebirge die Bodenstrahlung höher als in Norddeutschland oder in den Kalkalpen.
Das zeigt sich auch an den 1.700 Messstellen des BfS. Die natürliche Gamma-Ortsdosisleistung, also die von außen einwirkende Gammastrahlung an einem festen Ort, liegt in Deutschland je nach örtlichen Gegebenheiten zwischen 0,05 und 0,2 Mikrosievert pro Stunde. Ein höherer Wert in einem Granitgebiet ist also zunächst Geologie, kein Hinweis auf ein Ereignis.
Dazu kommen Höhenlage, Haus und Lebensweise. Kosmische Strahlung nimmt mit der Höhe zu, Radon hängt von Untergrund und Gebäude ab, die Nahrung von den Essgewohnheiten. So erklärt sich die Spanne von 1 bis 10 Millisievert, die das BfS für die natürliche Strahlenexposition in Deutschland nennt. Weltweit gibt es laut UNSCEAR größere Bevölkerungsgruppen, die jährlich 10 bis 20 Millisievert aus natürlichen Quellen erhalten.
Medizin: die wichtigste Quelle neben der Natur
Neben der natürlichen Radioaktivität wirkt laut BfS auch Strahlung aus medizinischen und technischen Anwendungen auf den Menschen, vor allem aus der Röntgendiagnostik. Die daraus folgende Strahlenexposition beträgt in Deutschland im Mittel circa 1,5 Millisievert pro Jahr. Für das Jahr 2023 schätzt das BfS die mittlere effektive Dosis durch Röntgenanwendungen auf 1,5 Millisievert pro Einwohner.
Dahinter stehen viele Untersuchungen: Für 2023 schätzt das BfS etwa 125 Millionen Röntgenanwendungen, gut 40 Prozent davon in der Zahnmedizin. Die Dosis verteilt sich aber sehr ungleich. Computertomographie (CT), Angiographien und Eingriffe an den Blutgefäßen machen nur ca. 15 Prozent der Untersuchungen aus, aber beinahe 90 Prozent der gesamten Dosis aller Untersuchungen.
Wichtig ist, wie der Mittelwert entsteht: Das BfS rechnet die Dosis aller Untersuchungen zusammen und teilt sie durch die Zahl der Einwohner. Wer in einem Jahr nicht geröntgt wird, erhält diese Dosis nicht; wer mehrere CT-Untersuchungen braucht, liegt deutlich darüber. Das ist unsere Folgerung aus der Rechenweise, keine eigene Aussage des BfS.
Tipp Röntgen wird nicht beliebig eingesetzt: Eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiko, die rechtfertigende Indikation, ist laut BfS gesetzlich vorgeschrieben und erfolgt durch fachkundiges ärztliches Personal. Das BfS empfiehlt, Röntgenuntersuchungen in einem Röntgenpass zu dokumentieren. Fragen zu einer konkreten Untersuchung gehören in die ärztliche Praxis.
Ein Mittelwert ist keine persönliche Dosis
Die Zahlen in diesem Artikel sind Durchschnitte. Das BfS schreibt zu jedem Posten ausdrücklich dazu: Mittelwert, bezogen auf eine einzelne Person. Niemand ist dieser Durchschnittsmensch. Wer in einem Haus mit viel Radon wohnt, in den Bergen lebt oder häufig untersucht wird, liegt anders als jemand an der Küste, der selten zum Röntgen muss.
Ebenso wenig ist ein Messwert in Mikrosievert pro Stunde eine persönliche Dosis. Die Sonden des BfS erfassen die äußere Gammastrahlung an einem festen Ort, in der Regel einen Meter über Grasboden. Eingeatmetes Radon, die Nahrung und medizinische Anwendungen stecken darin nicht. Ortsdosisleistung und Jahresdosis sind deshalb zwei verschiedene Größen, die sich nicht einfach ineinander umrechnen lassen.
Deshalb rechnet dieser Artikel nichts für dich aus und nennt keine Grenze, ab der ein Wert für dich bedenklich wäre. Die Mittelwerte sind ein Maßstab, um Zahlen in Nachrichten einzuordnen. Ob eine bestimmte Strahlenbelastung für einen bestimmten Menschen eine Rolle spielt, gehört zu Ärztinnen und Ärzten.
Regen, Schnee und Messwerte: meist kein Alarmzeichen
Die äußere Strahlung ist laut BfS an einem Ort weitgehend konstant. Zwei natürliche Vorgänge zeigen sich aber sehr deutlich in den Messdaten. Wenn Niederschläge die radioaktiven Folgeprodukte des Radons aus der Luft waschen und am Boden ablagern, steigt die Ortsdosisleistung kurzzeitig bis auf etwa das Dreifache des natürlichen Pegels. Eine geschlossene Schneedecke kann die Werte dagegen deutlich senken, weil sie die Bodenstrahlung teilweise abschirmt.
Das BfS ordnet solche Schwankungen klar ein: Kurzzeitige Erhöhungen um das Doppelte bis Dreifache der normalen Werte können durch Wettereinflüsse wie Regen oder Wind entstehen und bedeuten keine Gefahr. Auf der Seite ODL-Info lassen sich die Messwerte zusammen mit dem Niederschlagsradar des Deutschen Wetterdienstes ansehen, sodass regenbedingt erhöhte Werte erkennbar sind. Messstellen in höheren Lagen zeigen im Winter oft durch Schnee verringerte Werte.
Auch die Frühwarnung des Messnetzes rechnet mit dem Wetter. Die Schwellenwerte berücksichtigen laut BfS den natürlichen örtlichen Untergrund, statistische Schwankungen und natürliche Umwelteinflüsse wie eine Schneedecke. Wird ein Frühwarnkriterium ausgelöst, prüfen Fachleute die Daten umgehend; über Schutzmaßnahmen entscheiden die zuständigen Behörden. Was ein eigenes Messgerät dabei leisten kann und was nicht, erklärt der Artikel Strahlung zu Hause messen.
Achtung Im Ereignisfall gelten die Anweisungen deiner Katastrophenschutzbehörde über Warn-App, Cell Broadcast und Radio. Dieser Text erklärt Hintergründe und ersetzt sie nicht. Leite aus einem einzelnen Messwert weder Schutzmaßnahmen noch eine Entwarnung ab.
Häufige Fragen
Ist ein höherer Messwert bei Regen gefährlich?
Wenn der Anstieg vom Wetter kommt, meist nicht. Regen wäscht natürliche Folgeprodukte des Radons aus der Luft; die Ortsdosisleistung kann dann laut BfS kurz auf das Doppelte bis Dreifache steigen. Solche wetterbedingten Erhöhungen bedeuten laut BfS keine Gefahr. Das gilt aber nicht pauschal für jeden Anstieg: Bei Warnungen, ungewöhnlich lange erhöhten Werten oder unklarer Ursache gelten die Hinweise der zuständigen Behörden.
Wie viel Strahlung bekomme ich selbst im Jahr ab?
Das lässt sich aus den Mittelwerten nicht ablesen. Die natürliche Strahlenexposition reicht laut BfS je nach Wohnort, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten von 1 bis 10 Millisievert; dazu kommen gegebenenfalls medizinische Untersuchungen. Fragen zur eigenen Gesundheit gehören in die ärztliche Praxis.
Warum ist die Bodenstrahlung im Erzgebirge höher als in Norddeutschland?
Alte Gesteine wie Granit enthalten laut BfS ausgeprägtere Spuren von Uran, Thorium und Kalium. Deshalb ist die Bodenstrahlung in älteren Mittelgebirgen wie Schwarzwald und Erzgebirge höher als in Norddeutschland oder den Kalkalpen.
Zählt Röntgen zur natürlichen Strahlung?
Nein. Röntgen gehört zu den medizinischen Anwendungen, die laut BfS im Mittel zu weiteren circa 1,5 Millisievert pro Jahr führen. Dieser Mittelwert verteilt sich sehr ungleich und sagt nichts über eine einzelne Untersuchung.
Quellen
- Natürliche Strahlung in DeutschlandBundesamt für Strahlenschutz (BfS) · Effektive Dosis 2,1 mSv im Jahr, Spanne 1 bis 10 mSv nach Wohnort, Ernährung, Lebensgewohnheiten; innere Komponente Hauptanteil; Radon 1,1 mSv, Nahrung circa 0,3 mSv (Thorium, Uran, Kalium-40, Kohlenstoff-14); äußere etwa ein Drittel, rund 0,7 mSv, davon etwa zur Hälfte kosmisch; Zugspitze viermal höher als Küste; terrestrisch etwa 0,4 mSv (0,1 im Freien, 0,3 in Gebäuden), Ziegel und Beton; Medizin und Technik circa 1,5 mSv, vor allem Röntgen; jeweils Mittelwert bezogen auf eine einzelne Person (Stand 01.08.2024)
- Röntgendiagnostik: Häufigkeit und Strahlenexposition für die deutsche BevölkerungBundesamt für Strahlenschutz (BfS) · 2023: etwa 125 Millionen Röntgenanwendungen, gut 40 Prozent Zahnmedizin; mittlere effektive Dosis 1,5 mSv pro Einwohner; CT, Angiographien und Interventionen ca. 15 Prozent der Häufigkeit, beinahe 90 Prozent der kollektiven Dosis; Mittelwert aus Kollektivdosis und Bevölkerungszahl (Stand 02.12.2025)
- Nutzen und Risiko der RöntgendiagnostikBundesamt für Strahlenschutz (BfS) · Rechtfertigende Indikation gesetzlich vorgeschrieben, durch fachkundiges ärztliches Personal; Empfehlung, Untersuchungen im Röntgenpass zu dokumentieren (Stand 28.08.2026)
- Überwachung der Gamma-OrtsdosisleistungBundesamt für Strahlenschutz (BfS) · 1.700 Messstellen; Uran, Thorium, Kalium in Gesteinen, Böden, Baumaterialien; Granit, Schwarzwald, Erzgebirge höher als Norddeutschland und Kalkalpen; Radon aus Uran-238; natürliche ODL 0,05 bis 0,2 µSv/h; weitgehend konstant; Niederschlag bis etwa das Dreifache; Schneedecke senkt; Sonde ein Meter über Grasboden; Schwellenwerte berücksichtigen Untergrund und Umwelteinflüsse; ODL-Info mit Niederschlagsradar; Behörden entscheiden (Stand 13.04.2026)
- Radioaktivität messenBundesamt für Strahlenschutz (BfS) · Natürliche Radioaktivität überall, niemand kann sich ihr entziehen; kurzzeitige Erhöhungen um das Doppelte bis Dreifache durch Regen oder Wind bedeuten keine Gefahr
- Answers to Frequently Asked Questions about RadiationUnited Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation (UNSCEAR) · Weltweiter Jahresmittelwert natürlicher Strahlung 2,4 mSv, typische Spanne 1–13 mSv, größere Bevölkerungsgruppen 10–20 mSv; Radon abhängig von Gebäuden und Geologie; Fliegen in großer Höhe erhöht die Exposition (englisch)