Zum Inhalt springen

Haushalt & Familie

Löten und Schweißen: wie Metall sich verbindet

Weichlöten mit dem Kolben, Hartlöten und Schweißen mit Flamme oder Lichtbogen – wie die Verfahren arbeiten und was Rauch, Licht, Funken und Strom anrichten.

8 Min. LesezeitFür FortgeschritteneStand: 26. September 2026

Ein abgerissenes Kabel, ein undichtes Kupferrohr, ein gebrochener Beschlag: Wer löten oder schweißen kann, repariert, was sonst weggeworfen würde. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ erklärt, wie Weichlöten, Hartlöten und die wichtigsten Schweißverfahren funktionieren. Einstellwerte für Geräte stehen hier bewusst nicht – die gehören in einen Kurs. Dafür stehen hier die Gefahren, an denen Anfänger scheitern: Rauch, Licht, Funken, Gasflaschen und Strom.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Löten schmilzt nur das Lot, beim Schweißen schmelzen die Werkstücke selbst.
  • Lötrauch und Schweißrauch werden direkt an der Entstehungsstelle abgesaugt.
  • Die UV-Strahlung des Schweißens verblitzt die Augen und schädigt die Haut. Ohne Schweißerschutz nie hinsehen.
  • Funken zünden auch weit weg. Brennbares entfernen, Löschmittel bereithalten, danach Brandwache.
  • Behälter, die Kraftstoff, Öl oder Chemikalien enthalten haben, schweißt man nie selbst an.

Zuerst: wofür dieses Wissen gedacht ist

Schweißen ist ein Ausbildungsberuf, und in Betrieben gelten dafür strenge Regeln. Wer heute etwas geschweißt oder hart gelötet haben will, geht zum Metallbauer, Installateur oder Kfz-Betrieb. Wer es selbst lernen will, besucht einen Kurs. Nichts in diesem Artikel ändert daran etwas.

Der Text richtet sich an eine andere Lage: Werkstätten und Fachbetriebe sind dauerhaft nicht mehr erreichbar, und die Frage ist, wie man Metall verbindet, ohne sich zu vergiften, zu verbrennen oder das Haus anzuzünden.

Achtung Notfall- und Zivilisationswissen: Dieser Artikel beschreibt Wissen für eine Lage, in der Versorgung, Ärztinnen und Ärzte, Behörden und Fachbetriebe dauerhaft nicht erreichbar sind. Solange sie erreichbar sind, gehen sie vor – beim Schweißen heißt das: Fachbetrieb, Kurs und die Regeln des Brandschutzes. Der Text ersetzt keine Ausbildung, keine ärztliche Behandlung und keine Genehmigung.

Löten oder schweißen: der Unterschied

Beim Löten werden zwei Metallteile mit einem Zusatzmetall, dem Lot, verbunden, ohne dass die Teile selbst schmelzen. So beschreibt es die DGUV Information 213-725 der gesetzlichen Unfallversicherung. Das flüssige Lot fließt in die Fuge und verbindet beim Erstarren beide Oberflächen. Beim Schweißen dagegen verläuft der Prozess nach der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) bei der Schmelztemperatur des Werkstoffs: Die Teile schmelzen an der Naht zusammen, oft mit einem Schweißstab als Zusatz.

Beim Löten unterscheidet man nach der Temperatur. Als Weichlöten gilt nach der DGUV-Information das Löten mit Loten, deren Liquidustemperatur – also die Temperatur, ab der das Lot vollständig flüssig ist – unter 450 °C liegt. Dafür genügt ein elektrischer Lötkolben. Lote, die erst darüber schmelzen, verarbeitet man beim Hartlöten, in der Regel mit der Flamme.

Alle drei Verfahren brauchen blankes Metall. Oxide und Schmutz verhindern, dass Lot oder Schmelze sich mit der Oberfläche verbinden. Beim Löten übernimmt das Flussmittel einen Teil dieser Arbeit; blank schleifen oder bürsten musst du trotzdem.

Weichlöten mit dem Lötkolben

Die beheizte Lötspitze schmilzt den Lötdraht an der Lötstelle. Bleifreie Lote bestehen nach der DGUV Information 213-725 hauptsächlich aus Zinn, Silber und Kupfer. Damit das Lot fließt, braucht es ein Flussmittel. Es löst vorhandene Metalloxide, beseitigt Oberflächenfilme und verhindert, dass sich beim Löten erneut eine Oxidschicht bildet. Übliche Flussmittel bestehen aus Harzen wie Kolophonium und Aktivierungszusätzen.

Beim Löten entstehen Lötrauche. Sie bestehen nach der DGUV-Information überwiegend aus ultrafeinen Partikeln und enthalten je nach Lot und Flussmittel verschiedene gefährliche Stoffe, darunter Aldehyde wie Formaldehyd, das als krebserzeugend eingestuft ist. Kolophonium kann allergische Hautreaktionen auslösen. Deshalb gilt auch für kurze Arbeiten: Lötrauch an der Entstehungsstelle absaugen, etwa mit einem Trichter, einer Haube oder einem Saugröhrchen über der Lötspitze.

Zwei einfache Regeln stehen ebenfalls dort: die Lötspitze so niedrig temperiert wie möglich betreiben und regelmäßig reinigen, und den Kolben nach der Benutzung in den Halter stellen, nicht auf den Tisch legen. Wie du Fehler an Geräten eingrenzt, bevor du den Kolben anheizt, steht im Artikel Reparieren: Fehler eingrenzen.

Tipp Ohne Absaugung – unsere Einschätzung, keine Aussage der Quellen: Arbeite im Freien oder direkt am offenen Fenster und halte den Kopf aus der aufsteigenden Rauchfahne. Das ersetzt keine Absaugung, verringert aber, was du einatmest.

Flamme: Hartlöten und Gasschmelzschweißen

Beim Autogenlöten und Autogenschweißen erwärmt eine Brenngas-Sauerstoff-Flamme die Werkstücke, erklärt die BGHM in ihrem Merkblatt zu diesen Geräten. Beim Schweißen schmilzt das Material, und ein Schweißstab wird zugeführt; beim Hartlöten wird ein Lot zugegeben. Die BGHM rät beim Autogenlöten zu cadmiumfreien Loten.

Die Gase kommen aus Druckgasflaschen, und die verlangen Sorgfalt. Nach der BGHM gehören bei Lagerung und Transport die Ventilschutzkappen auf die Flaschen; Flaschen werden nicht geworfen und nicht liegend gerollt. Beim Arbeiten stehen sie auf festem, ebenem Grund und sind gegen Umfallen gesichert. Schläuche prüfst du vor jeder Arbeit auf Beschädigung und Porosität, die Anschlüsse auf festen Sitz.

Auch die Reihenfolge ist festgelegt: Am Brenner öffnest du zuerst das Sauerstoff- und dann das Brenngasventil, zum Schluss schließt du zuerst das Brenngas und dann den Sauerstoff. Angezündet wird mit einem Gasanzünder, der Verbrennungen ausschließt. Pfeift der Brenner stark, ist das eine Rückzündung: sofort Sauerstoff- und Brenngasventil schließen.

Sauerstoff ist kein Druckluftersatz. Die DGUV Regel 100-500 warnt, dass Abblasen der Kleidung oder Kühlen des Körpers mit Sauerstoff lebensgefährlich ist, weil es zu schweren Verbrennungen führen kann. Gasschläuche werden außerdem vor Öl und Fett geschützt.

Lichtbogen: Strom als Wärmequelle

Beim Lichtbogenschweißen wird elektrische Energie in Wärme umgesetzt, um Bauteil und Zusatzwerkstoff aufzuschmelzen. Im Lichtbogen des Metall-Schutzgasschweißens herrschen nach der DGUV Information 209-096 Temperaturen von 4.000 bis 16.000 °C; ein Teil des flüssigen Metalls verdampft dabei. Beim Lichtbogenhandschweißen schmilzt eine umhüllte Stabelektrode ab, beim Metall-Schutzgasschweißen eine Drahtelektrode unter Schutzgas.

Die größte unsichtbare Gefahr ist der Strom. Die BGHM erklärt, dass man bei allen Schweißverfahren mit elektrischem Strom selbst Teil des Stromkreises werden kann. Mögliche Folgen sind Muskelverkrampfungen, Herzkammerflimmern und Herzstillstand. Der beste Schutz ist Isolation, etwa durch Handschuhe und eine isolierende Unterlage.

Die DGUV Regel 100-500 ergänzt: Elektrodenhalter und Brenner so halten, dass kein Strom durch den Körper fließen kann, und so ablegen, dass sie weder das Werkstück noch das Gehäuse der Stromquelle berühren. Bei längeren Pausen wird die Stromquelle auf der Netzseite abgeschaltet. Warum Strom im Körper so gefährlich ist, erklärt der Artikel Strom verstehen.

Rauch und Licht: was die Gesundheit angreift

Bei allen schweißtechnischen Arbeiten entsteht Schweißrauch. Der überwiegende Teil seiner Partikel ist nach der DGUV Information 209-096 alveolengängig, gelangt also bis in die Lungenbläschen. Im Vordergrund stehen entzündliche Erkrankungen der Atemwege und der Lunge wie chronische Bronchitis, Asthma und Lungenfibrosen. Je nach Zusammensetzung kann Schweißrauch auch Krebs der Atemwege und der Lunge auslösen, etwa durch Chrom(VI)-Verbindungen oder Nickeloxid. Mangan kann parkinsonähnliche Symptome hervorrufen.

Die Zusammensetzung hängt vor allem vom Zusatzwerkstoff ab; Beschichtungen und Verunreinigungen auf dem Werkstück verdampfen zusätzlich. Deshalb gehört die Absaugung direkt an die Entstehungsstelle, wie die BGHM schreibt.

Das Licht ist die zweite Gefahr. Beim Schweißen entsteht UV-Strahlung, die nach der BGHM die Augen schädigt – das sogenannte Verblitzen – und ebenso die Haut. Die DGUV Regel 100-500 nennt ultraviolette, sichtbare und infrarote Strahlung. Weil die Intensität mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt, können bei kurzer Dauer schon einige Meter Abstand Unbeteiligte schützen; besser sind Stellwände oder Vorhänge. Beim Gasschweißen nennt die BGHM Augenschutz der Schutzstufe 4 bis 7, je nach Gasdurchsatz.

  • Schweißerschutzhelm oder -schild, beim Gasschweißen eine Schweißerschutzbrille
  • brandhemmende, hoch geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln – keine leicht schmelzenden Kunstfasern
  • Lederhandschuhe mit langen Stulpen und eine Lederschürze
  • Stiefel mit langem Schaft oder Ledergamaschen, damit keine Schweißperlen in den Schuh fallen
  • keine Einwegfeuerzeuge und Spraydosen in den Taschen

Brand und Explosion: Heißarbeiten und Behälter

Funken sind heiße Metall- und Schlacketeilchen. Nach der DGUV Regel 100-500 können sie auch weit entfernt von der Arbeitsstelle zünden und durch Fugen, Ritzen und Rohröffnungen in benachbarte Bereiche gelangen. Außerhalb von Werkstätten muss man deshalb immer mit Brand- und Explosionsgefahr rechnen. Zuerst werden brennbare Stoffe entfernt. Was nicht weg kann, wird abgedeckt, etwa mit Sand, Erde oder schwer entflammbaren Tüchern; Öffnungen werden abgedichtet. Auch ölige Arbeitskleidung brennt, warnt die BGHM.

Während der Arbeit beobachtet ein Brandposten die Umgebung und löscht einen Entstehungsbrand selbst. Danach kontrolliert eine Brandwache wiederholt, ob irgendwo etwas glimmt. Was du tust, wenn es doch brennt, steht im Artikel Brand in der Wohnung.

Am gefährlichsten sind Behälter, Fässer und Tanks, die etwas enthalten haben. Die DGUV Regel 100-500 betont, dass auch geringe Reste unter Schweißhitze gefährlich werden können – ausdrücklich auch Heizöl, Dieselkraftstoff, Öle und Fette. Solche Arbeiten laufen im Betrieb nur unter Aufsicht eines Sachkundigen, der Entleeren, Reinigen und gegebenenfalls eine flammenerstickende Schutzfüllung festlegt.

Achtung Rechtslage heute: Im Betrieb legt der Unternehmer nach der DGUV Regel 100-500 ergänzende Schutzmaßnahmen in einer schriftlichen Schweißerlaubnis fest, wenn sich durch Entfernen brennbarer Stoffe ein Brand oder eine explosionsfähige Atmosphäre nicht ausschließen lässt. Arbeiten an Behältern mit gefährlichem Inhalt laufen nur unter Aufsicht eines Sachkundigen, und schweißen dürfen dort in der Regel nur Beschäftigte ab 18 Jahren. Gefahr: Schweißrauch, der je nach Zusammensetzung Krebs auslösen kann, verblitzte Augen, Stromschlag bis zum Herzstillstand, Brand durch Funkenflug, Explosion von Behältern mit Resten, Verbrennungen durch Sauerstoff. Zuständig: Schweiß- und Hartlötarbeiten an Gas-, Wasser- und Heizungsleitungen, Tanks und Fahrzeugen erledigt heute ein Fachbetrieb. Lernen kannst du es in Kursen, etwa an Bildungseinrichtungen des DVS, eines Fachverbands. Bei Brand, Verbrennung oder Stromunfall: 112.

Lernen, bevor man es braucht

Schweißen lernt man mit der Hand, nicht aus Text. Der Deutsche Verband für Schweißen und verwandte Verfahren (DVS) ist ein Fachverband; viele seiner Kursstätten sitzen bei Handwerkskammern und Berufsbildungszentren. Die Kurse sind nach Angaben des Verbands modular aufgebaut, das Angebot reicht vom Einstieg ins Löten bis zu Schweißer-Prüfungsbescheinigungen.

Wer schmiedet, kennt das Arbeiten mit Hitze und Funken schon; der Artikel Schmieden ergänzt diesen hier. Heb dir außerdem die Merkblätter der Berufsgenossenschaft auf Papier auf. Sie sagen knapp, was vor, während und nach der Arbeit zu tun ist.

Häufige Fragen

Reicht ein Lötkolben, um ein Kupferrohr abzudichten?

Für Wasserleitungen im Haus ist heute ein Installateur zuständig. Die DGUV-Information beschreibt den Lötkolben für Weichlot unter 450 °C und punktförmige Lötstellen, etwa an Elektronik – nicht für Rohre.

Warum darf ich nicht kurz ohne Schutz in den Lichtbogen schauen?

Die UV-Strahlung schädigt die Augen, das nennt man Verblitzen. Nach der BGHM braucht es Augen- und Hautschutz, und auch Umstehende werden mit Sichtschutzwänden geschützt.

Ist ein leerer Kanister ungefährlich zum Schweißen?

Nein. Nach der DGUV Regel 100-500 können auch geringe Reste von Kraftstoff, Öl oder Fett unter Schweißhitze gefährlich werden. Solche Behälter bearbeitet im Betrieb nur ein Sachkundiger oder jemand unter seiner Aufsicht.

Was mache ich, wenn der Gasbrenner laut pfeift?

Starkes Pfeifen deutet auf eine Rückzündung hin. Die BGHM sagt: sofort Sauerstoff- und Brenngasventil am Brenner schließen.

Quellen

  1. DGUV Regel 100-500, Kapitel 2.26: Schweißen, Schneiden und verwandte Verfahren – Abschnitt 3Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Fassung im Vorschriftenportal der BG Nahrungsmittel und Gastgewerbe · Optische Strahlung und Abstand, Kleidung, Sauerstoff, Funkenflug, Brandposten und Brandwache, Schweißerlaubnis, Behälter mit Resten, Verhalten bei Lichtbogenarbeiten, Mindestalter
  2. Schweißen (Bin mir sicher)Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) · Absaugung an der Entstehungsstelle, Brandgefahr und ölige Kleidung, Körperdurchströmung, UV-Strahlung und Verblitzen, Schutzausrüstung
  3. Arbeitsschutz Kompakt Nr. 043: Autogenschweiß- und AutogenlötgerätBerufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) · Funktionsweise der Flamme, Gasflaschen, Ventilreihenfolge, Rückzündung, cadmiumfreie Lote, Augenschutz Schutzstufe 4 bis 7
  4. DGUV Information 213-725: Manuelles Kolbenlöten mit bleifreien LotlegierungenDeutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) · Weichlöten unter 450 °C, Aufgabe des Flussmittels, Lotbestandteile, Lötrauch, Kolophonium, Absaugung, Lötspitzentemperatur und Halter
  5. DGUV Information 209-096: Schweißrauchminderung im BetriebDeutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Sachgebiet Schiffbau, Metallbau, Schweißen · Entstehung von Schweißrauch, Lichtbogentemperatur, alveolengängige Partikel, Atemwegserkrankungen, Krebs durch Chrom(VI) und Nickeloxid, Mangan
  6. Bildung und ZertifizierungDVS – Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e. V. (Fachverband) · Modulare Kurse vom Löten an, Kursstätten, Schweißer-Prüfungsbescheinigungen